26.11.2015
Berufshaftpflichtversicherung

Sicherheit für Hebammen und werdende Mütter

Der Versicherungsschutz für freiberufliche Hebammen in der Geburtshilfe ist bis ins Jahr 2018 gewährleistet. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) begrüßt die Einigung auf einen neuen Gruppenvertrag ausdrücklich – weist aber gleichzeitig auf die nach wie vor schwierigen Rahmenbedingungen hin.

Ein Konsortium aus sechs Versicherern und der Deutsche Hebammenverband (DHV) haben sich auf einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit bis Mitte des Jahres 2018 geeinigt. „Die Versicherer stehen trotz der nach wie vor schwierigen Rahmenbedingungen an der Seite der Hebammen und gewährleisten Versicherungsschutz für ihre wichtige Aufgabe in der Geburtshilfe“, sagt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung.

STATEMENT

Jörg von Fürstenwerth,
Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung:

„Die Versicherer stehen trotz der nach wie vor schwierigen Rahmenbedingungen an der Seite der Hebammen und gewährleisten Versicherungsschutz für ihre wichtige Aufgabe in der Geburtshilfe.“

Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen bleibt schwer kalkulierbar

Die Einigung eröffnet Versicherern, Hebammen, Krankenkassen und Politik zudem die Möglichkeit zu evaluieren, wie sich die jüngsten gesetzlichen Änderungen für freiberufliche Hebammen auswirken. Diese sehen unter anderem vor, die Qualität der Hebammenleistungen weiter zu verbessern und Regresse der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen gegenüber Hebammen zu begrenzen. Hebammen, die nur wenige Geburten im Jahr betreuen, sollen durch einen Sicherstellungszuschlag finanziell unterstützt werden.

Sowohl der Regressausschluss als auch der Sicherstellungszuschlag sind nicht unumstritten. So können Kranken- und Pflegekassen weiter Kosten von der Hebamme zurückfordern, wenn sie nicht nur einfach, sondern grob fahrlässig gehandelt hat. Bislang spielte diese Unterscheidung keine Rolle – der Haftpflichtversicherer zahlt in beiden Fällen. Die neue Regelung könnte nach Einschätzung des GDV zu gerichtlichen Auseinandersetzungen über die Frage führen, wie viel Schuld die Hebamme am Geburtsschaden eines Kindes trägt. Ob und in welcher Höhe Hebammen und ihre Haftpflichtversicherer tatsächlich entlastet werden, wird sich erst noch erweisen müssen.

Auch die konkrete Ausgestaltung des Sicherstellungszuschlages ist umstritten. Der GKV-Spitzenverband und die Hebammen konnten sich bislang nicht einigen, wie hoch dieser sein soll und unter welchen Umständen er ausgezahlt wird. Eine angerufene Schiedsstelle konnte die Differenzen nicht beilegen: Ihre Entscheidung hatte der DHV als „nicht hinnehmbar“ bezeichnet und eine Klage angekündigt.

Drastischer Anstieg der Kosten für schwere Geburtsschäden

Die Versicherungsbeiträge für freiberufliche Hebammen, die Schwangere nicht nur betreuen, sondern auch Geburtshilfe leisten, sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Ursache dafür ist die massive Zunahme der Kosten für schwere Geburtsschäden, die von 2003 bis 2012 um fast 80 Prozent gestiegen sind. Unterläuft bei einer Geburt ein Fehler und ein Kind wird schwer geschädigt, entstehen dadurch nach heutigem Stand Kosten in Höhe von durchschnittlich 2,6 Millionen Euro.

Grund für die stark gestiegenen Kosten ist der medizinische Fortschritt: Behandlung und Pflege nach schweren Komplikationen werden immer vielfältiger; die Lebenserwartung auch Schwerstgeschädigter steigt kontinuierlich, womit auch Pflege- und Therapiekosten für einen deutlich längeren Zeitraum anfallen. Auch das durch eine vollständige oder teilweise Erwerbsunfähigkeit entgangene Einkommen wird vom Haftpflichtversicherer der Hebamme ersetzt.