07.09.2015
Pro & Contra Vergleichsportale

Sind Kunden bei Check 24, Verivox & Co. gut beraten?

Vermittler oder Vergleichsportal, wo finden Kunden am besten eine passende Police? Der Onlinevergleich mache den Versicherungsmarkt transparenter und biete auch Chancen für Vermittler und Makler, meint Ingo Weber, Geschäftsführer von Verivox. Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), hält dagegen: Die Vergleichsportale würden die gesetzlichen Regeln des Verbraucherschutzes missachten. Aus diesem Grund hat sein Verband kürzlich das Vergleichsportal Check 24 wegen unlauterem Wettbewerb verklagt.

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Ingo Weber

Chief Financial Officer und Geschäftsführer bei Verivox

Ingo Weber

 
Sich im Internet über Produkte und Dienstleistungen zu informieren, ist für die meisten Verbraucher heute eine Selbstverständlichkeit. Sie vergleichen Preise, prüfen die Leistungen und studieren Bewertungen. Diese verbraucherfreundliche Markttransparenz ist erst mit Vergleichsportalen möglich geworden.

Das Internet hat auch nicht vor dem Markt für Versicherungen halt gemacht. Die Policen werden transparenter und vergleichbarer als jemals zuvor. Vielen Beratungsgesprächen geht heute ein Vergleich im Internet voraus. Versicherern und Vermittlern eröffnet das neue Chancen: Sie können die Portale als Vertriebskanal nutzen.

Auf Vergleichsportalen können Kunden nicht nur online Tarife vergleichen, sondern mithilfe von Filtern die Leistungsmerkmale auswählen, die ihren Wünschen entsprechen. Tiefergehende Hintergrundinformationen zu Versicherungsthemen runden oft den Service ab. Bei Verivox bieten Experten zum Beispiel zusätzlich Beratungen in Echtzeit per Telefon oder Chat an. Das muss aber nicht zwingend bedeuten, dass die persönliche Beratung vor Ort überflüssig geworden ist. Anstatt die Energie auf einen Streit der Vertriebskanäle zu verschwenden, sollte die Branche die Wünsche der Kunden in den Mittelpunkt stellen und eine optimale Mischung aus umfassender Information und individuell angepasster Beratung bieten. Wir arbeiten daran.

Vermittler und Makler können sich sogar durch Vergleichsportale profilieren. Einige Berater nutzen Versicherungsvergleiche in ihren Beratungsgesprächen und ergänzen so ihre Sachkompetenz mit einer umfassenden Marktübersicht. So können verschiedene Vertriebswege Potenziale heben – im Sinne der Kunden.

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Michael H. Heinz

Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK)

Michael H. Heinz

 
Das Internet durchdringt alle Lebensbereiche. Da ist es verständlich, dass Kunden Versicherungen auch online abschließen wollen. Vergleichsportale, die sie vermitteln, erwecken den Anschein, dass man Versicherungen mit wenigen Klicks auf ein paar Eckdaten, besonders den Preis, reduzieren und vergleichbar machen kann. Doch das ist nicht so: Die User wissen nicht einmal, dass sie sich auf Makler-Websites befinden, wenn sie dort Verträge abschließen. Zudem unterscheiden sich die Produkte im Deckungsumfang teils erheblich. Und bestehende Verträge können nicht den Online-Angeboten gegenübergestellt werden. Kurzum: Es werden Birnen mit Äpfeln verglichen.

Der Gesetzgeber hat nicht ohne Grund die Informations-, Beratungs- und Dokumentationspflichten für Versicherungsvermittler erhöht. Hierzu zählen die Übermittlung der Statusinformation beim ersten Geschäftskontakt, eine individuellen Leistungs- und Bedarfsanalyse sowie die Beratungsdokumentation. Damit soll Transparenz hergestellt und der Verbraucherschutz gestärkt werden. Wir stehen als ehrbare Versicherungskaufleute voll dahinter. Beim Versicherungsvermittler wird der Kunde individuell und transparent über das für ihn richtige Produkt beraten.

Aber warum sollten allein Versicherungsvermittler die strengen gesetzlichen Regeln erfüllen? Das Prinzip der Firmenwahrheit und -klarheit muss für alle gelten. Kunden sind in der virtuellen Welt nicht weniger schutzbedürftig. Die vermittelnden Internetvergleichsportale sollten ebenfalls diese Anforderungen erfüllen müssen. Deshalb hat der BVK das Vergleichsportal Check24 mit Hinweis auf die Verbraucherschutzregeln abgemahnt*. Transparenz, Beratung und Verbraucherschutz müssen auch im Internet gelten.

*Anm. d. Red.: Der BVK hat mittlerweile Check 24 wegen unlautererem Wettbewerb verklagt.

Der Artikel stammt aus der neuen Ausgabe des GDV-Verbandsmagazins POSITIONEN, die am 10. September erscheint.