02.12.2015
Naturgefahren

Damit die Folgen des Klimawandels versicherbar bleiben

Kaum ein Ereignis illustriert den Sinn einer Versicherung besser als Naturkatastrophen. Jedes Jahr schüttet die Branche Milliarden aus, um Schäden durch Sturm oder Fluten zu regulieren – und auf vielen Ebenen arbeiten Versicherer daran, ihren Beitrag zur Klimafrage zu leisten. Nur wenn es gelingt, die Erderwärmung zu begrenzen, wird Versicherungsschutz noch für alle bezahlbar bleiben. Die Kolumne von GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth.

Aus Chinas Hauptstadt erreichen uns in diesen Tagen Bilder, wie sie alarmierender nicht sein könnten. Zeitgleich zum Weltklimagipfel in Paris versinkt Peking im Smog. Die Behörden raten den Bürgern davon ab, auf die Straße zu gehen. Flüge werden gestrichen und besonders umweltbelastende Industrien müssen vorerst ihre Arbeit einstellen. Schon vor einigen Tagen hatte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, in einem bemerkenswerten Gastbeitrag klargemacht: „Klimawandel ist an jedem Ort eine Bedrohung für das Leben und unsere Existenz.“ Und der Uno-Chef sagt: „Klimawandel hat keinen Reisepass.“

Klimawandel ist längst in Deutschland angekommen

Klimawandel mit all seinen Folgen ist ein globales Problem. Es macht deshalb keinen Unterschied, ob Treibhausgase in China, Australien, dem amerikanischen Kontinent oder direkt vor unserer Haustür ausgestoßen werden – all diese Emissionen befördern die Erwärmung unseres Planeten – und die Folgen sind längst auch in Deutschland zu spüren.

Diese Entwicklung betrifft auch uns Versicherer: Wir werten Daten aus, damit die Folgen des Klimawandels auch in Zukunft versicherbar bleiben. Wir schaffen die Voraussetzungen, um Schäden durch extreme Wetterlagen schnell und zuverlässig zu regulieren. Wir informieren unsere Kunden über Gefahren durch Wetterphänomene wie Überschwemmung, Starkregen oder Stürme – und setzen uns dafür ein, dass Schäden gar nicht erst entstehen. So fordern wir etwa, dass in Deutschland der Schutz von Gebäuden gegen Überschwemmungen verbessert wird, die Klimaforschung weiter gefördert oder extrem überschwemmungsgefährdete Regionen nicht mehr als Bauland ausgewiesen werden.

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Empfehlungen für eine nachhaltige Kapitalanlage

Last but not least beschäftigt sich der GDV auch mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit von Kapitalanlagen. So haben wir Empfehlungen für die Branche herausgegeben, wie Nachhaltigkeitsaspekte bei der Kapitalanlage berücksichtigt werden können. Natürlich wollen und müssen Versicherer für Ihre Kunden eine gute Rendite erwirtschaften. Eine an der Nachhaltigkeit ausgerichtete Anlagestrategie muss diesem Ziel grundsätzlich nicht im Weg stehen. Das zeigen auch viele wissenschaftliche Studien. Ökologische Aspekte können daher sinnvoll in Investitionsentscheidungen unserer Branche einfließen – immerhin legen deutsche Versicherer im Schnitt täglich 1,3 Mrd. Euro neu an. Allerdings muss ich auch klar sagen, dass alle Überlegungen in diese Richtung sich immer den übergeordneten gesetzlichen Regelungen des Versicherungsaufsichtsgesetzes und den Regeln nach Solvency II unterzuordnen haben.

Extreme Wetterereignisse werden zunehmen, auch in Deutschland.

Schon im Jahr 2011 hat unser Verband gemeinsam mit dem Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung und weiteren wissenschaftlichen Partnern eine Studie durchgeführt, deren Ergebnis aufhorchen lässt: Extreme Wetterereignisse werden häufiger, auch in Deutschland. Sturmschäden könnten demnach bis zum Jahr 2100 um über 50 Prozent zunehmen, Schäden durch Überschwemmungen sich gar verdoppeln. Allein im Jahr 2014 haben wir Versicherer knapp zwei Milliarden Euro für Schäden durch Sturm, Hagel oder Starkregen aufgebracht.

Es gibt wohl kaum einen komplexeren Prognose-Gegenstand als das Klima. Was wir aber heute sagen können, ist: Die Kosten für die Absicherung gegen Naturkatastrophen werden sich perspektivisch erhöhen. Wird die Erderwärmung spürbar begrenzt, dürften in Deutschland die Versicherungsbeiträge dennoch bezahlbar und die Risiken für die Versicherungswirtschaft tragfähig bleiben. Schreitet die Erderwärmung ungebremst voran, dürften sich die Rahmenbedingungen in Zukunft wohl deutlich ändern.

Deshalb dürfen wir keinesfalls nachlassen in unseren Bemühungen. Wir Versicherer wollen unseren Beitrag zur Klimafrage leisten. Hoffen wir auf einen Durchbruch für ein globales Klimaabkommen in Paris. „Je schneller wir handeln, desto größer werden die Vorteile für alle sein“, sagt der Uno-Chef.

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth

 
Jörg von Fürstenwerth

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