12.06.2015
Neue Auto-Technik

Vom assistierten zum autonomen Fahren

Assistiert, automatisiert, autonom: Wenn es um die technische Zukunft des Autofahrens geht, fallen recht schnell viele Fachausdrücke. Wir klären die wichtigsten Begriffe und zeigen, wo die Reise künftig hingehen wird.

1. Fahrassistenzsysteme

Bereits heute unterstützen den Fahrer unterschiedliche Systeme, wie etwa beim Einparken. Voraussetzung hierfür ist, das der Fahrer dauerhaft das System überwacht und jederzeit eingreifen kann.

2. Teilautomatisiertes Fahren

Durch das Zusammenwirken von Fahrassistenzsystemen kann das Auto teilweise die Kontrolle übernehmen. Derzeit ist das teilautomatisierte Fahren aber nur in einfachen Verkehrssituationen möglich, zum Beispiel auf der Autobahn oder bei Stop-and-Go. Prototypen solcher Systeme wurden bereits entwickelt, in den kommenden Jahren sollen sie in Serie gehen.

3. Hochautomatisiertes Fahren

Beim hochautomatisierten Fahren übernimmt das Auto die Kontrolle mit gewissen Einschränkungen:

  • nur in einem gewissen Zeitraum
  • nur in spezifischen Situation
  • bis zu bestimmten Geschwindigkeiten

Entscheidend dabei ist, dass der Fahrer nicht mehr dauerhaft das System überwachen muss – der grundlegende Unterschied zum teilautomatisierten Fahren. Ändert sich beispielsweise die Verkehrssituation, fordert das System den Fahrer auf, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Das hochautomatisierte Fahren soll bis 2020 marktreif werden.

4. Autonomes Fahren

Dabei übernimmt das Fahrzeug die vollständige Kontrolle in allen Situationen und bei jeder Geschwindigkeit. Der Mensch muss das System nicht mehr überwachen. Experten rechnen mit der Einführung von vollautomatisierten Autos frühestens ab 2025 oder später.

Wo die Reise technisch hingeht – eine Zukunftsvision

Die Automobilbranche arbeitet mit Hochdruck an der Automatisierung von Fahrzeugen. Fahrassistenten wie Spurhaltesysteme und Einparkhilfen erleichtern schon heute das Fahren. Doch die Hersteller wollen noch weiter gehen.

2015

Derzeit befinden sich die meisten Autos auf Deutschlands Straßen in der ersten von vier Automatisierungsstufen: Der Fahrer fährt selbständig, wird aber durch ABS beim Bremsen oder durch Abstandssensoren beim Einparken unterstützt. Neuwagen der Oberklasse sind heute schon eine Stufe weiter: Ihr teilautomatisiertes Fahrzeug hält beispielsweise auf einer Autobahn von sich aus den nötigen Sicherheitsabstand zum Vordermann. Bremst dieser, so verringert ihr Fahrzeug seine Geschwindigkeit ebenfalls, ohne dass der Fahrer überhaupt eingreifen muss.

2020

Auf Autobahnen lenken, bremsen und überholen diese Fahrzeuge selbstständig. Nur wenn das System eine Situation nicht sicher beherrscht, fordert es den Fahrer auf, wieder selbst die Kontrolle zu übernehmen. Derart hochautomatisiertes Fahren wollen die Hersteller zumindest in Wagen der Oberklasse bis 2020 als Stufe 3 einführen. Noch allerdings haben die Sensoren, Radare und Stereokameras, die die Umgebung des Autos ständig erfassen und dadurch die eigene Position und die der anderen Wagen anzeigen, Probleme mit komplexen Situationen wie dem unübersichtlichen Stadtverkehr – nicht zuletzt, weil hier auch Fußgänger und Radfahrer im Auge behalten werden müssen.

2030

Bis sich ein Fahrzeug wirklich voll automatisiert durch den Straßenverkehr bewegt, dürfte es noch zehn bis fünfzehn Jahre dauern. Von solchen Autos versprechen sich die Hersteller mehr Sicherheit, da Menschen etwa bei Stress unüberlegt, Maschinen aber rational reagieren. „Wie weit Fahren dadurch wirklich sicherer wird, kann man jetzt noch nicht absehen“, betont Christoph Lüer, Bereichsleiter Product Management Motor bei der, Zurich Gruppe, „denn auch Technik kann versagen.“ Zudem könnten solche Systeme unter Umständen gehackt werden und Autos per Fernsteuerung entführt werden.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, gibt zu bedenken, dass ein Pkw-Fahrer schon heute nur noch alle drei Millionen Kilometer einen Unfall mit Personenschaden verursacht. Seine Forderung: „Neue Systeme dürfen nur dann für den Straßenverkehr zugelassen werden, wenn sie nachweislich mindestens so sicher sind wie der Mensch.“