17.02.2016
Kolumne Rente von morgen

Wir brauchen ein Innovationsbündnis für Altersvorsorge

Die Versicherungswirtschaft hat sich 2015 alles in allem gut geschlagen. Zum Verschnaufen bleibt aber keine Zeit, denn jenseits dieser Zahlen stehen wir an einem Scheideweg. Grundlegende Reformen sind notwendig, um mehr Menschen für private Altersvorsorge zu gewinnen. Die Kolumne von GDV-Geschäftsführer Jörg von Fürstenwerth.

Weil ich nach vorne schauen möchte und nicht nach hinten, halte ich mich nicht lange mit den Eckdaten des vergangenen Geschäftsjahres auf. Ja, es war kein leichtes Jahr für uns Versicherer – und daher können wir uns mit dem Erreichten wahrlich sehen lassen. Das hat GDV-Präsident Alexander Erdland am vergangenen Freitag auch den Journalisten gesagt, denen wir in Berlin die vorläufigen Zahlen vorgestellt haben.

Natürlich gab es auch kritische Nachfragen, insbesondere zur Zukunft der Lebensversicherung. Das sind wir gewohnt, und das hat in diesen Zeiten auch seine Berechtigung.

Aber was hat die Medienvertreter über die nackten Kennziffern hinaus vor allem interessiert? Wie es jenseits der gesetzlichen Rentenversicherung überhaupt um die Zukunft der Altersvorsorge in Deutschland bestellt ist. Das freut mich, das freut den Verband, denn wir möchten, unabhängig von einzelnen Produkten, grundsätzlich darüber sprechen, wie es mit der ergänzenden Altersvorsorge – ob betrieblich oder privat – weitergeht.

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„Deutschlandrente“ und „Basisprodukt“: Verstaatlichung ist auch keine Lösung

Im Moment schwirren so viele verschiedene Begriffe durch die Debatte, dass mir der Kopf brummt. Ich nenne nur zwei: „Deutschlandrente“ und „Basisprodukt“. Ohne im Detail darauf einzugehen: Im Kern läuft es bei beiden Vorschlägen auf eine (Wieder-)Verstaatlichung der privaten Vorsorge hinaus. Das bringt weder mehr Sicherheit, noch niedrigere Kosten oder gar eine höhere Rendite mit sich.

Nur mal nebenbei: Der Chef des immer wieder als Vorbild genannten norwegischen Staatsfonds hat gerade erst gesagt, die Zeiten hoher Renditen seien vorbei; dieses Jahr schaffe man 2,8 Prozent. Da brauchen wir uns mit unseren Produkten wahrlich nicht zu verstecken.

Wir stehen an einem Scheideweg

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das Thema Altersvorsorge neu denken müssen. Und zwar nicht, weil Altersvorsorgesparer besonders unter der unverhältnismäßigen Geldpolitik leiden. Nein, die ganze deutsche Wirtschaft droht Schaden zu nehmen, wenn das Zinsniveau noch lange Zeit so niedrig bleibt. Berufsständische Versorgungswerke, die Pensionskassen von ARD und ZDF, große Konzerne und Mittelständler ächzen unter den Pensionsrückstellungen. Nach einer Schätzung der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung müssen Unternehmen mit Direktzusagen bis Ende 2017 bilanzielle Zusatzbelastungen von bis zu 45 Milliarden Euro im Jahr tragen.

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Weil ich glaube, dass wir an einem Scheideweg stehen. Grundlegende Reformen sind notwendig, um mehr Menschen für private Altersvorsorge zu gewinnen. Dafür sollten sich alle Beteiligten – Politik, Rentenversicherung, Verbraucher und Wirtschaft – an einen runden Tisch setzen. Dabei sollte es um neue Antworten auf die Frage gehen, wie wir mit dauerhaften Niedrigzinsen und einer alternden Gesellschaft umgehen.

Lassen Sie uns dieses Innovationsbündnis für Altersvorsorge gemeinsam anpacken.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth