02.03.2016
Kolumne zu besseren Renteninformationen

Mehr Planungssicherheit für das Alterseinkommen

Die schlechteste Altersvorsorge ist die, die gar nicht erst abgeschlossen wird. Oft bleiben Versorgungslücken, die im Alter auftauchen, viel zu lange unentdeckt. Verbesserte Informationen rund um das Thema sind nötig – nicht nur in der privaten Vorsorge. Die Kolumne von GDV-Geschäftsführer Jörg von Fürstenwerth.

Hand aufs Herz: Wissen Sie, mit wieviel Geld Sie im Ruhestand monatlich planen können? Haben Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht, welchen Lebensstandard Sie dann genießen wollen – und was der in zehn, 20 oder 30 Jahren vielleicht kosten wird? Das sind komplexe Fragen, die viele ausblenden oder vor sich herschieben. Und ja – das sind die bekannten Fragen aus dem Munde eines Versicherers, der einem eine Altersvorsorge verkaufen will.

Wir brauchen neue Antworten auf die Vorsorge einer alternden Gesellschaft

Da haben Sie völlig Recht! Altersvorsorge ist unser Geschäft – aber auch ein wichtiges sozialpolitisches Anliegen. Die Debatte darüber ist Gott sei Dank wieder mitten in der Gesellschaft angekommen und es ist heute schon absehbar, dass sie ein wichtiges Thema im Wahlkampf um den Bundestag im Jahr 2017 werden wird. Das verdanken wir auch der Diskussion um die Vor- und Nachteile einer „Deutschland-Rente“, wie sie drei Minister aus Hessen ins Spiel gebracht haben. Zwar lehnen wir Versicherer diesen Vorschlag – und seit Anfang dieser Woche übrigens auch der Deutsche Gewerkschaftsbund – aus vielen guten Gründen ab.

Völlig unstrittig ist aber, dass grundlegende Reformen notwendig sind, um mehr Menschen für private Altersvorsorge zu gewinnen. Mit unserer Initiative „Du lebst 7 Jahre länger, als Du denkst“ machen auch wir seit November verstärkt auf das Thema aufmerksam. Wir brauchen neue Antworten auf die Frage, wie wir mit einem immer längeren Ruhestand in einer alternden Gesellschaft umgehen – gerade vor dem Hintergrund andauernd niedriger Zinsen. Dabei ist unsere Branche gefragt, aber auch die Politik.

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Eins ist klar: Die schlechteste Altersvorsorge ist die, die gar nicht erst abgeschlossen wird, weil die Menschen das Thema verdrängen, ignorieren oder womöglich nicht verstehen. Versicherungen sind nicht immer eine einfache Materie. Wir wissen das und sind an vielen Stellen dabei, dies zu ändern. Jüngstes Beispiel sind die Standmitteilungen: Wer eine Lebens- oder Rentenversicherung hat, wird – ähnlich wie in der gesetzlichen Rentenversicherung – einmal jährlich über die zu erwartende Rente informiert. Unser Verband hat gerade seine unverbindlichen Empfehlungen für Aufbau, Inhalt und Gestaltung dieser Standmitteilung mit Hilfe von Sprachwissenschaftlern überarbeitet. Unsere Kunden können die Entwicklung ihrer Vorsorge so besser überprüfen und erkennen, ob sie ihre private Absicherung womöglich anpassen sollten.

Wer weiß schon genau, wieviel Geld er im Ruhestand haben wird?

Viele Beschäftigte wissen schlicht nicht, wie viel Geld sie im Ruhestand zur Verfügung haben werden. Diese Frage ist auch nur mit einiger Mühe zu beantworten: Die Ansprüche aus gesetzlicher Rente, einer möglichen betrieblichen Altersversorgung sowie einer privaten Vorsorge sind nicht zentral abrufbar. Es fehlt eine Gesamtübersicht, die beim Alterseinkommen Planungssicherheit schafft. Deshalb machen wir uns dafür stark, eine internetbasierte Informationsplattform aufzubauen, die es jedem Versicherten per Mausklick ermöglicht, auf einen Blick den Status seiner gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorgeansprüche zu erfahren. In Schweden und Dänemark sind diese säulenübergreifenden Informationsportale längst Realität. In Deutschland gibt es einen solchen Service noch nicht, mögliche Versorgungslücken bleiben deshalb häufig unentdeckt.

Ich bin überzeugt davon, dass wir schon durch verbesserte Informationen rund um das Thema Rente viel bewegen können – und halte das für einen vielversprechenden ersten Schritt.

Weitere müssen folgen.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth