30.03.2016
Folgen des Schneemangels

„Das finanzielle Risiko ist enorm“

Der warme Winter war für Sportveranstalter ein großes Problem, einige Wettbewerbe mussten ausfallen. Im Interview mit GDV.DE erklärt Hubert Schwarz vom Deutschen Skiverband, wie der DSV die wirtschaftlichen Risiken von Weltcup-Absagen abgesichert hat. Und was Vereine, Verband und Kommunen tun können, um trotz milderer Winter die Gefahr von wetterbedingten Absagen zu senken.

Herr Schwarz, die Wintersportler haben vor wenigen Tagen ihre Saison beendet. Eine, die geprägt war von wenig Schnee und einigen abgesagten Rennen. Haben Sie schon mal sowas erlebt?
Hubert Schwarz: In dem Ausmaß nicht. Es lag so wenig Schnee, dass nur in wenigen Regionen Wintersport über einen längeren Zeitraum möglich war. Dies schadet uns vor allem in der Nachwuchsarbeit. Die Folgen werden wir erst in zehn Jahren spüren, wenn uns die Talente fehlen. Und klar fiel es unter den Bedingungen auch schwer, Wintersportveranstaltungen durchzuführen. Denn auch mit Kunstschnee war aufgrund der warmen Witterung nur regional einiges zu machen. Deshalb wurde auch der Biathlon-Weltcup in Oberhof abgesagt beziehungsweise nach Ruhpolding verlegt.

Hat sich das Risiko von Ausfällen aus Ihrer Sicht erhöht?
Schwarz: Wetterbedingte Ausfälle sind kein neues Phänomen, die gab es früher auch. Vor 20, 30 Jahren konnten wir Weltcups jedoch einfacher verlegen. Da hat man sich erkundigt, wo die Bedingungen gut sind, und ist dorthin ausgewichen. Das ist wegen der hohen Anforderungen an die Veranstaltungen heute nicht mehr möglich. Wir haben beispielsweise mit Oberhof und Ruhpolding in Deutschland nur zwei lizenzierte Austragungsorte für Biathlon-Weltcups. Wir sind räumlich stärker gebunden, und das nimmt uns die Flexibilität.

Wie steht es um die wirtschaftlichen Folgen einer Absage?
Schwarz: Das finanzielle Risiko ist enorm. Die Standards zur Durchführung eines Weltcups sind über die Jahre gestiegen – und damit auch die Kosten, die leicht 500.000 Euro erreichen können. Das Risiko, darauf sitzen zu bleiben, kann heute kein Verein mehr tragen. Deswegen haben wir als Verband vor etwa zehn Jahren eine Rahmenversicherung abgeschlossen, mit der wir die rund 15 Weltcups unter dem Dach des DSV absichern – vom Biathlon über Langlauf bis zu den Alpinen. Der Vorteil der Rahmenvereinbarung ist der Risikoausgleich. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Weltcup wegen Schneemangels ausfällt, ist bei den Skispringern geringer als bei den Alpinen.

Zur Person

Hubert Schwarz

ist Geschäftsführer der DSV Verwaltungs GmbH und kümmert sich im Deutschen Skiverband um organisatorische und wirtschaftliche Belange. Dazu gehören unter anderem Personalangelegenheiten und der zentrale Einkauf beispielsweise von Versicherungsleistungen.

Der 55-Jährige war selbst Leistungssportler und gewann als Nordischer Kombinierer mit dem Team Gold bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften 1985 in Seefeld und drei Jahre später bei den Olympischen Spielen in Calgary.

Wie funktioniert die Absicherung genau?
Schwarz: Die Organisatoren der Weltcups melden uns ihr Budget an. Dann stellen wir uns die Frage, welche Risiken wir absichern wollen, was die Versicherung leisten muss und was sie uns kosten würde. Die Bedingungen handeln wir regelmäßig neu aus. Der DSV übernimmt im Versicherungsfall den Selbstbehalt, die Prämie teilen sich die Veranstalter. Wegen der Kosten war anfangs nicht jeder begeistert, inzwischen hat sich die Lösung bewährt. Jeder hat die Versicherung schon mal in Anspruch genommen.

Ohne Versicherung wären Sportveranstaltungen heutzutage kaum möglich, sagen sie. Bezahlbare Versicherungen gibt es aber nur, solange Schneemangel nicht zur Regel wird. Müssen Sie angesichts des Klimawandels nicht fürchten, ihre Weltcups eines Tages nicht mehr absichern zu können?
Schwarz: Es wird schwieriger, keine Frage. Das Schneemanagement gewinnt daher an Bedeutung. Und da gibt es noch viele Möglichkeiten, um das Ausfallrisiko zu minimieren. Wir können den Vereinen beispielsweise Maschinen zur Verfügung stellen, die auch bei Plusgraden noch Schnee produzieren. Eine andere Möglichkeit sind Depots, um Schnee in großen Mengen bis zum Wettkampftag einzulagern. DSV, Veranstalter und Kommunen arbeiten da sehr eng zusammen. Die Weltcups haben ja nicht nur einen sportlichen Wert, sie sind für die Orte auch von immenser wirtschaftlicher Bedeutung. Sie haben daher ein großes Interesse, die Austragung der Veranstaltungen sicherer zu machen.

Dennoch sehen die langfristigen Klimaprognosen für viele Wintersportgebiete in Deutschland nicht gut aus. Wie lange kann es hierzulande noch Weltcups geben?
Schwarz: Die nächsten 20 bis 30 Jahre werden wir noch gut bewältigen können. Neben dem Schneemanagement bleiben uns organisatorische Änderungen. Der Winter setzt bei uns immer später ein, deshalb wäre auch eine zeitliche Verschiebung der Wettbewerbe nach hinten denkbar. Und wir müssen uns auch anschauen, wo künftig die schneesichersten Regionen in Deutschland liegen. Und die Sportveranstaltungen eben an diesen Orten konzentrieren.

Interview: Karsten Röbisch