07.07.2015
Infrastrukturinvestitionen

Vorschläge der EIOPA gehen nicht weit genug

Die europäische Versicherungsaufsicht hat eine Lockerung der künftigen Eigenmittelanforderungen für Infrastrukturinvestments vorgeschlagen. Die deutsche Versicherungswirtschaft begrüßt den Vorstoß, die Anregungen gehen jedoch nicht weit genug.

Die Empfehlungen der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA zur künftigen Eigenmittelunterlegung von Infrastrukturinvestments stoßen beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf ein geteiltes Echo. „Es ist gut, dass die EIOPA der Diskussion über eine risikogerechtere Kapitalunterlegung neue Impulse gibt. Allerdings bleiben die Vorschläge hinter unseren Erwartungen zurück“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Axel Wehling.

EIOPA war Anfang des Jahres von der Europäischen Kommission gebeten worden, Vorschläge für eine neue Eigenmittelunterlegung von Infrastrukturinvestments unter dem neuen Aufsichtssystem Solvency II zu erarbeiten. Die EU-Kommission will damit mehr privates Kapital für Infrastrukturinvestments mobilisieren. In ihrem in der Vorwoche veröffentlichten Konsultationspapier ordnet die EIOPA Infrastrukturinvestitionen weiterhin den Aktienrisiken zu. Sie schlägt jedoch eine Eigenmittelunterlegung von 30 bis 39 Prozent vor, statt wie bislang geplant von bis zu 59 Prozent.

GDV fordert Eigenmittelquote von 20 bis 25 Prozent

Aus Sicht des GDV gehen die Empfehlungen nicht weit genug. Sinnvoller wäre eine separate Risikoklasse für Infrastrukturanlagen unter Solvency II. „Die Vermengung von Infrastruktur und Aktien ist angesichts der geringen Korrelation zwischen beiden Anlageklassen nicht gerechtfertigt“, so Wehling. Die vorgeschlagene Eigenmittelquote hält er für zu hoch. „Angemessen wären 20 bis 25 Prozent.“ Auch die von der EIOPA angeregten Stresstests für einzelne Projekte lehnt der GDV-Hauptgeschäftsführer ab: „Investitionen dürfen nicht durch zusätzliche Auflagen erschwert werden.“

Für die deutsche Versicherungsbranche ist Infrastruktur eine interessante Anlageklasse. Die Investitionszyklen von 20, 30 und mehr Jahren passen gut zu ihrem langfristig ausgerichteten Geschäftsmodell. Zugleich bieten die Anlagen sichere, planbare und stetige Rückflüsse. Derzeit haben die deutschen Versicherer rund sechs Milliarden Euro in Infrastrukturprojekte investiert. Unter geeigneten Rahmenbedingungen könnte der Anteil auf ein bis zwei Prozent der Gesamtanlagen steigen, das wären 13 bis 26 Milliarden Euro. Bislang stehen die hohen Eigenmittelanforderungen unter Solvency II jedoch einem deutlich stärkeren Engagement im Weg.

Solvency II tritt Anfang 2016 in Kraft – vorerst wohl ohne neue Kapitalvorgaben für Infrastruktur

Das neue Aufsichtssystem für Versicherer tritt Anfang 2016 in Kraft. Wichtige Details, wie beispielsweise die Eigenmittelanforderungen für verschiedene Anlageklassen, sind in der Rechtsverordnung („Delegated Act“) der EU-Kommission festgelegt, die Anfang 2015 verabschiedet wurde. Schon kurz darauf kündigte die EU-Kommission jedoch eine Überprüfung ihrer Eigenkapitalvorgaben für Infrastrukturinvestments an und beauftragte die EIOPA mit einem Konsultationspapier.

Bis Anfang August haben Unternehmen und Verbände nun die Möglichkeit, die Vorschläge von EIOPA zu kommentieren. Bis September will die Aufsichtsbehörde ihre abschließenden Empfehlungen an die EU-Kommission übergeben. Nach einer Änderung der delegierten Rechtsakte erhalten noch das Europäische Parlament und der Rat die Gelegenheit, Widerspruch gegen die Vorschläge der EU-Kommission einzulegen. Mit einer Anpassung der Rechtsverordnung ist nach Einschätzung des GDV daher nicht vor Sommer 2016 zu rechnen.

Text: Karsten Röbisch

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