14.09.2015
IUMI-Konferenz 2015

Transportversicherer profitieren 2014 von geringen Schadenquoten

Der Verband der internationalen Transportversicherer hat eine positive Bilanz für das vergangene Jahr gezogen. Aktuell belastet allerdings die schwache Konjunktur in Schwellenländern das Geschäft. Zudem gilt das Unglück in der chinesischen Hafenstadt Tianjin bereits jetzt als einer der größten Einzelschäden, den die Branche je zu regulieren hatte. Von Karsten Röbisch

Zwar ging 2014 das weltweite Prämienaufkommen in den maritimen Versicherungssparten um 3,2 Prozent auf 32,6 Milliarden Dollar zurück. Dies lag jedoch vor allem an der Stärke des US-Dollar, der gegen viele Währungen weltweit aufgewertet hat. „Der starke Dollar verdeckt das Wachstum in vielen Regionen“, sagte Astrid Seltmann, Mitglied im Statistikkomitee der International Union of Marine Insurance (IUMI), zur Eröffnung der Konferenz am Montag.

Mit einem Anteil von etwas mehr als der Hälfte entfällt das größte Prämienvolumen auf die Warentransportversicherung. Unbereinigt von Wechselkurseffekten sanken die Prämien in der Sparte um 7,1 Prozent auf knapp 17 Milliarden Dollar. In der Seekaskoversicherung, die knapp ein Viertel des Marktes ausmacht, sanken die Prämien um knapp sechs Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar. Der Rest des Geschäfts verteilt sich auf die Absicherung von Förderplattformen und Haftpflichtversicherungen von Seeschiffen.

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Schadenquoten liegen unter 70 Prozent
Die Transportversicherer profitierten 2014 im Vergleich zu den Vorjahren insbesondere von ausbleibenden Großschäden. In der Warentransportversicherung lag das Verhältnis der Prämien zu Schäden (Schadenquote ohne Kosten) erstmals seit 2011 wieder bei unter 70 Prozent. Ein Wert von unter 70 Prozent deutet darauf hin, dass die Sparte insgesamt profitabel ist. Auch in der Seekaskoversicherung lag die Schadenquote unter der Marke von 70 Prozent. „Wir hatten 2014 einen außergewöhnlichen Rückgang von Großschäden“, sagte Seltmann.

Sie warnte jedoch davor, die Ergebnisse als „neue Normalität“ anzusehen. Der positive Trend in der Warentransportversicherung dürfte durch das Unglück in der chinesischen Hafenstadt Tianjin wieder unterbrochen worden sein. Eine Serie von Explosionen hatte dort im August weite Teile des Hafens zerstört und viele gelagerte Container samt Ladung und mindestens 17.000 Neuwagen vernichtet. Das Unglück gilt bereits jetzt als einer der größten Einzelschäden in der Warentransportversicherung. Auch in der Seekaskoversicherung gingen die Schadenmeldungen in diesem Jahr wieder nach oben, so Seltmann.

Neue Risiken in der Transportversicherung
Neben den Schadenereignissen beeinflusst vor allem die künftige wirtschaftliche Entwicklung das Transportversicherungsgeschäft. Auch hier haben sich die Vorzeichen verschlechtert. Die robuste Konjunktur in Industriestaaten wie Deutschland und den USA stützt zwar die Branche, gleichzeitig wirkt sich die Schwäche in den Schwellenländer wie China negativ auf das Prämienaufkommen aus. „Das ist eine völlig neue Situation“, sagte Patrizia Kern, Vorsitzende des IUMI-Statistikkomitees. Zudem sei der Welthandel zuletzt weniger stark gestiegen als die Weltwirtschaftsleistung.

Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geht es auf der Konferenz auch um neue Risiken in der Transportversicherung. Dazu zählt vor allem die höhere Gefahr von Kumul- und Großschäden. Die Explosion in Tianjin hat auf dramatische Weise gezeigt, welche Warenwerte ein einzelnes Unglück in einem Hafen vernichten kann. Ähnliches gilt für den Transport auf See, wo immer größere Containerschiffe zum Einsatz kommen. Zwar sind Schiffshavarien in den vergangenen Jahren seltener geworden. Wenn jedoch ein Schaden eintritt, so sind die finanziellen Folgen schwerwiegender als früher.

Zu den neuen Gefahren zählen nach Ansicht von Tor Svensen von der Klassifizierungsgesellschaft DNV GL auch Cyberattacken als Folge der zunehmenden Vernetzung im Schiffsverkehr. Computergesteuerte Schiffe könnten zwar für mehr Sicherheit sorgen, da noch immer mehr als die Hälfte der Schiffsunglücke auf Navigationsfehler zurückgeht. Die elektronischen Systeme müssten jedoch ausreichend vor Hackern geschützt werden, so Svensen. Auch müsse sichergestellt sein, dass die Software fehlerfrei arbeitet. Das Risiko von Softwarefehlern stuft Svenson gar größer ein als das von Cyberattacken.