07.06.2016
Zunk gefragt - Altersvorsorge

„Die Lebensversicherung ist ein flexibles Produkt“

Die Rendite aller Finanzprodukte leidet derzeit unter den niedrigen Zinsen – auch die Millionen von Lebensversicherungsverträgen. Klar, dass sich einige Kunden Gedanken über ihre private Altersvorsorge machen – erst recht wenn das Geld mal knapp ist. GDV-Verbraucherexperte Mathias Zunk über sinkendende, ausgesetzte und gestundete Beiträge für eine Lebensversicherung.

Herr Zunk, wenn mir der Beitrag für meine Lebensversicherung im Moment zu hoch ist, kann ich da heute noch irgendwie nachverhandeln?
Mathias Zunk: Natürlich. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Beitrag zu reduzieren: Lebensversicherungen enthalten zum Beispiel oft Zusatzbausteine, die Sie separat kündigen können. Das macht den Beitrag entsprechend günstiger. Aber bedenken Sie dabei auch, dass Sie damit den Versicherungsschutz reduzieren. Alternativ können Sie die Versicherungssumme herabsetzen. Dabei darf jedoch ein bestimmter Mindestbetrag nicht unterschritten werden. Bevor Sie jedoch diese Möglichkeiten mit ihrem Versicherer besprechen, empfehle ich: Prüfen Sie doch mal, ob ihnen vielleicht schon mit einer Änderung der Zahlungsweise geholfen ist. Kleinere Raten in kürzeren Intervallen sind für viele Menschen leichter aufzubringen als ein Jahres- oder Halbjahresbeitrag.

Viele Menschen sind knapp bei Kasse. Nun werfen Lebensversicherungen angesichts der niedrigen Zinsen auch weniger ab. Was ist, wenn ich den Vertrag vorzeitig kündigen möchte?
Zunk: Altersvorsorge ist kein Kurzstreckenlauf, sondern ein Marathon, bei dem es auf eine bestimmte Ausdauer ankommt. Insofern kann es zwar sein, dass Ihnen die Kündigung ihrer Lebensversicherung im ersten Moment eine gewisse Erleichterung verschafft. Sie wirft aber ihre ursprünglich geplante Alterssicherung über den Haufen. Eine Lebensversicherung zu kündigen, macht nur selten Sinn. Eine frühzeitige und private Vorsorge ist ohne Alternative, wenn sie einen auskömmlichen Ruhestand erleben möchten. Gerade wegen der niedrigen Zinsen müssen Sie eher mehr für Ihre Altersvorsorge tun, als weniger.

Fragen zu Ihrem Versicherungsschutz?

Tag für Tag melden sich Versicherungskunden mit ihren Fragen beim GDV-Verbraucherservice. Ob es dabei um die Hausratversicherung, einen Riester-Vertrag oder einen Kaskoschaden am Auto geht: Unser Experte Mathias Zunk gibt an dieser Stelle regelmäßig Auskunft zu Fragen rund um das Thema Vorsorge und Versicherungen.

Sie haben allgemeine Fragen zu Versicherungsthemen? Mathias Zunk beantwortet sie gern. Bitte beachten Sie, dass wir keinerlei Beratung zu konkreten Versicherungsverträgen oder Angeboten unserer Mitgliedsunternehmen anbieten können.

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Gibt es denn eine Alternative zur Kündigung?
Zunk: Ja. Die Lebensversicherung ist ein flexibles Produkt. Sie können die Versicherung zum Beispiel beitragsfrei stellen oder den Vertrag ruhen lassen. Bei dieser Lösung bleibt ihre Versicherung grundsätzlich bestehen. Allerdings verringern sich Risikoschutz und Versicherungssumme. Möglich ist eine Beitragsfreistellung oder das Ruhenlassen frühestens nach zwei bis drei Jahren Laufzeit der Versicherung. Die Ruhezeit darf in der Regel ein Jahr nicht überschreiten. Nur wenige Unternehmen akzeptieren längere Zeiträume von etwa 18 Monaten.

Kann ich auch einen kurzfristigen finanziellen Engpass überbrücken?
Zunk: Viele Versicherungsunternehmen sind bereit, die Beiträge für einen Lebensversicherungsvertrag zu stunden. Das heißt, Sie können für einen bestimmten Zeitraum ihre Zahlungen aufschieben. Üblich ist die Stundung der Beiträge für ein halbes Jahr. Wenn der Kunde arbeitslos wird, räumen Versicherer ihm häufig auch ein ganzes Jahr Aufschub ein. Nach Ablauf der Stundung muss der Versicherte die Beiträge verzinst nachzahlen. Nur in einigen Ausnahmefällen verrechnet das Versicherungsunternehmen sie mit späteren Leistungen.

Wie sicher ist meine Altersvorsorge, wenn mein Lebensversicherer mal Probleme kriegen sollte?
Zunk: Sie können ruhig schlafen. Lebensversicherer zählen zu den am stärksten regulierten und beaufsichtigten Unternehmen in Deutschland. Die Ansprüche der Versicherten sind mehrfach abgesichert. Man kann es mit einem Auto vergleichen: Fahrzeuge, die einen Airbag und eine hinreichend große Knautschzone besitzen, sind sicherer als andere. Beide Sicherheitsinstrumente wirken wie Puffer, die die Energie des Aufpralls absorbieren sollen. Genauso nutzen auch die Lebensversicherer solche Puffer, um beispielsweise die Niedrigzinsphase zu überstehen. Sie bauen ausreichende Sicherheiten auf, um im Krisenfall gerüstet zu sein.

Und wenn die niedrigen Zinsen meinen Lebensversicherer doch einmal überfordern sollten?
Zunk: Derzeit gibt es keinerlei Anzeichen für einen solchen Fall. Sollte er dennoch eintreten, gibt es eine gesetzliche Sicherungseinrichtung: Die Protektor Lebensversicherungs-AG ist darauf spezialisiert, Lebensversicherungsverträge fortzuführen, die in Not geratene Versicherer nicht mehr erfüllen können. Alle Rechte, die in ihrem Lebensversicherungsvertrag vereinbart wurden, blieben Ihnen selbst in einem solchen Fall erhalten: Leistungen für die Altersvorsorge und den Risikoschutz wie auch die bereits unwiderruflich zugeteilten Gewinnbeteiligungen sind Ihnen sicher.