08.03.2016
Einbruchschutz

Der Panzerknackerschreck

Nach einem Einbruch zahlt die Hausratversicherung. Ein gutes Schloss kann dafür sorgen, dass es gar nicht erst so weit kommt. Assa Abloy ist Spezialist für Sicherheitstechnik und Zutrittskontrollen. Deutschland-Chef Stefan Fischbach über Panzerknacker, übertriebenes Sicherheitsdenken und die größte Schwachstelle des Eigenheims. Von Heimo Fischer

Herr Fischbach, Ihr Eigenheim sieht bestimmt aus wie eine Festung, oder?
Stefan Fischbach: Unsinn! Wer will denn in einer Festung leben? Aber darüber sollte man am besten gar nicht reden. Sicherheit ist ein sensibles Thema.

Dürfen Sie uns denn verraten, wie Sie die Sicherheit Ihrer Produkte testen?
Fischbach: Das passiert in mehreren Stufen. In Berlin zum Beispiel arbeiten drei Leute von uns, wir nennen sie „die Panzerknacker“. Sie sitzen in einem Raum zwischen Schraubstöcken und Bohrmaschinen und suchen die Schwachstellen in jedem Produkt, das neu auf den Markt kommen soll.

Wo lernt man Schlösser knacken?
Fischbach: Ganz unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel Vereine, die Wettbewerbe im Schlösserknacken veranstalten.

Ein ungewöhnliches Hobby…
Fischbach: Stimmt. Und einige dieser Sportler haben ihr ausgefallenes Hobby zum Beruf gemacht. Von ihnen können wir viel lernen.

Zur Person

Stefan Fischbach

leitet seit 10 Jahren die Geschäfte von Assa Abloy in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz.

Nach technischer Ausbildung und einem Master of Business Administration an der Pepperdine University in Kalifornien wurde Fischbach 1995 Vertriebsleiter für „Automatische Türsysteme“ beim deutschen Mittelständler Geze, wo er drei Jahre später in die Geschäftsführung aufstieg. 2005 wechselte Fischbach innerhalb der Branche zum schwedischen Konzern Assa Abloy, anfangs als Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei der Assa Abloy Sicherheitstechnik GmbH.

Beschert die Elektronik Ihrer Branche neue Trends?
Fischbach: In modernen Zutrittskontrollsystemen steckt ja jede Menge Elektronik. Assa Abloy gibt fast drei Prozent des Umsatzes von jährlich 6,5 Milliarden Euro für neue Produkte aus. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind es sogar fast sechs Prozent. Die Entwicklung einer elektromechanischen Schließanlage kostet vier bis fünf Millionen Euro. Wir machen fast ein Drittel unseres Umsatzes mit Produkten, die nicht älter als drei Jahre sind.

Garantieren moderne Lösungen endlich absolute Sicherheit gegen Einbrecher?
Fischbach: Nein. Absolute Sicherheit gibt es nicht, trotz aller Elektronik. Die regelt ja nur den Zutrittsprozess. Den entscheidenden Schutz bietet nach wie vor ein Schloss aus Metall. Das wird auch in Zukunft so bleiben – in Unternehmen und in Wohngebäuden.

Dann haben auch Sie privat eine Hausratversicherung?
Fischbach: Ja, natürlich. Zwar können Sie mit hochwertigen Schlössern und Zutrittskontrollen den Aufwand für Einbrecher erhöhen, aber mit der entsprechenden Zeit und den notwendigen Mitteln kommen sie überall rein. Deshalb halte ich nichts von übertriebenem Sicherheitsdenken. Für private Eingangstüren empfehle ich ein hochwertiges, geprüftes Schloss mit gutem Zylinder. Aber wie gesagt: Absolute Sicherheit gibt es nicht. Das muss man akzeptieren. Wir haben bei uns einen Slogan: „Unlock your life – öffne Dein Leben.“

Für einen Schlosshersteller ein erstaunlicher Spruch.
Fischbach: Was nützen fünf Schlösser an der Eingangstür, die Sie alle aufschließen müssen, um reinzukommen? Wo bleibt da die Lebensqualität? Wir sagen: Nur wer sich wohlfühlt, fühlt sich auch sicher.

Wenn jemand von Ihnen wissen will, wie er sein Haus vernünftig vor Einbrechern schützen kann, was raten Sie ihm?
Fischbach: Wichtig ist, dass die Fenster gesichert sind – etwa durch einen Pilzkopfbeschlag, damit man sie nicht aufhebeln kann. Dazu ein abschließbarer Fenstergriff.

Die mit den kleinen Schlüsseln, die man immer verliert?
Fischbach: Manche Leute lassen diese Schlüssel sogar im Fenstergriff stecken. Dann reicht ein kleines Loch im Rahmen, um das Schloss zu öffnen. Deshalb haben wir jetzt auch Lösungen mit Code-Tastatur fürs Fenster im Angebot. Da müssen Sie sich nur die Zahlenkombination merken.

Was kostet das?
Fischbach: Für 1500 bis 2000 Euro können Sie eine Menge machen. Wenn wertvolle Gemälde an der Wand hängen, sollten Sie ein bisschen mehr tun.

Glauben Sie, die Menschen haben heute mehr Angst als früher vor Einbrechern, Terroristen, Gewalttätern?
Fischbach: Wer mehr besitzt, fürchtet eher, etwas zu verlieren. Mit dem steigenden Wohlstand wächst auch die Angst. Das merken wir in unserem weltweiten Geschäft, aber auch in ganz anderen Bereichen der Gesellschaft. Zum Beispiel an den Eltern, die ihre Kinder jeden Tag zur Schule fahren, damit ihnen bloß nichts passiert. Ich habe als Junge am ersten Schultag den Weg gezeigt bekommen, und dann bin ich allein los.

Ist die wachsende Angst vor Wohnungseinbrüchen nicht berechtigt?
Fischbach: Doch. Die Gesamtzahl der Einbrüche hat sich in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt. Doch viele Menschen gehen von falschen Voraussetzungen aus. Sie denken zum Beispiel, dass nur nachts Gefahr besteht. Doch 40 Prozent der Wohnungseinbrüche finden tagsüber statt. Erfreulich ist, dass ein immer größerer Teil der Einbrüche misslingt. Scheiterten 2003 noch 30 Prozent der Einbrüche, waren es 2014 schon 40 Prozent. Nach Aussage der Polizei liegt das an der verbesserten Sicherheitstechnik.

Das vollständige Interview lesen Sie in der kommenden Ausgabe des GDV-Magazins POSITIONEN, die am 16. März erscheint.