18.07.2015
Titelgeschichte Der Spiegel

Versicherer erstatten Schäden zügig und stehen für einen fairen Interessenausgleich

„Versicherungsunternehmen sind im Schadenfall zuverlässige Partner und haben ein unmittelbares Interesse an einer unkomplizierten Schadenbearbeitung”, das sagt Jörg von Fürstenwerth, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), als Reaktion auf die aktuelle Berichterstattung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel”. Auf dieser Seite lesen Sie das vollständige Statement und die wichtigsten Fakten zur Schadenregulierung der Versicherer.

Sechs Fakten zur Schadenregulierung

Zahlen und Fakten der Versicherungsbranche bestätigen, dass das Konfliktpotenzial zwischen Versicherern und ihren Kunden geringer ist, als es teilweise in den Medien dargestellt wird:

  • Versicherer leisten Milliarden

  • Mit einem Volumen von rund 50 Milliarden Euro in der Schaden- und Unfallversicherung und gut 79 Milliarden Euro (2013) in der Lebensversicherung erbringen die deutschen Versicherer jährlich konkrete Leistungen in beträchtlichem Umfang für ihre Kunden. Es liegen keinerlei Indizien für einen systematischen Missstand bei der Schadenregulierung vor.

    Ein Beispiel: Die letzte große Flut an Elbe und Donau im Jahr 2013 wurde von intensiven Regenfällen ausgelöst. 85 Prozent der Schäden entstanden weit entfernt klassischer Überflutungsgebiete. Viele Immobilienbesitzer waren aber versichert. Versicherer haben zügig reagiert – und reguliert: Für rund 140.000 Schäden sind rund 1,8 Milliarden Euro an die Kunden geleistet worden. In einer Forsa-Erhebung gaben damals 80 Prozent der befragten Kunden an, dass sich ihr Versicherer innerhalb von wenigen Tagen um den Schaden gekümmert hat. Bei zwei Dritteln der Befragten hatte der Versicherer die Schäden bereits vollständig oder teilweise erstattet.

  • Geringes Beschwerde- und Prozessaufkommen

  • Konflikte zwischen Kunde bzw. Geschädigtem und Versicherer sind die Ausnahme. Im Schnitt landen nur 0,6 Prozent (Schaden- und Unfallversicherung) bzw. 2 Prozent (Berufsunfähigkeitsversicherung) der Versicherungsfälle vor Gericht. Davon werden rund 30 Prozent (Schaden- und Unfallversicherung) bzw. 50 Prozent (Berufsunfähigkeitsversicherung) durch Vergleich beigelegt. Nur in 22 Prozent (Schaden- und Unfallversicherung) bzw. 15 Prozent (Berufsunfähigkeitsversicherung) der Urteile wurde von den Gerichten entgegen der Leistungsentscheidung der Versicherer entschieden (Zahlen aus 2013).

    STATEMENT

    Jörg von Fürstenwerth,
    Hauptgeschäftsführer des GDVs

    „Versicherer sind im Schadenfall zuverlässige Partner. Sie haben ein unmittelbares Interesse an einer unkomplizierten Schadenbearbeitung, denn daran bemisst sich das Vertrauen ihrer Kunden. Um dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen obliegt ihnen allerdings eine Sorgfaltspflicht, berechtigte von unberechtigten Ansprüchen zu trennen. Die Prozess- und Beschwerdequoten sind dennoch seit Jahren sehr gering.

    Die erhobenen Zahlen und Fakten der Branche zeigen, dass das Konfliktpotenzial zwischen Kunden und ihren Versicherern deutlich geringer ist, als es teilweise öffentlich dargestellt wird. Versicherer verzögern nicht und finden auch in strittigen Fällen fast immer Wege, die den Belangen aller Beteiligten gerecht werden. Die Zahlen und die Erfahrungen der Aufsichtsbehörden liefern keine Indizien für einen systematischen Missstand.”

  • Keine Anhaltspunkte für Verzögerung

  • Das Bundesministerium der Justiz (BMJ) hatte 2013 die Landesjustizverwaltungen sowie mehrere Verbände um eine Einschätzung zur aktuellen Regulierungspraxis der Versicherer gebeten. Fragen, ob zum Beispiel das „kritisierte Regulierungsverhalten“ zugenommen habe, beantwortete die Justiz der Länder klar und eindeutig: Die Landesjustizverwaltungen könnten die erhobenen Vorwürfe „ganz überwiegend“ nicht bestätigen. Das heißt: „Keine Zunahme eines zögerlichen Regulierungsverhaltens beziehungsweise keine Zermürbungsversuche“. Zudem sei das geltende Recht ausreichend, um eventuelle Verzögerungstaktiken zu unterbinden oder zu sanktionieren.

    Auch der Ombudsmann für das Versicherungswesen sieht keinerlei Anzeichen für eine systematische Verzögerung der Regulierung. So ist die Zahl aller zulässigen Eingaben im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr beim Ombudsmann etwa konstant geblieben. Ohnehin bewegen sich die Beschwerdequoten auf äußerst niedrigem Niveau.

    Eine Umfrage des Deutschen Anwaltvereins (DAV) unter seinen eigenen Mitglieder, wonach sich das Regulierungsverhalten von Versicherern verschlechtert habe, greift zu kurz. Es gibt keine Hinweise auf einen Anstieg juristisch anfechtbarer Regulierungspraktiken der Versicherer.

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  • Zur Sorgfalt verpflichtet

  • Die Gesamtheit der Versicherten trägt mit ihren Beitragszahlungen jeden Schaden, daher sind Versicherer in der Pflicht sorgfältig zu prüfen. Nur so können im Einzelfall berechtigte Ansprüche von unberechtigten Forderungen unterschieden und Prämienerhöhungen vermieden werden. Das betont das Justizministerium in seinem Schreiben aus 2013 zur Schadenregulierung der Versicherer. Bei Haftpflichtschäden ist der Versicherer sogar gesetzlich verpflichtet, unberechtigte Ansprüche abzuwehren, um seinen Kunden zu schützen.

  • Zügige Leistungserbringung

  • Sachschäden werden dagegen in der Regel sehr kurzfristig reguliert. Wenn Personen zu Schaden gekommen sind, erstreckt sich die Regulierung naturgemäß über einen längeren Zeitraum: Denn die Höhe der Leistungen hängt maßgeblich vom individuellen Heilungsverlauf ab und kann nicht von vornherein abschließend prognostiziert werden.

  • Rechtsrahmen hat sich bewährt

  • Die Branchenzahlen belegen vielmehr, dass die derzeitige Regulierungspraxis den Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht wird.

Mehr zum Thema:
>> Umfrage Justizministerium: Versicherer regulieren Schäden ohne unnötige Zeitverzögerung und im Interesse der Beteiligten
>> DAV-Umfrage zur Schadenregulierung: Die Ergebnisse auf dem Prüfstand