13.01.2016
Kundennähe

Einfacher versichert

Kaum ein Lebensbereich, der nicht versicherbar wäre. Kaum ein Lebensumstand, der nicht in eine Police mit hineinspielen könnte. Es liegt in der Natur der Sache, dass Versicherungen kompliziert sein können. Gerade weil die Branche das weiß, versucht sie, wo immer es sinnvoll ist, Dinge zu vereinfachen – von der Schadenregulierung eines Massenunfalls bis zu den jährlichen Standmitteilungen. Die Kolumne von GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth

Eine erfreuliche Nachricht aus der vergangenen Woche: „Versicherer zahlen alles“. Eine westfälische Lokalzeitung resümierte unter dieser Überschrift die Regulierung eines Massenunfalls auf der A33 bei Paderborn in der Neujahrsnacht.

Solche Karambolagen mit Dutzenden von Geschädigten stellen unsere Branche und Kunden immer wieder vor Probleme: Wer hat den Unfall verursacht? Welche Versicherung ist zuständig? Wann wird der Schaden ersetzt – und von wem? Die im Grundsatz völlig berechtigte Klärung dieser Fragen kann kompliziert sein, ihre Zeit brauchen oder schlicht unmöglich sein. Deshalb hat die Versicherungsbranche reagiert und die Schadenregulierung bei Massenunfällen unter bestimmten Bedingungen wesentlich vereinfacht. Die langwierige Suche nach dem Unfallverursacher entfällt – Schäden der Insassen und am Fahrzeug können zeitnah einfach bei der eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung eingereicht werden.

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Kaum ein Lebensbereich, der nicht versicherbar wäre

Wenn es immer so einfach wäre: Versicherungen stehen nicht gerade in dem Ruf, ein sonderlich unkompliziertes Produkt zu sein. Ein Stückweit liegt dies in der Natur der Sache. Kaum ein Lebensbereich, der nicht versicherbar wäre. Kaum ein Lebensumstand, der nicht in eine Police mit hineinspielen könnte. Dieses vielfältige Produktangebot muss rechtssicher und kalkulierbar konzipiert sein. Das bringt ganz automatisch Komplexität in unsere Verträge.

Gerade aber weil wir Versicherer das wissen, versuchen wir, wo immer es geht und sinnvoll ist, Dinge zu vereinfachen. Denn nur derjenige Kunde wird treu bleiben, der seine Police versteht und seinen Versicherer pragmatisch erlebt. Der Massenunfall bei Paderborn, wo das vereinfachte Verfahren zur Schadenregulierung kürzlich angewendet wurde, ist das aktuellste Beispiel dafür.

Oder nehmen Sie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Die meisten Versicherten erhalten hier zügig ihre Leistungen. Das ist das Ergebnis einer erstmals von unserem Verband erhobenen Branchenstatistik. Nur bei knapp sechs Prozent der Leistungsanträge holen die Versicherungsunternehmen Gutachten ein – die überwiegend zu Gunsten der Versicherten ausgehen. Der Statistik zufolge erkannten die Unternehmen im Jahr 2014 gut 40.200 Anträge ihrer Kunden auf Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung an. Die Leistungsquote, also das Verhältnis von anerkannten zu eingereichten Leistungsanträgen, lag bei annähernd 77 Prozent.

Sprachlich überarbeitete Empfehlungen für Standmitteilungen

Nehmen Sie die Empfehlungen unseres Verbandes für die Versicherungsbedingungen. In Zusammenarbeit mit Sprachwissenschaftlern sind wir dabei, diese Vorlagen zu überarbeiten. Unsere Kunden sollen die Texte besser verstehen können. Dabei müssen sie natürlich juristisch präzise und rechtssicher bleiben.

Ganz ähnlich gehen wir gerade auch bei den Standmitteilungen vor, die Versicherte jährlich über die bisher erreichten Leistungen ihrer Altersvorsorge informieren: Hier ist die Arbeit schon weit fortgeschritten. Unsere unverbindlichen Empfehlungen für die Niederschrift dieser Informationen sind komplett überarbeitet worden. Schon in Kürze werden Sie mehr zu diesem Thema von uns hören.

Einfach ist schwer – gerade beim Thema Altersvorsorge

Verblüffend einfach ist übrigens auch der Vorschlag für eine neue kapitalgedeckte „Deutschland-Rente“, von dem in den vergangenen Wochen zu lesen war. Dieser Vorstoß kommt allerdings nicht aus der Versicherungsbranche, sondern hat uns aus dem schwarz-grün regierten Hessen erreicht. Die Debatte über das Für und Wider einer solchen Deutschland-Rente, die in einen staatlich verwalteten, kostengünstigen Standardfonds fließen soll, würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel: Aus meiner Sicht machen es sich die Urheber dieses Plans hier schlicht zu einfach. Sie übersehen wichtige Punkte: Den Staat selbst als Konkurrent in den Markt einzuführen, ist nicht nur wettbewerbsrechtlich, sondern auch ordnungspolitisch verfehlt. Dem Vorschlag fehlt es an Antworten auf zentrale Fragen der Altersvorsorge: Wie wird zum Schutz vor den Risiken am Kapitalmarkt eine Mindestleistung, wie wird eine lebenslange Versorgung der Bürger garantiert?

Ich darf daran erinnern, dass bis heute knapp 11 Millionen Riester-Versicherungsverträge abgeschlossen wurden. Ein solches Produkt pauschal als zu kompliziert abzustempeln, zeichnet ein falsches Bild. Vor diesem Hintergrund erinnert mich der Plan einer „Deutschland-Rente“ an den lang gehegten Traum der Steuererklärung, die auf einem Bierdeckel Platz finden soll.

Einfach ist schwer – gerade beim Thema Altersvorsorge.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth

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>> zur Person: Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth
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