04.01.2016
Lebenserwartung

Wir leben länger als Google glaubt

Wer bei Google nach der durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland sucht, wird schnell fündig. Sofort stößt man auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Neugeborene Jungen werden demnach 77 Jahre und neun Monate alt, die Mädchen können ein Alter von 82 Jahren und zehn Monaten erreichen. So steht es auch bei Wikipedia, und selbst viele Studien greifen auf diese Werte zurück. Somit scheint alles klar. Ist es aber nicht.

In Wahrheit werden die Deutschen viel älter, als diese Zahlen glauben machen. Die tatsächliche Lebenserwartung ist bis zu acht Jahre höher. Denn die Zahlen, die wir so schnell bei Google finden, basieren auf den aktuellen Periodensterbetafeln des Statistischen Bundesamtes. Die aber sagen nur aus, in welchem Alter Männer und Frauen heute durchschnittlich sterben. Es handelt sich hierbei um eine Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevölkerung, erklären die Bundesstatistiker.

Generationensterbetafel ist aussagekräftiger

Aus diesen Sterbetafeln lässt sich aber nicht die Lebenserwartung eines heute lebenden Menschen ableiten. Jedenfalls nicht, wenn man annimmt, dass – wie in der Vergangenheit – auch in Zukunft technische und medizinische Fortschritte das Leben weiter verlängern.

Eine realistischere Prognose gibt die Generationensterbetafel, die ebenfalls vom Statistischen Bundesamt ermittelt wird – jedoch weniger bekannt ist. Damit schätzen die Statistiker für jeden Geburtsjahrgang das wahrscheinliche Lebensalter – und berücksichtigen dabei auch die in Zukunft zu erwartenden medizinischen und technischen Verbesserungen. Die Zahlen sehen dann schon ganz anders aus: Neugeborene Jungen kommen demnach auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von gut 86 Jahren, und die Mädchen knacken sogar die Marke von 90. Und selbst den heute 40-jährigen Männern und Frauen verspricht die Generationensterbetafel ein längeres Leben, als Neugeborene nach der Periodensterbetafel zu erwarten hätten.

Anders als bei den Periodensterbetafeln – bei denen man nur das durchschnittliche Sterbealter der Gegenwart ermittelt – ist diese Prognose natürlich mit einigen Unsicherheiten verbunden. „Schätzungen werden umso unsicherer, je jünger der betrachtete Jahrgang ist“, warnen die Statistiker des Bundesamtes. Es kann also durchaus sein, dass sich die Lebenserwartung am Ende anders entwickelt. In der Vergangenheit haben die Menschen jedenfalls oft länger gelebt, als die Statistiker erwartet hatten. Eine gute Nachricht gleich zum Jahresanfang.