08.06.2016
Unfallforschung der Versicherer

Warum Auffahrunfälle von Wohnmobilen oft schwere Folgen haben

Unfälle mit Wohnmobilen sind zwar selten, aber oft schwer. Häufig handelt es sich um Auffahrunfälle. Meist werden die Unfallgegner schwerer verletzt als die Reisemobil-Insassen. Im Reisemobil selbst haben die hinten Sitzenden schlechtere Karten beim Crash. Zudem sind Wohnmobile oft überladen und die Reiseutensilien schlecht gesichert. Auch bei der Bremsleistung und bei der Ausstattung mit Fahrerassistenzsystemen hinken Reisemobile modernen Pkw deutlich hinterher.

Das sind Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt der Unfallforschung der Versicherer (UDV), bei dem das Unfallgeschehen von Wohnmobilen detailliert analysiert und die fahrdynamischen Eigenschaften unter die Lupe genommen wurden. Grund für die Untersuchung war die kontinuierliche Zunahme der Neuzulassungen und damit des Reisemobilbestands in den vergangenen Jahren und das fehlende Detailwissen über die Struktur von Unfällen mit Wohnmobilen.

Was passiert, wenn ein Wohnmobil mit 70 km/h auf ein stehendes Auto fährt? In einem Crashtest haben die Unfallforscher der Versicherer festgestellt, …

Unfälle mit Getöteten oder Schwerverletzten sind dabei glücklicherweise sehr selten. Doch wenn sie passieren, sind die Folgen für die Unfallgegner oft gravierender als für die Reisemobilisten. Von den 2014 bei Wohnmobilunfällen Getöteten waren vier im Reisemobil und 11 bei den Unfallbeteiligten zu verzeichnen. Bei den Schwerverletzten war das Verhältnis 44 zu 103.

Unfälle mit Getöteten passieren überwiegend auf der Landstraße und am häufigsten bei Auffahrunfällen. „Viele davon müssten nicht sein“, so Siegfried Brockmann, Leiter der UDV, „wenn Wohnmobile mit Bremsen nahe am Pkw-Niveau ausgerüstet wären und Fahrzeuge nicht auch noch oft überladen wären.“ Bremswege von 60 Metern seien einfach nicht mehr zeitgemäß. Komme dann noch Ablenkung oder zögerliches Bremsen dazu, sei ein Auffahrunfall beinahe vorprogrammiert.

… dass die Insassen im Auto schwerer verletzt werden, als die im Wohnmobil. Das häufigste Problem in der Praxis: …

Doch möglicherweise haben die Wohnmobilfahrer auch Angst, dass ihnen beim Bremsen das Inventar um die Ohren fliegt. Eine Angst, die nicht ganz unberechtigt ist. Wie ein Crashtest der UDV mit 70 km/h zeigt, fliegen ungesicherte Teile, aber auch ein Hund, wie Geschosse durch den Innenraum. Die Folge: im Reisemobil Sitzende können schwer verletzt werden.

Bei den Fahrdynamikversuchen verhielt sich das getestete Wohnmobil – auch an der Beladungsgrenze – relativ gutmütig. Schwer ist es allerdings für den Nutzer zu erkennen, ob das zulässige Gesamtgewicht seines Gefährts überschritten ist und ob eine Achse überladen wurde. Bei Verkehrskontrollen war rund die Hälfte aller Campingfahrzeuge zu schwer. Jedes 9. sogar so viel, dass es nicht weiterfahren durfte. Viele Reisemobilisten sind sich über diesen Umstand nicht im Klaren. Sie fahren mit vollem Wassertank in den Urlaub und verschenken somit eine einfache Möglichkeit zur Gewichtsreduktion.

… Wohnmobile sind häufig überladen und bremsen lange nicht so gut wie ein Pkw. Weitere Informationen unter www.udv.de

Um Wohnmobile sicherer zu machen, sollten ESP und Notbremsassistenten für alle Fahrzeuge dieser Fahrzeuggattung obligatorisch sein. Die Gurtsysteme auf allen Sitzplätzen im Wohnmobil sollten Pkw-Niveau haben, vor allem die Sitzplätze im Wohnbereich gilt es sicherer zu gestalten. „Doch auch der Fahrer kann etwas für mehr Sicherheit tun“, so Siegfried Brockmann, „er kann, um Überladung zu vermeiden, sein Fahrzeug mit Reisegepäck bei Prüforganisationen ruhig einmal wiegen lassen, außerdem sollte er den Zustand seiner Reifen im Blick haben und das Reisegepäck sicher verstauen, so dass nichts herumfliegen kann.“