16.09.2015
Welt-Alzheimertag 21. September

Warum Haftpflichtschutz für Demenzkranke unverzichtbar ist

Menschen mit Demenz verlieren nach und nach ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Die Folgen ihres Handelns nehmen sie mit fortschreitender Erkrankung kaum noch wahr – gleichwohl können Demenzkranke für selbst verursachte Schäden haftbar gemacht werden. Deshalb ist auch für sie eine Privathaftpflichtversicherung unverzichtbar. Von Karsten Röbisch

Menschen, deren Erinnerungs- und Denkvermögen eingeschränkt ist, können ebenfalls für verursachte Schäden haftbar gemacht werden. „Eine Demenz führt nicht automatisch zur Deliktsunfähigkeit“, sagt Peter Graß, Experte für Haftpflichtversicherungen beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dies hänge stets von der Schwere der Erkrankung ab und müsse im Einzelfall geprüft werden.

Mit einer Privathaftpflichtversicherung müssen sich Erkrankte oder ihre Angehörigen über die Frage der Deliktsfähigkeit keine Gedanken machen. Denn im Schadenfall prüft der Versicherer, ob überhaupt ein rechtlicher Anspruch auf Schadenersatz besteht. „Ist der Demenzkranke deliktsunfähig, hilft der Versicherer dabei, unberechtigte Ansprüche abzuwehren“, erklärt Graß. So beauftragt er beispielsweise Gutachten und übernimmt die Kosten eines Rechtstreits. Ist der Versicherte deliktsfähig, zahlt die Versicherung den Schaden.

Demenz: Auf dem Weg zur Volkskrankheit

Die Zahl der geistigen Erkrankungen wie Alzheimer nimmt stetig zu. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland derzeit rund 1,5 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Bis 2050 wird die Zahl der Betroffenen auf rund 3 Millionen steigen. Das liegt vor allem an der längeren Lebenserwartung, denn insbesondere Ältere leiden häufiger unter Erkrankungen des Gehirns. Seit 1994 finden immer am 21. September in aller Welt vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen.

Kunde muss Versicherer nicht über Diagnose Demenz informieren

Der Versicherer leistet auch unabhängig davon, ob er zuvor vom Kunden oder dessen Angehörigen über die Diagnose Demenz unterrichtet worden ist. „Es besteht keine Pflicht, die Krankheit dem Versicherer zu melden“, betont Graß. Eine einsetzende Demenz stelle keine sogenannte nachträgliche Gefahrenerhöhung dar, die sich auf den Versicherungsschutz auswirkt. Der Kunde müsse auch keine Beitragserhöhung oder Kündigung seines Vertrages befürchten, so Graß.

Um im Schadenfall Streit mit Nachbarn oder Konflikte im Pflegeheim zu vermeiden, kann es sinnvoll sein, eine Privathaftpflichtversicherung mit einer sogenannten Deliktsunfähigkeitsklausel abzuschließen. Der Versicherer übernimmt dann auch die Schäden, die deliktsunfähige Demenzkranke verursacht haben. „Wenn Versicherer solche Klauseln anbieten, können Vorerkrankungen schon eine Rolle spielen“, sagt Graß. Der Kunde muss dann vor Vertragsabschluss – allerdings nur auf Nachfrage des Versicherers – beispielsweise angeben, ob es innerhalb der Familie bereits Fälle von Demenz gibt.