03.05.2016
Rentendebatte

Darum ist Riester gerade für Frauen so attraktiv

Die staatlich geförderte Altersvorsorge richtet sich an Männer und Frauen. Letztere sind jedoch die größten Nutznießer. Vier Gründe, warum insbesondere Sparerinnen von der Riester-Rente profitieren.

Hohe Flexibilität

Die Erwerbsbiografien von Frauen unterscheiden sich noch immer stark von denen der Männer. Denn meist sind sie es, die wegen der Kindererziehung oder der Pflege der Eltern in ihrem Job kürzer treten. Berufliche Auszeiten, zeitlich befristete Tätigkeiten, Teilzeitarbeit oder häufige Arbeitsplatzwechsel prägen daher oft ihre Berufswege.

Für ihre Altersvorsorge benötigen sie somit flexible Produkte, die sich an die Lebenssituation anpassen. Riester leistet das: Die Beiträge bemessen sich am Verdienst, das macht die Produkte sehr flexibel. Sinkt das Einkommen, etwa infolge von Teilzeit, müssen Versicherte entsprechend weniger einzahlen, um die volle Zulage zu erhalten. Wer ohne eigenen Verdienst vorsorgt, muss gar nur den Sockelbeitrag von jährlich 60 Euro aufbringen. Weil die Verträge an eine Person gekoppelt sind, haben auch Jobwechsel keinen negativen Einfluss auf die private Altersvorsorge.

Hohe Zulagen – hoher Ertrag

Sechs Millionen Frauen erhalten die Riester-Förderung, das sind 57 Prozent aller Geförderten. An sie gehen zugleich rund 70 Prozent aller staatlichen Zulagen. Gerade Mütter fördert der Staat mit der Riester-Rente gezielt. Neben der Grundzulage von 154 Euro gibt es für jedes Kind weitere 185 Euro, für ab 2008 geborene Sprösslinge gar 300 Euro. Im Schnitt zahlt der Staat Frauen über ein Drittel der Beiträge, 63 Prozent zahlen sie selbst. Zum Vergleich: Bei den Männern beträgt die Förderquote nur 16 Prozent. Schon aus der hohen Förderung ergibt sich eine respektable Rendite – gerade jetzt im Niedrigzinsumfeld. Frauen profitieren zudem davon, dass sie älter werden als Männer und deshalb länger Rente beziehen. Allein dadurch erzielen sie im Schnitt eine um 0,3 bis 0,6 Prozentpunkte höhere Rendite.

Hohe Sicherheit

Frauen sind bei der Geldanlage eher risikoscheu. Sicherheit hat für sie einen höheren Stellenwert als für Männer, wie Studien wiederholt belegen. Riester-Produkte sind sichere Anlagen: Zu Rentenbeginn müssen mindestens die Beiträge sowie die staatlichen Zulagen zur Verfügung stehen. Kapitalverluste sind über die gesamte Laufzeit eines Riester-Vertrags ausgeschlossen.

Oft einziges Förderprodukt

Für Frauen ist Riester häufig die einzige Chance, um überhaupt staatlich gefördert für das Alter vorzusorgen. Die Möglichkeit, über die betriebliche Altersversorgung (bAV) eine Zusatzrente aufzubauen, haben viele nicht. Zum einen sind Frauen – insbesondere diejenigen mit Kindern – seltener berufstätig als Männer. Und selbst wenn sie arbeiten, sind sie seltener in die bAV eingebunden: Während in der Privatwirtschaft 52 Prozent der Männer Betriebsrenten aufbauen, sind es bei den Frauen nur 41 Prozent. Der Grund: Sie arbeiten häufig in kleineren Betrieben oder im Dienstleistungssektor, wo die bAV seltener angeboten wird. Häufige Arbeitsplatzwechsel machen es ihnen ebenfalls schwer, eine Betriebsrente aufzubauen.

Riester zielt dagegen mehr in die Breite. Zu den Förderberechtigten zählen neben den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter bestimmten Voraussetzungen auch Arbeitslose, Hartz IV-Bezieher sowie geringfügig Beschäftigte. Hausfrauen ohne eigenes Einkommen können als mittelbar Begünstigte riestern und staatliche Zulagen für sich und ihre Kinder sichern.

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Die Themen:

  • Herausforderungen
  • Datenlage: Frauen und Altersvorsorge
  • Wie die Versicherungswirtschaft Frauen unterstützen kann
  • Politischer Handlungsbedarf
  • Fazit und Ausblick

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