09.03.2016
Deutschland-Rente & Co.

Staatsfonds bringen neue Risiken für die Altersvorsorge

Um den Lebensstandard im Alter abzusichern und die drohende Rentenlücke zu schließen, braucht die private Altersvorsorge neue Impulse. Die Einrichtung von staatlichen Fondsmodellen – beispielsweise der „Deutschland-Rente“ – wäre allerdings keine Lösung, sondern würde im Gegenteil neue Risiken schaffen.

Aktuell kursieren verschiedene Reformvorschläge für die private Altersvorsorge, die im Kern auf die Schaffung eines staatlich verwalteten Sparfonds hinauslaufen. Ein aktuell stark diskutiertes Modell ist die „Deutschland-Rente“. Je nach Konzept sollen Arbeitnehmer bzw. alle Bürgerinnen und Bürger verpflichtend in diese Fonds einzahlen – wenn sie nicht ausdrücklich widersprechen. Von dieser Regelung versprechen sich die Initiatoren eine stärkere Verbreitung der privaten Altersvorsorge bei gleichzeitig geringeren Kosten.

Beitrag zur Armutsvermeidung zweifelhaft

Ob die „Deutschland-Rente“ das selbstgesteckte Ziel – zukünftige Altersarmut zu verhindern – erreichen kann, ist fraglich. Dazu würde es nicht ausreichen, nur mehr Menschen für die Altersvorsorge zu gewinnen. Es müssten vor allem Geringverdiener, Langzeitarbeitslose, Solo-Selbstständige und Nicht-Berufstätige erreicht werden. Die „Deutschland-Rente“ wendet sich aber in erster Linie an Arbeitnehmer mit stabilen Beschäftigungsverhältnissen. Ihre Vorsorgebeiträge würden vom Arbeitgeber an den Fonds überwiesen.

Auch ein Staatsfonds verursacht Kosten

Auch die behaupteten Kostenvorteile der „Deutschland-Rente“ sind realitätsfern. Die häufig zitierten Vorbilder wie der norwegische Staatsfonds oder der schwedische Auffangfonds AP7 haben Kostenvorteile auf Grund ihrer Größe. Und diese Größe verdanken sie letztlich dem Umstand, dass sie Teil der obligatorischen Alterssicherung sind bzw. in den norwegischen Fonds vom Staat jahrzehntelang Milliardensummen aus dem Erdölgeschäft eingezahlt wurden. Bei einem staatlichen Fondssparmodell, das sich im echten Wettbewerb um die Sparer behaupten muss, sind keine Kostenvorteile zu erwarten.

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Am Ende keine Rente?

Vor allem aber stellt sich die Frage, welche Vorteile die Staatsfonds eigentlich den Sparern bieten. Da die „Deutschland-Rente“ nach dem Willen ihrer Erfinder ohne formale Garantien an den Start geht, müssen sich Sparer auf eine positive Wertentwicklung des Staatsfonds verlassen.

Bei einem ungünstigen Kapitalmarktverlauf steht den Sparern zu Rentenbeginn möglicherweise weniger Kapital zur Verfügung, als sie während ihres Arbeitslebens eingezahlt haben. Offen ist zudem, auf welche Weise – wenn überhaupt – der Staatsfonds die Zahlung einer lebenslangen Rente aus dem angesparten Kapital garantieren will. Das Konzept schweigt sich über diesen Punkt ebenso aus, wie über die Frage, ob weitere Lebensrisiken wie beispielsweise das Invaliditätsrisiko abgesichert werden sollen.

Sparer tragen doppeltes Risiko

Sparer tragen bei einem Staatsfonds aber nicht nur das volle Kapitalmarktrisiko. Sie laufen auch Gefahr, dass ihre für die Altersvorsorge eingeplanten Ersparnisse vom Staat zweckentfremdet werden. Genau dies ist ausgerechnet beim norwegischen Staatsfonds geschehen, der von den Befürwortern der Fondsmodelle oft als Positivbeispiel herangezogen wird.

Eigentlich darf der norwegische Staat nur vier Prozent des Fonds pro Jahr für den allgemeinen Haushalt verwenden; dies entsprach der erwarteten langfristigen realen Ertragsrate des Fonds. In den vergangenen Monaten hat der Fonds aber deutlich an Wert verloren. Zudem macht es der Verfall des Ölpreises schwieriger, den Fonds zu dotieren. Dennoch entnahm das norwegische Finanzministerium im Januar gut 710 Millionen Euro aus dem Fonds zur Haushaltsfinanzierung – ein Tabubruch.