05.08.2015
Reform der Riester-Rente

Warum die Altersvorsorge der Skandinavier keine Alternative für Deutschland ist

Die Riester-Rente ist trotz ihrer Erfolge nicht unumstritten. Ist der Staat der bessere Anbieter von kapitalgedeckter Altersvorsorge und lassen sich ausländische Modelle kopieren? Der aktuelle „trendbrief altersvorsorge“ geht dieser Frage nach – und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis.

Die Riester-Rente hat sich gerade im Zinstief als tragende Säule der privaten Altersvorsorge erwiesen. So ist zum Jahresende 2014 die Zahl der Riester-Versicherungsverträge auf annähernd 10,85 Millionen gestiegen. Der GDV-Statistik zufolge schlossen die Sparer allein im Jahr 2014 rund 463.700 neue Riester-Versicherungsverträge ab – das waren fast 2,4 Prozent mehr als im Jahr 2013.

Dennoch ist die staatlich geförderte Riester-Rente nicht unumstritten: Die private Vorsorge in Deutschland sei zu kompliziert, mit hohen Kosten verbunden und habe sich in der Bevölkerung nicht breit genug durchgesetzt, um das Rentenproblem tatsächlich zu lösen, monieren Kritiker. Als Alternative zu einer Weiterentwicklung der Riester-Rente, wie sie die deutsche Versicherungswirtschaft fordert, werden auch ein staatliches Vorsorgekonto oder staatliche Vorsorgefonds diskutiert, wie es sie zum Beispiel in Norwegen und Schweden gibt.

Die Pensionsfonds in diesen Ländern weisen tatsächlich Vorteile auf, allerdings nur auf den ersten Blick. Sie fußen nämlich auf nationalen Besonderheiten, die sich nicht ohne weiteres auf Deutschland übertragen lassen. Solche Modelle würden die Altersvorsorge in Deutschland daher nicht verbessern, zumal Deutschland über ein historisch gewachsenes Rentensystem verfügt. Für diese Haltung gibt es gute Gründe.

trendbrief altersvorsorge

Mehr zum Thema private Vorsorge finden Sie auch im aktuellen „trendbrief altersvorsorge“. Dieser erscheint fortlaufend mehrmals im Jahr und richtet sich an Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, Gewerkschaften, Medien und die interessierte Öffentlichkeit. Die Versicherungswirtschaft in Deutschland will damit einen Beitrag zum gesellschaftspolitischen Dialog rund um die Themen Demografie und Alterssicherung leisten.
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Nationale Besonderheiten in Norwegen und Schweden

So verdankt der Norwegische Staatsfonds seine große Bedeutung dem Nordseeöl. Denn der Fonds wird gespeist aus den Überschüssen der norwegischen Ölindustrie. Deutschland verfügt aber nicht annähernd über vergleichbare Rohstoffe und Einnahmequellen. Damit ist ein Vergleich mit Deutschland nicht möglich.

Auch in Schweden gibt es nationale Besonderheiten. Seit 1998 existiert in Schweden ein Mischsystem der staatlichen Alterssicherung, bestehend aus einer umlagefinanzierten, einkommensbezogenen Altersrente und einer kapitalgedeckten Prämienrente. Diese kapitalgedeckte Prämienrente, die so genannte „Premiepension“, ist obligatorisch, das heißt eine Pflichtversicherung. Versicherte können sich nicht frei für oder gegen einen Vertragsabschluss entscheiden. Auch die Beitragshöhe ist festgelegt. Mit ihren rund 850 Fonds, von denen jeder erwerbstätige Schwede bis zu fünf miteinander kombinieren kann, ist die Premiepension komplexer als die deutsche Riester-Rente. Der geringe Beitragssatz von 2,5 Prozent führt nur zu verhältnismäßig geringen Ergänzungsleistungen für die Rentner. Anders als die Riester-Rente wird sie nicht staatlich gefördert und es gibt keine besondere Unterstützung für Geringverdiener oder Familien. Das Kapitalmarktrisiko trägt zudem der Versicherte – in voller Höhe. Negative Entwicklungen an den Kapitalmärkten schlagen voll auf die Höhe der Renten durch, eine garantierte Mindestleistung – wie bei der Riester-Rente – existiert nicht.

Kapitaldeckung in staatlicher Hand ist Risiken ausgesetzt

Die staatlich organisierten Lösungen beispielsweise in Schweden weisen durchaus niedrige Kosten auf. So kann sich der staatliche AP7-Aktienfonds aufgrund des Obligatoriums mit einer jährlichen Kostenquote von nur 0,12 Prozent des Fondsvermögens; der AP7-Rentenfonds sogar nur mit 0,05 Prozent begnügen. Vorbildlich sind die Informationsmöglichkeiten in Schweden: In einem jährlichen Schreiben werden sowohl die Anwartschaften aus der umlagefinanzierten, einkommensbezogenen staatlichen Rente aufgeführt, als auch die erworbenen Ansprüche aus der Premiepension. Die Informationen können zudem online über eine Plattform abgerufen werden, die zusätzlich noch Daten zur betrieblichen Altersversorgung bereitstellt.

Die kapitalgedeckte Vorsorge in staatlicher Hand ist aber auch erheblichen Risiken ausgesetzt. In Krisenzeiten können die Mittel leicht zweckentfremdet werden, wie dies in Irland und Spanien geschehen ist. In beiden Ländern wurden staatliche Reservefonds der Sozialversicherung dazu missbraucht, um die Folgen der Finanzmarktkrise zu bewältigen. Die Gleichung „staatliche Vorsorge = sichere Vorsorge“ geht somit häufig nicht auf.