19.01.2016
Wetterrisiken versichern

Wenn der Schnee von heute nicht ausreicht

Es war der wärmste Dezember Deutschlands seit fast 100 Jahren. Viele Skiveranstaltungen fielen mangels Schnee aus. Das muss kein finanzielles Fiasko bedeuten. Von Karsten Röbisch

Schnee ist in Oberhof eigentlich keine Sensation. Als aber erst Ende November die ersten Flocken in Thüringens Wintersportzentrum fielen, war das den Veranstaltern des Biathlon-Weltcups eigens eine Mitteilung wert: „Eilmeldung. Es schneit in Oberhof!“ Die Nachricht sollte Mut machen, dass das Ski-Rennen im Januar planmäßig stattfinden kann. Doch am Ende musste der Weltcup abgesagt werden. Gegen die milden Temperaturen gab es einfach kein Ankommen.

Der vergangene Dezember erinnerte eher an einen Frühling. Mit durchschnittlich 6,5 Grad Celsius war er der wärmste seit Beginn der flächendeckenden Messungen in Deutschland im Jahr 1881. Ähnlich sah es im Rest Mitteleuropas aus, selbst in den Alpen mangelte es vielerorts an Schnee. Bereits mehrere Wintersport-Events fielen dem Wetter zum Opfer, sei es der Weltcup der Nordischen Kombinierer in Schonach oder der Slalom-Weltcup in Zagreb.

Wetterrisiko- oder Ausfallversicherungen ersetzen Einbußen

Für die Sportveranstalter ist die Absage eines Rennens ein schwerer Schlag. Die Vorbereitungen dauern oft über Monate und verursachen hohe Kosten, auf denen die Organisatoren ohne Einnahmen aus Kartenverkäufen oder der TV-Übertragung sitzen bleiben. Es sei denn, sie haben sich für solche Fälle gewappnet – so wie die Veranstalter von Oberhof: „Wir haben eine Versicherung abgeschlossen und hoffen, dass diese greift“, sagt Organisationschef Christopher Gellert.

Die Thüringer greifen auf eine Rahmenvereinbarung des Deutschen Skiverbandes (DSV) zurück, der damit alle Großveranstaltungen unter seinem Dach abgesichert hat. „Die Versicherung gilt für etwa 15 Weltcups in verschiedenen Sportarten, die jeden Winter in Deutschland stattfinden“, erklärt Hubert Schwarz, Geschäftsführer der DSV-Verwaltungs-GmbH. Dazu zählen neben den zwei Biathlon-Veranstaltungen in Oberhof und Ruhpolding beispielsweise auch ein Langlaufwettbewerb sowie drei alpine Skirennen.

Prämien orientieren sich an Eintrittswahrscheinlichkeit

Bei solchen Policen handelt es sich um sogenannte Veranstalterausfallversicherungen. Damit können Organisatoren grundsätzlich jede Art von externen Risiken absichern – so auch Wetterrisiken wie ausbleibenden Schneefall. Im Schadensfall ersetzen die Versicherer Mindereinnahmen oder erstatten die Kosten. Die Prämien richten sich nach der Eintrittswahrscheinlichkeit: „Zur Berechnung werten die Versicherer historische Wetterdaten sowie in Zusammenarbeit mit dem betreuenden Makler Verlaufsdaten aus und beziehen auch langfristige Prognosen mit ein“, sagt Henning Helwig vom Versicherungsmakler Howden Caninenberg.

Wie der Versicherungsfall definiert ist, ist völlig verschieden. „Die Parameter lassen sich flexibel festlegen, sie müssen nur vorab klar geregelt sein“, so Helwig. Bei Wintersportveranstaltungen hängt der Versicherungsfall üblicherweise vom Urteil der Rennleitung ab, ob die Veranstaltung stattfinden kann oder nicht. „Im Profibereich gibt es ganz andere Ansprüche an die Qualität einer Piste als im Freizeitsport“, sagt Helwig. Zudem könne nicht nur fehlender Schnee zum Ausfall eines Rennens führen, sondern auch Nebel oder starker Wind.

Nachfrage nach Ausfallversicherungen steigt – aber auch die Raten

Die Bedeutung solcher Policen hat laut Helwig in der Vergangenheit zugenommen. So sind etwa die Anforderungen der Verbände an die Sportevents gestiegen – und damit auch der Aufwand für die Veranstalter. „Kein Verein ist heute mehr in der Lage, das Kostenrisiko allein zu tragen“, sagt Schwarz vom DSV, der vor rund zehn Jahren die Rahmenvereinbarung abgeschlossen hat.

Gleichzeitig ist mit den zunehmenden Wetterschwankungen das Ausfallrisiko gestiegen. Und das macht sich wiederum auch im Preis bemerkbar: „Die Nachfrage nach wetterbedingten Ausfallversicherungen steigt, gleichzeitig aber auch die Raten. Es wird zunehmend schwieriger, beide Seiten zusammen zu bringen“, erklärt Makler Helwig.

Schneesicherheit gewinnt an Bedeutung

Mehrere milde Winter in Folge könnten gar dazu führen, dass es eines Tages keine Absicherung gegen Schneemangel mehr gibt. Dann wären auch die Wintersportveranstaltungen gefährdet. Helwig sieht dieses Szenario aber sobald nicht kommen. Es gebe noch viele technische Hilfsmittel, um das Risiko kalkulierbar und die Prämien bezahlbar zu machen: „Wenn ein Sportveranstalter an kalten Tagen Schnee produziert und einlagert, um damit zum Veranstaltungstag die Piste zu präparieren, sinkt das Ausfallrisiko“, so der Makler.

Auch DSV-Mann Schwarz hält die Ski-Weltcups in Deutschland mittelfristig für gesichert. „Die nächsten 20 bis 30 Jahre werden wir noch gut bewältigen können.“ Gleichwohl werde das Thema Schneesicherheit immer wichtiger, und dabei arbeiteten Verband, Veranstalter und Kommunen eng zusammen. So stellt der DSV den Vereinen beispielsweise Maschinen zur Verfügung, die selbst noch bei Plustemperaturen Schnee erzeugen können. In Zukunft sei auch denkbar, Weltcups weiter nach hinten zu verschieben, so Schwarz.

Die Kommunen rüsten ebenfalls auf, um ihre Veranstaltungen auch in Zukunft durchführen zu können, die immer auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind. Oberhof hat erst kürzlich ein neues Depot für 12.500 Kubikmeter Schnee eingeweiht. Für den vergangenen Weltcup kam die Vorratskammer zu spät, im nächsten Jahr soll sie aber mit dafür sorgen, dass das Rennen stattfinden kann. Und wenn es nur für ein weißes Band in grüner Landschaft reichen sollte.