03.02.2016
Kolumne zum Verbraucherschutz

Schlicht gut

Ein neues Gesetz soll zu einer größeren Verbreitung von Schlichtungsstellen führen. Sie sind ein sinnvolles Instrument – sowohl für Verbraucher als auch Unternehmen. Dies zeigen die Erfahrungen mit dem Versicherungsombudsmann. Die Kolumne von GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth.

Die Versicherungswirtschaft gilt für einige Menschen nicht als sonderlich fortschrittlich. Diese Meinung bekomme ich in Gesprächen mitunter auch zu hören. Regelmäßig versuche ich, das Bild zurechtzurücken: Denn auch wenn wir zweifellos nicht immer die schnellsten sind, so gibt es doch viele Projekte, bei denen wir eine Vorreiterrolle innehaben. Dazu gehört etwa der Versicherungsombudsmann, der bereits seit 2001 bei Streitigkeiten zwischen Unternehmen und Verbrauchern unbürokratisch und schnell vermittelt. Viele Branchen kennen solche Verfahren bis heute nicht.

Doch das soll sich ändern. Der Bundesrat hat in der Vorwoche das Verbraucherstreitbeilegungsgesetz durchgewunken. Es soll möglichst vielen Verbrauchern die Möglichkeit geben, Streitigkeiten mit Unternehmen außergerichtlich vor einer Schlichtungsstelle beizulegen. Private Einrichtungen sind explizit erwünscht. Für die Anerkennung gelten bestimmte Qualitätsanforderungen. So muss der Schlichter über ausreichend Fachkenntnisse verfügen, unabhängig sein und so vergütet werden, dass sein Urteil nicht davon beeinflusst wird. Die Schlichtungsstelle muss zudem regelmäßig über ihre Tätigkeit berichten.

GDV-NEWSLETTER

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Der GDV-Newsletter bietet einen aktuellen Überblick über die wichtigsten Themen der Versicherungswirtschaft – immer mittwochs in Ihrem E-Mail-Postfach.
Hier abonnieren

Ombudsmann erfüllt bereits viele künftige Vorgaben

Zahlreiche Mindestanforderungen erfüllt der Versicherungsombudsmann bereits. Als eigenständiger Verein agiert er unabhängig vom GDV. An der Spitze der Schlichtungsstelle steht mit dem ehemaligen Präsidenten des Bundesgerichtshofs, Günter Hirsch, ein Fachmann, der von mehr als 40 Mitarbeitern unterstützt wird. Er veröffentlicht jährlich einen ausführlichen Tätigkeitsbericht und ist damit auch in Sachen Transparenz fortschrittlich.

Und die Erfahrungen mit dem Versicherungsombudsmann sind positiv. Kunden können Entscheidungen ihres Versicherers kostenlos von Experten überprüfen lassen, ohne gleich den Rechtsweg einschlagen zu müssen. Die Unternehmen haben ihrerseits die Chance, Probleme frühzeitig aus der Welt zu räumen, ehe der Streit eskaliert und der Kunde für immer weg ist. Ergänzend zu ihrem internen Beschwerdemanagement erlangen sie auch weitere Erkenntnisse darüber, ob es sich bei der Beschwerde des Kunden um einen Einzelfall handelt – oder um einen strukturellen Missstand, den sie korrigieren sollten.

All das macht einen effektiven Verbraucherschutz aus. Demnächst nicht nur in unserer Branche. Sondern hoffentlich in vielen anderen Sektoren unserer Wirtschaft. Da macht es Spaß, Vorreiter zu sein.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth

Mehr zum Thema:
>> zur Person: Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth
>> alle Kolumnen von Jörg von Fürstenwerth auf GDV.DE