30.06.2015
Versicherungsvertrieb

Verhaltenskodex: Marktabdeckung fast 90 Prozent

Vor zwei Jahren trat der verschärfte Verhaltenskodex für den Vertrieb in Kraft. Inzwischen hat die überwiegende Mehrheit der Versicherungsunternehmen die freiwilligen Verhaltensregeln angenommen. Die Teilnahme übertrifft sogar die Erwartungen.

Zwei Jahre nach seinem Start hat sich der verschärfte Verhaltenskodex für den Vertrieb im Markt fest etabliert. Per Ende Juni hatten 227 Versicherungsunternehmen die freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet. Gemessen an den Beitragseinnahmen der relevanten Unternehmen entspricht dies einer Beteiligung von 87,8 Prozent.

Damit stößt der Kodex in der Branche auf einen größeren Zuspruch als erwartet. GDV-Präsident Alexander Erdland hatte zum Start Mitte 2013 eine Marktabdeckung von 80 Prozent als Ziel ausgegeben, damit das Regelwerk eine möglichst große Wirkung in der Praxis entfaltet. „Die hohe Akzeptanz zeigt, dass die Werte des Kodex für die Unternehmen eine wichtige Rolle spielen“, sagt Erdland. „Ich bin überzeugt, dass in Zukunft noch weitere Versicherer dem Kodex beitreten werden.“

ZUR PERSON

Dr. Alexander Erdland
Präsident Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)

„Die Initiative ‚gut beraten‘ trägt maßgeblich zur Professionalisierung in der Versicherungsvermittlung bei. Sie spielt zugleich eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Verhaltenskodex“.

Die GDV-Mitglieder hatten Ende 2012 eine Verschärfung des 2010 eingeführten Verhaltenskodex beschlossen, dessen schwache Verbindlichkeit Kritiker bemängelt hatten. Das neue Regelwerk trat im Juli 2013 in Kraft und enthält als wichtigste Änderung eine externe Kontrolle durch Wirtschaftsprüfer. Diese kontrollieren, ob ein Unternehmen die Kodex-Vorgaben in seinen betrieblichen Abläufen umsetzt und macht die Ergebnisse in einem Prüfungsbericht transparent. Die ersten wurden bereits im April dieses Jahres veröffentlicht.

Weiterbildung als Kernelement des Verhaltenskodex

Ein wesentliches Ziel des Kodex ist die Sicherstellung der Beratungsqualität. So verpflichten sich die beigetretenen Unternehmen, nur mit Vermittlern zusammenzuarbeiten, die sich regelmäßig weiterbilden und dies auch nachweisen. Eine Möglichkeit, diesen Nachweis zu erbringen, bietet die Brancheninitiative „gut beraten“. Gut ein Jahr nach ihrem Start zeigt sich, dass dieses Angebot sehr stark angenommen wird. „Die Initiative ‚gut beraten‘ trägt maßgeblich zur Professionalisierung in der Versicherungsvermittlung bei. Sie spielt zugleich eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Verhaltenskodex“, sagt Erdland.

Gut zu wissen

„gut beraten“ ist eine freiwillige Initiative der Verbände der Versicherungswirtschaft und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Bundesfachgruppe Versicherungen, zur Förderung der Professionalisierung in der Versicherungsvermittlung.

Ziel der Brancheninitiative zur Weiterbildung ist es sicherzustellen, dass die Vermittler nicht nur gut ausgebildet sind, sondern sich auch kontinuierlich weiterbilden. Dabei steht die Entwicklung der persönlichen und fachlichen Beratungskompetenz des Vermittlers im Zentrum.

Ein Versicherungsvermittler, der bei „gut beraten“ ein Weiterbildungskonto einrichtet, setzt sich zum Ziel, im Zeitraum von fünf Jahren 200 sogenannte Weiterbildungspunkte sammeln. Ein Weiterbildungspunkt entspricht einer Lernzeit von 45 Minuten. Weiterbildungspunkte können erworben werden mit qualifizierten Bildungsangeboten, die auf den Erhalt oder die Weiterentwicklung der Fach- und Beratungskompetenz des Versicherungsvermittlers abzielen.

In einer Weiterbildungs-Datenbank werden die Aktivitäten der teilnehmenden Vermittler dokumentiert. Werden 200 Weiterbildungspunkte im Zeitraum von fünf Jahren erreicht, erhält der Teilnehmer ein Fünf-Jahres-Zertifikat. Nach jeweils einem Jahr und Vorliegen von 40 Weiterbildungspunkten kann der Vermittler sich ein Jahreszertifikat ausstellen lassen.