29.03.2016
Wohnen im Alter

Senioren verlassen die Metropolen

Entgegen des allgemeinen Trends in die Städte ziehen Ältere hinaus. Seit 2005 haben per saldo 120.000 über 65-Jährige die 20 größten deutschen Städte verlassen, zeigt eine aktuelle Auswertung der Initiative „7 Jahre länger“. Hoch ist die Abwanderung vor allem in teuren Gegenden. Von Elena Bause

Während immer mehr Menschen in die Metropolen ziehen, kehren ihnen die Älteren unvermindert den Rücken zu. Von 2005 bis 2014 haben rund 366.000 Personen ab 65 Jahren die 20 größten deutschen Städte verlassen, zugleich zogen etwa 246.000 Senioren hinein. Das ergibt einen Wanderungsverlust in dieser Altersgruppe von 120.000, wie eine aktuelle Auswertung der Initiative „7 Jahre länger“ auf Basis von Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigt. Zum Vergleich: Insgesamt verbuchten die 20 Städte in den zehn Jahren ein Wanderungsplus von zusammen knapp einer Million Menschen.

Die verhältnismäßig meisten älteren Einwohner verliert München. Aus der bayerischen Landeshauptstadt zogen zuletzt jährlich per saldo etwa 2000 Menschen ab 65 Jahren weg. Bezogen auf 1000 Personen dieser Altersgruppe waren das 2014 rund 7,8 Abwanderer. An zweiter Stelle folgt Stuttgart mit 6,9 Fortzügen. Den dritten Patz teilen sich Düsseldorf und Nürnberg mit einer Nettowanderungsrate von je minus 6,1. Von den 20 untersuchten Städten weisen einzig Dresden und Leipzig auch in der Generation 65+ einen positiven Wanderungssaldo auf – und zwar durchgehend seit 2005. Für 2014 kommt Leipzig auf 3,8 Zuwanderer pro 1000 Einwohner dieser Altersgruppe, bei Dresden sind es 1,2.

Schlechte Lebensbedingungen ein Hauptmotiv für Umzug im Alter

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Abwanderung Älterer in Metropolen mit hohen Mieten am größten ist. Einwohner dieser Städte, die auch im Alter in ihrer vertrauten Umgebung bleiben wollen, müssen daher in stärkerem Maße Eigenvorsorge betreiben“, sagt Peter Schwark, Vorsorgeexperte der deutschen Versicherer.

Schlechte Wohn- und Lebensbedingungen wie zu hohe Mieten oder fehlende altersgerechte Unterkünfte sind laut früheren wissenschaftlichen Ergebnissen immerhin in 30 Prozent der Fälle das Motiv für einen Umzug im Alter. Die Mehrheit der umsiedelnden Senioren (41 Prozent) greift auf familiäre Netzwerke zurück und zieht zur besseren Unterstützung in die Nähe von Angehörigen. Rund ein Fünftel (17 Prozent) wiederum entscheidet sich für die klassische Ruhesitzwanderung und wählt einen attraktiven Wohnort in der Wunschgegend.