25.05.2016
Kfz-Versicherung

So sind Unfälle durch automatisierte Fahrsysteme versichert

Vom Parkrempler bis zur Massenkarambolage gehen fast alle Unfälle auf menschliche Fehler zurück – noch. Um Fahrfehler zu vermeiden, sollen künftig in vielen Situationen nicht mehr Menschen, sondern Abstandspiloten, Notbrems- oder Einparkassistenten ein Auto bewegen. Die dafür notwendigen Gesetzesänderungen bringt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt derzeit auf den Weg. Doch auch technische Systeme können versagen. Die gute Nachricht: Für den Versicherungsschutz ist es egal, wer – oder was – den Fehler macht.

Die Parklücke ist zu klein, die Kurve zu eng, der Vordermann geht heftig in die Eisen – und schon hat es gekracht. Über neun Millionen Schadenfälle haben die Kfz-Versicherer allein im Jahr 2014 reguliert; für den weitaus größten Teil der Unfälle waren Fahrfehler die Ursache. Werden dabei Menschen verletzt oder fremdes Eigentum beschädigt, übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung die Kosten. Hat der Halter eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen, ersetzt diese auch die Schäden am eigenen Auto.

Doch wie verhält es sich, wenn nicht der Fahrer einen Fehler macht, sondern das Auto? Wenn die Abstands- und Lenkpiloten dem vorausfahrenden Auto in den nächsten Graben folgen sollten? Wenn die Sensoren des Parkassistenten kaputt sind und der elektronische Helfer nicht parkt, sondern den Zaun des Nachbarn niedermäht? Auch in diesen Fällen greift der Versicherungsschutz, erklärt Tibor Pataki, Leiter der Abteilung Kraftfahrtversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): „Die Kfz-Haftpflichtversicherung deckt die Gefahren, die vom Betrieb eines Autos ausgehen – und nicht nur die Gefahr von Fahrfehlern“, erklärt der Jurist.

„Die Kfz-Haftpflichtversicherung umfasst selbstverständlich auch das automatisierte Fahren“

Der dahinter stehende Gedanke ist die sogenannte Gefährdungshaftung: Jedes Auto ist grundsätzlich eine Gefahrenquelle für andere – Schäden können auch dann entstehen, wenn der Fahrer nichts falsch macht. Beispiele gibt es genug: Automobilhersteller bauen defekte Teile ein, einer Werkstatt unterläuft ein Fehler oder eine Ampel zeigt allen Seiten gleichzeitig grün. „Egal, wer oder was für einen Unfall letztendlich verantwortlich ist – für alle Schäden, die beim Betrieb eines Autos verursacht werden, haftet der Halter. Und damit im Ernstfall auch wirklich alle Kosten beglichen werden können, verpflichtet der Gesetzgeber jeden Fahrzeughalter, eine Kfz-Haftpflichtversicherung abzuschließen“, so Pataki. Der Vorteil: Opfer von Verkehrsunfällen haben mit der Versicherung einen einzigen direkten und solventen Ansprechpartner.

Diese klaren und einfachen Regeln könnten problemlos auch auf automatisierte Fahrsysteme angewendet werden. „Das bewährte System der Kfz-Haftpflichtversicherung umfasst selbstverständlich auch das automatisierte Fahren“, sagt Pataki. Es bleibe auch bei Unfällen durch automatisierte Fahrsysteme dabei, dass die Versicherung das Opfer entschädigt. „Wir können es einem Verkehrsopfer nicht zumuten, dem Autohersteller einen eventuellen Produktfehler nachweisen zu müssen, bevor er eine Entschädigung erhält“, so Pataki. Das sei allerdings nicht als Freibrief für die Automobilindustrie misszuverstehen. „Die Versicherer werden für etwaige Regressansprüche praktikable Lösungen mit den Automobilherstellern finden“, so Pataki.