21.05.2015
Versicherungsombudsmann

Zahl der Beschwerden sinkt in der Lebensversicherung um 13,5 Prozent

Gute Nachrichten für Lebensversicherer und Vermittler. Der Eingang zulässiger Beschwerden gegen Lebensversicherer sank im letzten Jahr um 13,5 Prozent, die Zahl der Beschwerden gegenüber Versicherungsvermittlern um 2,5 Prozent. Das geht aus dem Bericht des Ombudsmanns für Versicherungen hervor, der heute in Berlin vorstellt wurde. Fragen zur aktuellen Jahresstatistik an Ombudsmann Professor Günter Hirsch.

Herr Prof. Hirsch, als Schlichter für die Versicherungsbranche haben Sie einen engen Kontakt zu den Problemen der Kunden. Wie hat sich das Beschwerdeverhalten der Menschen entwickelt?
Günter Hirsch: Mit 12.815 ist die Anzahl der zulässigen Beschwerden im Vergleich zum Vorjahr (12.614) in etwa gleich geblieben: Insgesamt sind die Beschwerden gegen Versicherungsvermittler um 2,5 Prozent weiter zurückgegangen; die gegen Versicherungsunternehmen sind leicht um 0,2 Prozent gestiegen.

Warum hat die Anzahl der Beschwerden im Vergleich zum Vorjahr denn insgesamt um 6,4 Prozent auf knapp 20.000 zugenommen?
Hirsch: Ein Grund dafür ist, dass der Anteil der unzulässigen Beschwerden im Vergleich zum Vorjahr um 15,8 Prozent auf knapp 6.400 gestiegen ist. Eine große Anzahl davon betraf Entscheidungen des BGH vom 28.10.2014, in denen es um Bearbeitungsentgelte für Verbraucherkredite ging. Bis Ende November 2014 lagen die Beschwerdeeingänge noch auf dem gleichen Niveau des Vorjahres, zogen dann aber aufgrund der vom BGH in den maßgeblichen Urteilen gesetzten Fristen im Dezember an. Viele dieser Beschwerden waren schon deshalb unzulässig, weil sie sich nicht gegen die Versicherungsbranche, sondern gegen Banken oder Bausparkassen richteten.

Wie verteilen sich die Beschwerden auf die verschiedenen Arten von Versicherungen?
Hirsch: Bemerkenswert ist die Entwicklung in der Lebensversicherung, der mit Abstand größten Sparte beim Ombudsmann. Hier setzte sich der rückläufige Trend der Jahre 2007 bis 2012 fort: Der Eingang zulässiger Beschwerden sank im Jahr 2014 um 13,5 Prozent auf 3738. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Rückgang um 14 Prozent auf 411 zulässige Eingaben im Vergleich zum Vorjahr sogar noch stärker ausgefallen.

Leicht gesunken sind auch die Eingänge in der Rechtsschutz- und Unfallversicherung. In der Rechtsschutzversicherung nahm die Anzahl zulässiger Eingaben von 2.138 auf 2.110 ab. Auffallend sind aber auch die im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegenen Beschwerden in der Gebäude- und Kfz-Kaskoversicherung. Ursache dafür sind u.a. die vermehrten Unwetterereignisse mit den entsprechenden Sturm- und Hagelschäden. Bei der Hausrat- und Haftpflichtversicherung gab es moderate Steigerungen.

Das leistet der Versicherungsombudsmann

Der Ombudsmann für Versicherungen ist eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle. Wer eine Meinungsverschiedenheit mit seinem Versicherungsunternehmen hat, kann sich an ihn wenden. Er überprüft neutral, schnell und unbürokratisch die Entscheidungen der Versicherer. Das Verfahren ist für Verbraucher kostenlos. Kurz und bündig:

  • Der Versicherungsombudsmann hilft bei Beschwerden bei fast allen Sparten der Versicherungsbranche. Nur die Krankenversicherungen sind ausgeschlossen, hier ist der Ombudsmann Private Kranken- und Pflegeversicherung zuständig.
  • Die Entscheidung des Ombudsmanns, egal wie sie ausfällt, muss nicht akzeptiert werden. Dem Kunden steht immer noch der Weg zu den Gerichten offen. Sofern der Ombudsmann die Beschwerde zu Gunsten des Kunden entscheidet, muss sich der Versicherer bis zu einem Betrag von 10.000 Euro daran halten.
  • Für die Dauer des Verfahrens verjähren etwaigen Ansprüche nicht.

Wie viele der Eingaben fielen im Ergebnis zugunsten der Beschwerdeführer aus?
Hirsch:Als erfolgreich sehen wir solche Verfahren an, die dem Versicherungsnehmer vollständig oder auch nur zum Teil den gewünschten rechtlichen oder wirtschaftlichen Vorteil bringen. In diesem Sinne hatten von den rund 12.000 Beschwerden gegen Unternehmen im vergangenen Jahr 42,1-Prozent Erfolg, sofern sie nicht die Lebensversicherung betrafen. Dies entspricht einem Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent.

Wie haben sich die Beschwerden in der Lebensversicherung entwickelt?
Hirsch:Beschwerden aus dem Bereich Lebensversicherung haben zwangsläufig vergleichsweise geringe Erfolgsaussichten, da sie sich oft gegen Standmitteilungen, die Höhe der Überschüsse oder gegen Ablaufleistungen richten. Diese sind zwar mitunter schwer verständlich, jedoch in der Regel weder hinsichtlich der Berechnung noch unter rechtlichen Aspekten zu beanstanden. Nachdem im Vorjahr vor allem aufgrund bestimmter Rechtsprechung mit 34 Prozent ein Höchststand erreicht wurde, sank der Wert im Jahr 2014 wieder auf 28,3 Prozent.

Zur Person

Professor Günter Hirsch
Versicherungsombudsmann

Günter Erhard Hirsch wurde am 30. Januar 1943 in Neuburg/Donau geboren. Seit 2008 ist der Jurist Versicherungsombudsmann. Zuvor war er acht Jahre Präsident des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe. Nach diversen Richterämtern im Freistaat Sachsen arbeitete Hirsch außerdem von 1994 -2000 als Richter am Gerichtshof der Europäischen Union.

Mehr zum Thema:
>> Der Ombudsmann – wenn es mal nicht rund läuft
>> Der Versicherungsombudsmann im Internet