30.03.2016
Brandschutz

Lithium-Batterien als Frachtgut aus Passagiermaschinen verbannt

Ab dem 1. April 2016 dürfen Lithium-Batterien nicht mehr als Frachtgut in Passagiermaschinen transportiert werden. Grund dafür ist die hohe Brandgefahr. GDV.DE erklärt, warum die Akkus so gefährlich sind und auf was Verbraucher im Umgang mit den Batterien achten sollten. Von Henning Engelage

Ab Freitag dürfen Lithium-Ionen-Akkus als Frachtgut nicht mehr in Passagiermaschinen mitfliegen. Dann treten neue Bestimmungen der Internationale Zivilluftfahrt-Organisation ICAO in Kraft. Bislang durften geringe Mengen der Batterien auch als Cargo-Fracht in Passagierflugzeugen mitfliegen. Grund für das Verbot im Frachtraum der Passagiermaschinen: Lithium-Akkus und Batterien sind keine ganz ungefährliche Ladung. Bei einem Brand in Passagierflugzeugen könnten die eingebauten Löschanlagen schnell an ihre Grenzen stoßen.

Für Reisende hat das Verbot keine Auswirkungen. Die Ersatz-Akkus von Laptop oder Handy und auch die Geräte selbst dürfen weiterhin im Koffer sowohl im Handgepäck als auch im Laderaum mitgenommen werden.

Hohe Energiedichte macht Akkus gefährlich

„Was die Akkus und Batterien so geschätzt macht, macht sie auch so gefährlich: die hohe Energiedichte“, erklärt Frank Drolsbach. Er ist Sprecher der Arbeitsgruppe Branderkennung – Brandbekämpfung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Versicherer forschen, wie sich Schäden durch Brände in Lagern möglichst gering halten lassen. „Wenn die Lithium-Zellen selbst erst einmal Feuer fangen, ist ein Brand nur noch schwer zu kontrollieren“, sagt Drolsbach.

Welche Kraft das Feuer entwickeln kann, zeigte sich beispielsweise Anfang März im nordrhein-westfälischen Hilden. Zwei Lkw – einer davon beladen mit 20 Tonnen Lithium-Batterien – waren auf einem Speditionsgelände in Brand geraten. Immer wieder zwangen kleinere und größere Explosionen die Feuerwehr zum Rückzug. Deshalb stellen die Akkus gerade als Lagergut besondere Anforderungen an den Brandschutz.

Gut zu wissen

Was Verbraucher über Lithium-Ionen-Akkus wissen sollten

Lithium-Ionen-Akkus sollten nach Ansicht von Alexander Küsel, Leiter der Abteilung Schadenverhütung Sachversicherung beim GDV, für einen sicheren Betrieb zunächst einmal einwandfrei und nicht beschädigt sein. Zudem sollten Verbraucher auf die Qualität achten: „Man sollte möglichst nur Original-Akkus und Original-Ladegeräte nutzen – Ladegerät und Akku müssen zueinander passen“, rät Küsel.

Gerade bei Akkus unbekannter Herkunft könne es schneller zu einem Defekt und möglicherweise zum Brand kommen. Wenn sich das Gerät oder der Akku beim Aufladen unnatürlich stark aufheizen, sollten Verbraucher sofort den Stecker ziehen. Daher sollte man die Akkus nur unter Aufsicht laden.

Zudem rät Küsel, beim Aufladen darauf zu achten, dass keine leicht entzündlichen Gegenstände neben dem Elektrogerät stehen – also keine Taschentücherbox neben dem ladenden Handy auf dem Nachttisch und kein Benzinkanister neben dem angeschlossenen Elektrorasenmäher. „Auch auf eine nicht brennbare Unterlage zu achten, ist eine gute Vorsichtsmaßnahme“, sagt Küsel.

Verpackungen fangen zuerst Feuer

Der GDV hat zusammen mit seiner Tochterorganisation VdS bereits in mehreren Großbrandversuchen getestet, wie eine Ausbreitung eines Feuers bei der Lagerung von Lithium-Ionen-Akkus verhindert werden kann. „Was wir festgestellt haben ist, dass man frühzeitig den Brandherd mit Wasser beaufschlagen und kühlen muss“, erklärt Drolsbach, der als Operations Engineering Manager beim Versicherer FM Global arbeitet. Denn es sind die Verpackungsmaterialien, die in der Regel am Anfang Feuer fangen.

Die Akkus selbst geraten eher schwer in Brand – doch wenn der Verpackungsbrand nicht schnell genug gelöscht wird, können auch die Zellen in das Brandgeschehen einbezogen werden. Und wegen der hohen Energiedichte reagieren diese viel heftiger, bis hin zur Explosion. Eine gut dimensionierte Sprinkleranlage ist somit das A und O, damit ein Brand nicht außer Kontrolle gerät.

Noch keine allgemeinen Brandschutzstandards

Ähnliches, erklärt Drolsbach, habe er auch in Versuchen von FM Global festgestellt. Doch abgeschlossen ist die Forschung noch nicht. Allgemeine Standards zu den Brandschutzvorkehrungen gibt es noch nicht. „Man muss sich den Einzelfall anschauen“, sagt Drolsbach. Denn neben der Größe und des Typs der einzelnen Zellen kommt es für die Gefährdung auch auf die Anzahl, die Verpackung, und die konkrete Lagerung an. Doch klar ist: Lithium-Batterien sind kein ungefährliches Lagergut.