17.05.2016
Das bringt die Flexi-Rente

Übergang in den Ruhestand soll flexibler werden

Lange wurde in der Regierung um die sogenannte Flexi-Rente gerungen. Nun haben sich Union und SPD auf Eckpunkte verständigt, um die Grenze zwischen Beruf und Ruhestand durchlässiger zu machen. Wer eine Teilrente bezieht, soll künftig mehr hinzuverdienen dürfen. Auch das Arbeiten über das Rentenalter hinaus soll sich stärker lohnen. GDV.DE erklärt die wichtigsten Punkte.

Wie ist der Hinzuverdienst heute geregelt?

Wieviel jemand ohne Abschläge zu seiner Rente hinzuverdienen darf, hängt zunächst davon ab, ob er die Regelaltersgrenze schon erreicht hat. Sie steigt mit dem Geburtsjahr schrittweise bis 2031 auf 67 Jahre an. Für 1951 Geborene, die dieses Jahr regulär in Rente gehen, liegt sie bei 65 Jahren und fünf Monaten. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, darf unbegrenzt hinzuverdienen.

Anders ist die Situation bei denjenigen, die vorzeitig ab 63 aus dem Beruf ausscheiden – weil sie Abschläge in Kauf nehmen oder bereits 45 Beitragsjahre vorweisen können. Für sie gelten Hinzuverdienstgrenzen. Unangetastet bleibt die Rente nur, solange der Lohn monatlich nicht 450 Euro übersteigt. Verdienen Frührentner mehr, erhalten sie eine Teilrente, die zwei Drittel, die Hälfte oder ein Drittel ihrer vollen Rente ausmacht – abhängig von der Höhe des Zubrots.

Als Bezugsgröße für die Berechnung der Hinzuverdienstgrenzen dient das Gehalt in den letzten drei Jahren vor Rentenbeginn – wobei es Unterschiede zwischen Ost und West gibt. Wer beispielsweise in den alten Bundesländern vor Rentenbeginn monatlich 3022,25 Euro verdient hat, erhält als Ruheständler bis zu einem Verdienst von 1132,95 Euro noch zwei Drittel seiner Vollrente ausgezahlt.

Übersteigt der Zuverdienst eine Grenze nur um einen Euro, wird die Rente weiter gekürzt. Ausnahme: Zweimal im Jahr darf das Limit bis zum Doppelten des Wertes überschritten werden. Im obigen Beispiel könnte der Rentner somit in zwei Monaten bis zu 2265,90 Euro verdienen, ohne einen weiteren Abschlag hinnehmen zu müssen.


 
Hinzuverdienstgrenzen für einen Durchschnittsverdiener (2016 = 3022,25 Euro)

Alte Bundesländer Neue Bundesländer
1/3-Teilrente 2178,75 Euro 2017,64 Euro
1/2-Teilrente 1655,85 Euro 1533,40 Euro
2/3-Teilrente 1132,95 Euro 1049,17 Euro

Quelle: Deutsche Rentenversicherung


 

Was soll sich an den Hinzuverdienstgrenzen ändern?

Laut der vereinbarten Eckpunkte will die Bundesregierung die Regeln lockern. An der Grenze von 450 Euro hält sie zwar fest, die Schranke soll jedoch flexibler angewendet werden. Statt des Monats- soll das Jahresprinzip gelten. Bei vorgezogenem Rentenbeginn können Menschen künftig 6300 Euro (das entspricht 14 mal 450 Euro) jährlich hinzuverdienen, ohne dass ihre Vollrente gekürzt wird.

Darüber hinausgehende Einkünfte werden zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet – es sei denn, sie übersteigen das vorherige Bruttogehalt. Was über die früheren Bezüge hinausgeht, wird vollständig auf die Rente angerechnet. Die drei starren Stufen für die Teilrente fallen jedenfalls weg.

Wie soll das Weiterarbeiten attraktiver gemacht werden?

Die Bundesregierung will auch die Rahmenbedingungen für eine Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern über das Rentenalter hinaus verbessern. Bislang sind die Regeln wenig attraktiv – weder für den Arbeitgeber noch den Angestellten. So muss das Unternehmen den Arbeitgeberbeitrag zur Renten- und Arbeitslosenkasse bezahlen, ohne dass der Beschäftigte Vorteile davon hat.

Künftig sollen Firmen, die Mitarbeiter über die Regelaltersgrenze hinaus beschäftigen, bei den Sozialabgaben entlastet werden. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung entfallen. Das senkt die Lohnkosten und gibt Unternehmen einen Anreiz, mehr Ältere zu beschäftigen. Die Regelung ist zunächst auf fünf Jahre befristet, um die Auswirkungen zu überprüfen.

Zudem sollen die Arbeitgeberbeiträge zur Rentenversicherung – anders als bislang – nicht mehr wertlos verfallen. Zahlt auch der Beschäftigte freiwillig seine Beiträge weiter, steigern sie im Alter ebenfalls die Rente.

Wollen Ältere überhaupt länger arbeiten?

Immer mehr Menschen arbeiten nach Ende ihres regulären Berufslebens weiter. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes gingen 2014 bereits 13,7 Prozent der 65- bis 69-Jährigen einer bezahlten Tätigkeit nach, 2005 waren es erst 6,5 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Anteil arbeitender Rentner in der Altersgruppe somit verdoppelt.

Und das Geld steht für die meisten nicht im Vordergrund, wie die Studie „Transitions and Old Age Potential“ von 2013 zeigt. Senioren arbeiten demnach vor allem deshalb, weil sie Spaß daran haben und in Kontakt mit anderen Menschen bleiben wollen. Davon profitieren die Rentner auch persönlich: Wer arbeitet, trainiert Körper und Geist, bleibt sozial vernetzt und hat eine Aufgabe. All das fördert die Gesundheit, steigert die Zufriedenheit – und trägt zu einem längeren Leben bei.

Was will die Politik mit der Flexi-Rente erreichen?

Die Bundesregierung will mit der Neuerung den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand weniger starr gestalten und die Anreize für einen längeren Verbleib im Job erhöhen. Eine längere Lebensarbeitszeit würde nicht nur die Sozialkassen entlasten, sondern könnte auch den Fachkräftemangel entschärfen.

Wie geht es mit der Flexi-Rente weiter?

Die Änderungen sollen nach dem Willen der Bundesregierung bereits Anfang 2017 in Kraft treten. Doch das ist keinesfalls sicher: Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will im Herbst ein Gesamtkonzept zur Rente vorstellen, das auch Änderungen bei der betrieblichen und privaten Altersvorsorge beinhalten soll. Es ist also gut möglich, dass die Flexi-Rente dann noch einmal diskutiert wird.