28.04.2016
Kolumne Schutz vor Einbrüchen

Bauvorschriften ändern, Polizeiarbeit fördern

Die Einbruchszahlen sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Aufklärung und das Nachrüsten moderner Schlösser sind wichtig. Um das Problem in den Griff zu kriegen, sind aber weitere Anstrengungen nötig. Die Kolumne vom Vorsitzenden der GDV-Geschäftsführung Jörg von Fürstenwerth.

In unserem Verbandsmagazin „Positionen“ haben wir ein Interview mit dem Deutschland-Chef des Schlossherstellers Assa Abloy geführt. „Für 1500 bis 2000 Euro können Sie eine Menge machen“, sagt Stefan Fischbach da über Sicherungstechnik für die eigenen vier Wände. „Wenn wertvolle Gemälde an der Wand hängen, sollten Sie ein bisschen mehr tun.“

Als Versicherer kann ich diesen Ratschlag nur unterstreichen. Mieter und Hausbesitzer machen es Einbrechern heute schlicht und ergreifend zu einfach. Oft ist die Sicherheitstechnik an Fenstern und Türen veraltet. Profis brauchen weniger als 15 Sekunden, um eine solche Wohnung zu knacken. Rund 40 Prozent der Einbruchsversuche werden dagegen abgebrochen, wenn die Täter nicht schnell genug rein kommen. Es zahlt sich also aus, es den Einbrechern möglichst schwer zu machen.

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Bauvorschriften ändern und Sicherheitstechnik früh mitdenken

Gut, dass die Politik hier ebenfalls Handlungsbedarf erkennt: Die schwarz-rote Koalition will entsprechende Umbaumaßnahmen für Sicherheitstechnik stärker fördern als bislang. Die für das laufende Jahr über die Kreditanstalt für Wiederaufbau zur Verfügung gestellten 10 Mio. Euro sind bereits aufgebraucht. Immerhin soll die bisherige Summe auf 50 Mio. Euro verfünffacht werden. Das ist eine gute Nachricht, nur allein damit dürfen wir uns nicht zufrieden geben.

Um moderne Sicherheitstechnik systematisch und flächendeckend zu verankern, müssen wir noch einen Schritt früher ansetzen und die Bauvorschriften ändern. In Ländern wie Österreich oder den Niederlanden ist man diesen Weg bereits gegangen und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Es ist eben preiswerter, gleich moderne Sicherheitstechnik einzubauen, als später nachzurüsten.

Doch jede Prävention hat ihre technischen und finanziellen Grenzen. Sie ersetzt keine Polizeiarbeit. Strafverfolgung und Aufklärung brauchen daher gleichermaßen unsere Aufmerksamkeit und müssen mit ausreichenden finanziellen und personellen Ressourcen ausgestattet werden.

Die jüngsten Einbruchszahlen sind alarmierend

Denn immer noch sind die Schäden hoch und die Aufklärungsquoten gering. Die jüngsten Zahlen sind alarmierend: Der durch Einbrüche entstandene Schaden ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Die genauen Zahlen, die unsere Branche erhoben hat, geben wir im Mai bekannt, wenn wir den Einbruchreport für das Jahr 2015 veröffentlichen.

Aufklärung und Prävention gilt unser Hauptaugenmerk in Sachen Einbruch. Dabei kommt es sicher auf das richtige Augenmaß an. „Was nützen fünf Schlösser an der Eingangstür, die Sie alle aufschließen müssen, um reinzukommen? Wo bleibt da die Lebensqualität?“, fragt sogar der Deutschland-Chef von Assa Abloy.

Vielleicht denken auch Sie mal über ein neues Schloss nach? Ein gutes, modernes reicht – wenn es in jeder Tür und in jedem Fenster steckt.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth