12.11.2015
Rentenperspektiven 2040

Die Studienergebnisse im Überblick

Die Studie „Rentenperspektiven 2040″ hat die individuelle Versorgung im Alter durch die gesetzliche Rentenversicherung im Jahr 2040 berechnet – aufgeschlüsselt nach bestimmten Berufsgruppen und für alle 402 deutschen Kreise und kreisfreien Städte. Die zentralen Ergebnisse der Studie, die von der Prognos AG im Auftrag des GDV durchgeführt wurde, haben wir auf dieser Seite zusammengefasst.

Die Rente 2040: Sie bekommen mehr – und haben trotzdem weniger

Die gute Nachricht ist: Die Rentenanpassungen werden im Durchschnitt hoch genug sein, um die Inflation mehr als nur auszugleichen. Aber: Die Löhne werden, wie schon in der Vergangenheit, schneller wachsen als die Renten. Trotz eines spürbar steigenden Beitragssatzes (von heute 18,7 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2040) sinkt das Bruttorentenniveau daher von heute gut 46 Prozent auf 39 Prozent im Jahr 2040. Die schlechte Nachricht ist also, dass die Entwicklung der Renten nicht mit der Entwicklung der Löhne schritthalten kann. Die Rente wird bei anhaltend guter wirtschaftlicher Entwicklung in 25 Jahren daher zwar höher sein als heute – aber im Verhältnis zu den zuvor verdienten Einkommen wird sie deutlich niedriger ausfallen.

Die Regionen entwickeln sich sehr unterschiedlich – und so auch die Rente

  • Die Region macht einen Unterschied! Wertschöpfung, Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeitsrisiko driften zwischen den Regionen spürbar auseinander – und damit auch die Rentenansprüche, die ein Arbeitnehmer erwerben kann.
  • Überdurchschnittlich hohe Renten werden in Zukunft vor allem in wachstumsstarken Kreisen sowie den angrenzenden Landkreisen gezahlt – beispielsweise in Bayern, Hamburg und weiten Teilen Baden-Württembergs. Umgekehrt sind die Rentenansprüche, die in wachstumsschwachen Regionen wie zum Beispiel Ostdeutschland erworben werden, deutlich geringer.
  • Entscheidend ist aber nicht nur die Höhe der Rente, sondern auch, was man sich tatsächlich dafür leisten kann. Auch hier ermittelt Prognos erhebliche regionale Unterschiede. Im teuren München ist der Renteneuro zum Beispiel 23 Prozent weniger Wert als im Bundesdurchschnitt, während man in Holzminden 16 Prozent sogar mehr bekommt.
  • Die „wirtschaftlichen Kraftzentren“ der Republik, also Kreise mit hoher Wertschöpfung, Zunahme der Erwerbstätigkeit, starker Einkommensentwicklung und niedriger Arbeitslosigkeit, bieten gute Voraussetzungen, um hohe Rentenansprüche zu erwerben. Sie sind aber weder heute noch in Zukunft die besten Orte zum Leben für Rentner, weil die Rente hier weniger „kaufen“ kann. Dies gilt vor allem für die Metropolen wie München und Hamburg, die im Bundesvergleich trotz – oder vielmehr: wegen – ihrer großen Wirtschaftskraft die niedrigste Rentenkaufkraft ausweisen.
  • Umgekehrt kann die höhere Kaufkraft auch den Nachteil niedriger Renten ausgleichen. So unterscheidet sich die Rentenkaufkraft eines Ingenieurs im wachstumsschwachen Schwerin kaum von der seines Kollegen in Hamburg – obwohl er eigentlich über 400 Euro weniger Rente erhält.
  • Das „Rentnerparadies“ der Zukunft dürfte in Bayern nahe der tschechischen Grenze zu finden sein. Die Region profitiert einerseits vom starken Wirtschafts- und Gehaltswachstum – teilweise auch, weil Arbeitnehmer aus diesen Kreisen in nahegelegene Wachstumsregionen einpendeln – und haben andererseits sehr niedrige Lebenshaltungskosten. Ein Elektroinstallateur aus dem Landkreis Hof hat deshalb eine um über 50 Prozent höhere Rentenkaufkraft als sein Kollege in München.

Die Bedeutung der Berufswahl

  • Die Höhe der gesetzlichen Rente folgt der Höhe des sozialversicherungspflichtigen Einkommens und der Länge der Erwerbsbiographie. Ein Beruf mit niedriger Entlohnung und erhöhtem Arbeitslosigkeitsrisiko führt darum zu niedrigeren Renten.
  • Die Erziehung von Kindern führt tendenziell zu einer geringeren Rente. Zwar kompensieren vorteilhafte Regeln im Rentenrecht einen Teil des Verlusts. Die häufig eingeschränktere Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu werden, wirkt sich jedoch über geringere Zahl von Arbeitsstunden und geringere Lohnhöhe auf die Versorgung im Alter aus.
  • Für Versicherte mit hohem Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze deckt die gesetzliche Rente nur einen Teil des Einkommens ab. Zudem sind für solche Berufe häufig längere Ausbildungszeiten erforderlich. Beide Effekte schlagen sich – trotz vergleichsweise hoher absoluter Rente – in einem niedrigen Brutto-Rentenniveau nieder.
  • Auch eine starke „Karriereorientierung“ (steigendes Verhältnis zwischen versichertem Lohn und Durchschnittslohn) führt zwar zu höheren absoluten GRV-Renten. Das Brutto-Rentenniveau ist jedoch tendenziell geringer als bei Versicherten ohne Karriere.
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      Die Rente 2014: Ausgeprägtes Ost-West-Gefälle

      • Gemessen an der Höhe der gesetzlichen Rente und deren Kaufkraft liegen die heutigen „Rentnerparadiese“ tendenziell in Ost-Deutschland: Der Oberspreewald-Lausitzkreis weist mit 1.137 Euro (gemessen in Euro des Jahres 2014) die höchste Rentenkaufkraft auf; den höchsten West-Wert erreicht Recklinghausen mit 1.035 Euro. Die niedrigsten Werte erreichen im Westen der Kreis Nordfriesland mit 632 Euro Rentenkaufkraft und im Osten die Stadt Berlin (909 Euro) und der Kreis Vorpommern-Rügen (933 Euro).
      • Die Rentenkaufkraft ist heute in Ost-Deutschland nicht nur höher, sondern auch gleichmäßiger verteilt. So beträgt die Spanne zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert in Ost-Deutschland 228 Euro – im Westen sind es hingegen 403 Euro.
      • Im Durchschnitt werden in Ostdeutschland 1.020 Euro gezahlt, in Westdeutschland 833 Euro. Der Unterschied erklärt sich vor allem durch die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen zu DDR-Zeiten.


       

      Über die Studie: Was wurde gerechnet?

      Prognos berechnet die individuelle Versorgung im Alter aus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). Im Einzelnen umfasst dies:

      • die Rentenhöhe (in Preisen des Basisjahres 2014)
      • die Höhe des Durchschnittsverdienstes der letzten 5 Jahre (in Preisen des Jahres 2014)
      • das Brutto-Rentenniveau (vor Steuern und Sozialabgaben) im Vergleich zum durchschnittlichen Einkommen der vergangenen fünf Jahre

      Dabei differenziert Prognos nach:

      • unterschiedlichen Berufsgruppen
      • unterschiedlichen Regionen (Kreisebene)