26.08.2015
Unfallforschung der Versicherer (UDV)

Geschwindigkeitsmoral in Köln nicht so gut wie in Berlin

Die meisten Kölner Autofahrer halten sich bei erlaubten 50 km/h an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Eine nicht unerhebliche Minderheit fährt allerdings deutlich zu schnell und gefährdet dadurch die Sicherheit vor allem der schwächeren Verkehrsteilnehmer. Je geringer das Tempolimit, desto mehr Überschreitungen gibt es. Das hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) bei umfangreichen Geschwindigkeitsmessungen in Köln herausgefunden.

Dabei wurden an 54 Straßenabschnitten mit verschiedenen Tempolimits in ganz Köln rund 371.000 Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Im Vergleich zu Berlin, wo 2014 gemessen wurde, schneidet Köln deutlich schlechter ab.

Die Geschwindigkeitsmessungen wurden ausschließlich zu Forschungszwecken anonym durchgeführt, die Messergebnisse dann mit dem Bußgeldkatalog korreliert. Für die Kölner Messreihe wären somit 1.167.215 Euro Bußgeld, 2.520 „Flensburg-Punkte“ und 481 Monate Fahrverbot fällig gewesen. Das ist deutlich mehr als in Berlin, obwohl in Köln deutlich weniger Fahrzeuge gemessen wurden.

Jedes achte Fahrzeug zu schnell

Auf den Straßen, auf denen 50 km/h erlaubt war, fuhren in Köln rund 12 Prozent der Fahrzeuge, also jedes achte, schneller als 55 km/h (Berlin: rund 4 Prozent). Gleichzeitig gab es mehr als 15.800 Fahrzeuge mit über 60 km/h (Berlin: 6.700). 670 Raser waren mit mehr als 80 km/h unterwegs – im Schnitt allein an den Messstellen alle 2 Minuten einer (Berlin 126, alle 12 Minuten einer).

Noch häufiger sind in Köln die Überschreitungen auf Tempo 30 Strecken: Mehr als jeder vierte (27 Prozent) fährt dort schneller als 35. In Berlin war es jeder sechste (17 Prozent). Spitzentempo in Köln bei erlaubtem Tempo 30: 138 km/h.

Schrittgeschwindigkeit wurde am wenigsten eingehalten

Nur in den Tempo-30-Zonen liegt in Köln der Wert der Tempo-überschreitungen von 5 km/h und mehr mit 22 Prozent etwa gleichauf mit dem in Berlin (25 Prozent). Am wenigsten eingehalten werden Tempo 10 beziehungsweise die Schrittgeschwindigkeit in verkehrsberuhigten Bereichen. Hier liegt die Überschreitungsquote in Köln bei rund 62 bzw. 65 Prozent, in Berlin bei 80 bzw. 63 Prozent. Was bei den Messungen auch festgestellt wurde: Freifahrende Fahrzeuge fahren häufiger höhere Geschwindigkeiten, Pulks bremsen offenbar das Geschwindigkeitsniveau, da Überholen oft nicht möglich ist. Das ist auch ein Grund, warum nachts tendenziell höhere Geschwindigkeiten gemessen wurden: Es gibt nachts einfach viel weniger Verkehr, was manche Autofahrer dann zum Schnellfahren verleitet.

„Je mehr Fahrzeuge sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, umso schwerer haben es die Schnellfahrer“, so der Leiter der UDV, Siegfried Brockmann. „Diejenigen, die vorschriftsmäßig unterwegs sind, tragen so zu mehr Verkehrssicherheit bei und sollten sich auf keinen Fall durch Drängler zu schnellerem Fahren verleiten lassen.“

Ergebnisse der Untersuchung:

  • Die Mehrheit der Autofahrer und -fahrerinnen hält die „normale“ Stadtgeschwindigkeit von 50 km/h ein.
  • Je geringer die erlaubte Höchstgeschwindigkeit, desto häufiger sind die Geschwindigkeitsübertretungen.
  • Bei deutlichen Geschwindigkeitsüberschreitungen sollten Bußgelder überproportional erhöht werden.
  • Die Pflicht zur Anpassung der Geschwindigkeit an die örtlichen Gegebenheiten (§ 3 StVO) muss besser kommuniziert werden, denn die (auch strafrechtlich) „richtige“ bzw. „sichere“ Geschwindigkeit kann auch unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit liegen.

Ansprechpartner für Presseanfragen:

Siegfried Brockmann
030/2020-5820
s.brockmann@gdv.de

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UDV-Pressemitteilung

„Geschwindigkeitsmoral“ in Köln nicht so gut wie in Berlin

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