10.11.2015
AssekuranzAgenda Nr. 44

PEPP – Sparplan oder echte Altersvorsorge?

Eine der größten Herausforderungen für die Politik bleibt es, die Rentensysteme für den demografischen Wandel fit zu machen und den europäischen Bürgerinnen und Bürgern Anreize zu setzen, auch selbst etwas für ihre Absicherung im Ruhestand zu tun. Denn ohne betriebliche und private Altersvorsorge werden sie im Alter kaum einen angemessenen Lebensstandard genießen können.

Bereits im Weißbuch Rente hatte die Europäische Kommission das Potenzial des Binnenmarkts für die ergänzende Altersvorsorge gesehen. Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) entwickelt seit 2014 entsprechende Vorschläge. Anfang 2016 sollen die Ergebnisse vorliegen. EIOPA arbeitet nun intensiv an einem EU-weiten Standardprodukt als zusätzliche Alternative zu nationalen Altersvorsorgeprodukten, dem PEPP. Auch zur Kapitalmarktunion soll das PEPP beitragen. Konkrete Vorschläge dafür wurden Anfang Juli dieses Jahres von EIOPA zur Konsultation gestellt und sind nun im Aktionsplan zur Schaffung einer Kapitalmarktunion enthalten. Die PEPPInitiative könnte dazu dienen, gerade auf gesamteuropäischer Ebene das Bewusstsein der Bürger für den ergänzenden Vorsorgebedarf zu stärken.

Der Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe der AssekuranzAgenda (Heft 44 / Juli – Oktober 2015), dem Magazin des GDV mit Meldungen aus der EU-Versicherungspolitik.

Weitere Meldungen der aktuellen Ausgabe:

  • Vorschlag Infrastrukturinvestitionen
  • EU-KOM veröffentlicht Aktionsplan KMU
  • EP zu EU-Finanzmarktregulierung
  • ECON-Anhörung: Solvency II im Fokus
  • Grünbuch Finanzdienstleistungen
  • PRIIP & Versicherungsanlageprodukte
  • IDD: Die nächsten Schritte
  • ECON-Berichtsentwurf zur EbAV-RL
  • Aktionärsrechte-RL im Trilog

 
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An Rentenprodukte legen die deutschen Versicherer hohe Qualitätsstandards an, denn es geht um die langfristige und sichere Versorgung der immer älter werdenden Gesellschaft. Das von EIOPA vorgeschlagene PEPP würde diesen Standards zu einem Großteil entsprechen. Das Produktdesign fördert langfristige Sparprozesse und strebt eine gewisse Sicherheit der Kapitalanlagen, zum Beispiel durch Garantien, an.

Doch EIOPA geht den Weg nicht bis zum Ende – Regelungen für die Rentenphase sind bislang nicht geplant. Lösungen für den Ruhestand gelten lediglich als länderspezifische Zusatzangebote, je nachdem wo ein PEPP vertrieben wird. Altersvorsorge ist aber nicht nur auf den Sparprozess sondern vor allem auf den Einnahmenstrom im Alter ausgerichtet.

Der Begriff „pensions“, den auch das PEPP im Namen führt, zielt nach allgemeinem Verständnis auf ein regelmäßiges Alterseinkommen ab und sollte daher vor einer irreführenden Verwendung geschützt werden. Daher müsste entweder der Name geändert werden (z. B. in Pan-europäischer Sparplan) oder Europa muss eine Antwort für die Auszahlphase finden. Eine Basis, auf der EIOPA aufbauen könnte, wird längst erarbeitet: EIOPAs Fact Finding Report on Decumulation Phase Practices und eine Studie der Kommission zur Leistungsfähigkeit und Angemessenheit der verschiedenen Rentenbezugsmodelle.

EIOPA sollte sich auch die Zeit nehmen, weitere wichtige Aspekte zu klären, wie z. B. die aufsichtsrechtliche Regulierung der Anbieter. Und schließlich brauchen Versicherer als wichtige Anbieter eindeutige und konsistente Regelungen für den Verbraucherschutz, die nicht den Vorgaben für die Konzipierung und den Vertrieb neuer Finanzprodukte, wie z. B. aus der Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD oder aus den kommenden Leitlinien zu Product Oversight and Governance,widersprechen.

Der Versicherungsverband GDV hat sich an der bis zum 5. Oktober 2015 laufenden Konsultation EIOPAs beteiligt. Mit Spannung und der Hoffnung, dass die Weichen für die Zukunft der Altersvorsorge richtig gestellt werden, sehen wir dem finalen Bericht EIOPAs im Februar 2016 entgegen.