22.06.2016
Aktuelle Statistik

Frauen profitieren besonders von Riester

Von der Riester-Förderung profitieren vor allem Sparer mit niedrigen Einkommen – und Frauen. Das bestätigen die jüngsten Zahlen der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA). Allerdings schöpft weiterhin nur gut die Hälfte der Sparer die Riester-Förderung voll aus.

Für Frauen lohnen sich die Riester-Zulagen besonders: Von rechnerisch 100 Euro, die Frauen im Jahr 2012 in einen Riester-Vertrag eingezahlt haben, stammten im Durchschnitt 44,70 Euro vom Staat. Bei den Männern lag der Vergleichswert mit 22,70 Euro deutlich niedriger.

Allerdings sind die Zulagen nur ein Teil der Förderung; auch der Sonderausgabenabzug hilft bei der Vorsorge. Nach den aktuellsten Statistiken der ZfA, die jetzt abschließend über das Jahr 2012 berichtet, erhielt jeder Riester-Sparer durchschnittlich eine Zulagen- beziehungsweise Steuerförderung von 331 Euro. Frauen profitierten von einer deutlich höheren Fördersumme (369 Euro) als Männer (283 Euro). Dies ist nach Angaben der ZfA im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger eine Kinderzulage erhalten. Die Kinderzulagen summierten sich 2012 auf gut 1,3 Milliarden Euro und damit auf annähernd die Hälfte der ausgezahlten Zulagen insgesamt (2,67 Milliarden Euro).

Zwei Drittel der Riester-Sparer verdienen weniger als 30.000 Euro

Besonders häufig werden die Riester-Zulagen von Menschen mit niedrigeren Einkommen in Anspruch genommen. Der Statistik zufolge verdienten 2012 fast zwei Drittel (63,2 Prozent) der Riester-Sparer weniger als 30.000 Euro pro Jahr.

Insgesamt förderte der Staat die Altersvorsorge mit Zulagen und Steuerermäßigungen in Höhe von rund 3,58 Milliarden Euro – das waren gut drei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Verträge lag 2012 laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales bei 15,8 Millionen und ist bis 2016 auf 16,5 Millionen gestiegen. Von allen geförderten Personen erhielten laut ZfA rund 3,8 Millionen eine Steuerermäßigung über die gezahlten Zulagen hinaus.

Die ZfA-Statistik zeigt aber auch: Die Riester-Zulagen können noch besser genutzt werden. Etwa zwei Drittel der Zulagenempfänger schöpfen den Förderrahmen fast vollständig aus. Familien nutzen die staatliche Förderung schon weitaus besser: Hier sind es drei Viertel der Zulagenempfänger mit Kindern, die die möglichen Zulagen fast vollständig abrufen.

Gut zu wissen: Riester-Förderung in Kürze

Wer die volle Riester-Förderung erhalten möchte, muss jährlich mindestens vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens einzahlen.

Die maximale jährliche Grundzulage beträgt 154 Euro pro förderberechtigter Person. Zusätzlich wird eine Kinderzulage von 185 Euro gezahlt. Für Kinder, die 2008 oder später geboren wurden, fließen 300 Euro. Die Kinderzulage gibt es solange wie man Kindergeld bezieht – also maximal bis zum 25. Lebensjahr des Kindes.

Zudem können Beiträge zur Riester-Altersvorsorge einen zusätzlichen Steuervorteil bringen. Das Finanzamt berechnet im Rahmen der sogenannten Günstigerprüfung automatisch, ob für die eingezahlten Beiträge über die Zulage hinaus eine zusätzliche Steuerermäßigung besteht. Der steuerliche Sonderausgabenabzug für diese Beiträge ist auf 2.100 Euro begrenzt.

Riester erreicht die Richtigen

„Die Riester-Förderung hat bislang die richtigen Zielgruppen erreicht, wenn auch noch nicht alle“, sagt Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Anstatt die erreichten Erfolge zu zerreden, sollte die Politik darauf aufbauen und das richtige Instrument noch besser machen. „Auch gesundheitspolitische Vorsorgeprogramme gelten nicht pauschal als gescheitert, nur weil nicht alle mitmachen“, so Schwark. Es gelte daher zuerst die verbliebenen Hindernisse zu beseitigen.

Künftig dürfe daher niemand mehr dafür bestraft werden, dass er privat für das Alter vorgesorgt hat. „Entsprechend sollte die Riester-Rente nicht mehr voll auf die staatliche Grundsicherung im Alter angerechnet werden“, sagt Schwark. „Außerdem muss die seit Jahren nominal eingefrorene Förderung endlich an die gestiegenen Einkommen angepasst werden, um die fortlaufende Erosion der Förderwirkung zu beenden.“ Und nicht zuletzt müsse das Wirrwarr beim förderberechtigten Personenkreis aufgelöst werden, indem künftig alle Erwerbstätigen einbezogen werden, insbesondere auch die kleinen Selbständigen.

Riester-Zulagen können noch zwei Jahre nach Ablauf eines Beitragsjahres beantragt werden – für das Jahr 2012 endete die Antragsfrist am 31. Dezember 2014. Dementsprechend liegen laut ZfA derzeit erst für 2012 nahezu vollständige Daten vor. Die ZfA ist als Bundesbehörde unter anderem zuständig für die Berechnung und Auszahlung der Riester-Zulagen.