15.06.2016
Kolumne Dialog zur Alterssicherung

Machen wir die Rente demografiefest!

Das Bundesarbeitsministerium hat Arbeitgeber, Gewerkschaften, Wissenschaftler und Verbände zu einem runden Tisch eingeladen. Zur Lösung der Rentenfrage ist das der richtige Weg. Statt populäre Wunschlösungen zu postulieren, brauchen wir aber vor allem fundierte Daten. Die Kolumne vom Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung Jörg von Fürstenwerth.

Zur Lösung der Rentenfrage müssen wir über den Tellerrand schauen. Statt populäre Wunschlösungen zu postulieren ohne nach dem Morgen zu fragen, brauchen wir ein realistisches Bild: Einen systematischen Dialog über die Zukunft der Altersvorsorge – statt des öffentlichen Buhlens um Aufmerksamkeit mit immer spektakuläreren Reformvorschlägen.

Zur Versachlichung einer emotionalen Debatte lohnt es sich, Daten zu erheben. Das haben wir getan und die Ergebnisse Anfang der Woche vorgestellt. „Rentenperspektive 2040 – Längeres Arbeiten stabilisiert die gesetzliche Altersvorsorge“ steht über unserer Pressemitteilung. Das entsprechende Prognos-Gutachten identifiziert die Vorteile einer längeren Lebensarbeitszeit für Rentner, Arbeitnehmer und den Bundeshaushalt – und wirft auch einen Blick über 2030 hinaus, das kritische Jahr, zu dem viele statistische Prognosen für die Konzeption der Rente von heute enden.

Eine längere Lebensarbeitszeit bietet auch mehr Chancen privat vorzusorgen

Was kümmert einen Versicherer die gesetzliche Altersvorsorge? Da fällt mir eine ganze Menge ein. Selbstverständlich steht eine längere Lebensarbeitszeit auch für mehr Chancen privat vorzusorgen – und das etwa auch mit einem Riester-Vertrag zu tun.

Vor allem aber wollen wir darauf hinweisen: Alle Säulen der Alterssicherung müssen reformiert werden – von der gesetzlichen über die betriebliche bis zur privaten Vorsorge. Damit sind alle gesellschaftlichen Gruppen betroffen: Ich freue mich daher sehr über die Einladung des Bundesarbeitsministeriums zu einem „Dialog zur Alterssicherung“ zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften, Wissenschaftlern, Verbraucherschützern, Verbänden und natürlich der Politik.

GDV-NEWSLETTER

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Der GDV-Newsletter bietet einen aktuellen Überblick über die wichtigsten Themen der Versicherungswirtschaft – immer donnerstags in Ihrem E-Mail-Postfach.
Hier abonnieren

Die Riester-Rente ist eines der erfolgreichsten freiwilligen Vorsorgesysteme weltweit

So wie die Rentendebatte in den vergangenen Wochen geführt wurde, hat das die Menschen verunsichert. Die Zahl der laufenden Riester-Verträge ist im ersten Quartal 2016 prompt marginal gesunken – erstmals seit Beginn der der Förderung im Jahr 2001. Wundert Sie das? Auch wenn wir faktisch nur von 1000 Verträgen reden: Natürlich sind einige Sparer frustriert ob der Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik. Natürlich sind Sparer verunsichert ob der laufenden Debatte um die Zukunft von Riester. Und natürlich tritt langsam auch eine gewisse Marktsättigung ein. Machen wir uns aber klar, dass es derzeit insgesamt rund 16,5 Mio. Riester-Verträge gibt – damit handelt es sich um eines der erfolgreichsten freiwilligen Vorsorgesysteme weltweit. Wollen wir das leichtfertig kaputtreden?

Zurück zu unserem Prognos-Gutachten: Wir alle müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen gern und gesund länger arbeiten können – der Maurer, die Sachbearbeiterin, der IT-Spezialist. Ein Rentenniveau, wie wir es früher einmal hatten, werden wir aber nur durch längeres Arbeiten allein nicht wieder herstellen können. Dass private Vorsorge angesichts der demografischen Entwicklung heutzutage immens wichtig für einen auskömmlichen Lebensabend ist, muss wohl nicht mehr diskutiert werden.

Altersvorsorge ist stets von großem gesellschaftlichem Interesse. Wir Versicherer wissen das – und wollen unserer Verantwortung gerecht werden. Privat vorsorgen können die Menschen dabei auf vielerlei Wegen: Die Versicherungsbranche wird daran gemessen werden, ob sie Sparerinnen und Sparer von ihren Angeboten auch in Zukunft überzeugen kann. Dafür arbeiten wir.

Ich freue mich auf konstruktive Gespräche: Machen wir die Rente demografiefest – auf allen drei Säulen!

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth