07.05.2015
Politische Positionen 2015

Naturgefahren vorbeugen und versichern

Schadenregulierung ist Kernaufgabe der deutschen Versicherer. Das haben sie nach der Sommerflut 2013 eindrücklich unter Beweis gestellt. Auch wenn das vergangene Jahr glimpflich verlief: Klimastudien belegen, dass sich Deutschland in den kommenden Jahrzehnten auf immer heftigere Wetterextreme vorbereiten muss. Wie ein Vorbote dessen hat der Sturm „Niklas“ dies im Frühjahr dieses Jahres mit Windgeschwindigkeiten bis zu 140 Stundenkilometern bekräftigt.

Von besonderer Bedeutung ist deshalb die Risikoprävention. Diese Aufgabe der deutschen Versicherer, Schäden zu verhüten und Gefahren zu vermeiden, macht sie zu gefragten Partnern und Beratern der Vorsorge vor den Folgen des Klimawandels. Denn nur wer die Gefahren kennt, kann sich wirksam davor schützen. Nach Einschätzungen führender Klimaforscher werden die Schäden aus Sommergewittern, Hagelschlägen, Sturzfluten und Hochwasser künftig doppelt bis dreifach so hoch sein wie heute. Und das nicht nur durch Überschwemmungen an den Flussläufen von Rhein, Donau und Elbe, sondern etwa auch durch Starkregen, die in den versiegelten Flächen der Städte Kanalisation und Keller überfluten.

Die GDV-Positionen
„Kompass Naturgefahren“ – Informationsportal bundesweit einführen
Das Portal „Kompass Naturgefahren“ startete 2012 unter dem Namen ZÜRS public mit dem Ziel, die Menschen durch wohnsitzgenaue Risikoeinschätzungen in die Lage zu versetzen, sich ein Bild über die Gefährdungen ihrer Gebäude durch Naturereignisse zu machen. Aber nur gut zwanzig Prozent der Bundesbürger können sich auf dem Internetportal „Kompass Naturgefahren“ darüber informieren, wie stark ein Gebäude durch Naturgefahren gefährdet ist. Bislang stellen lediglich Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Berlin entsprechende Daten zur Verfügung.
 
Der „Kompass Naturgefahren“ kann sein ganzes Potenzial erst dann entfalten, wenn Bund und Länder, die Behörden und die Versicherungswirtschaft ihre Expertise in ein deutsches Naturgefahren-Portal einbringen. Die Versicherungswirtschaft hat ihre fachliche Unterstützung angeboten. Die Konferenz der Umweltminister hatte diese Vorschläge Ende 2014 aufgegriffen und die Bundesregierung zur Umsetzung aufgefordert. Erste Schritte sind im Januar 2015 erfolgt. Jetzt sind Bund und Länder in der Verantwortung, die Beschlüsse umzusetzen.
Elementarschadenkampagne – Grenzen staatlicher Hilfen verdeutlichen
Neben Aufklärung und Präventionsmaßnahmen gehört zu guter Vorsorge auch Versicherungsschutz. Mangelndes Risikobewusstsein aber und der feste Glaube an staatliche Hilfen im Schadenfall sind der Grund für die geringe Verbreitung von Elementarversicherungsschutz in Deutschland.
 
Nahezu alle Gebäude sind derzeit gegen Elementargefahren versicherbar. Nur knapp 40 Prozent der Gebäudebesitzer aber haben sich gegen Elementarschäden versichert. Eine bundesweite Elementarschadenkampagne mit klaren Aussagen zu den Grenzen staatlicher Hilfeleistungen könnte die Versicherungsdichte signifikant erhöhen: Wenn klargestellt wäre, dass es ohne Elementarversicherungsschutz keinen generellen Anspruch auf staatliche Hilfe im Schadenfall gibt. Wer sich gegen einen Elementarversicherungsschutz entscheidet, soll auch die finanziellen Folgen im Schadenfall selber tragen.
 
Eine Elementarschadenpflichtversicherung würde diesen Anstoß konterkarieren: Erforderliche individuelle und staatliche Anstrengungen würden in den Hintergrund rücken; öffentliche oder private Vorsorge- und Schutzmaßnahmen in Gefahrenzonen würden vernachlässigt. Pflichtversicherungen bieten keinen wirksamen Schutz vor Hochwasser. Hilfreicher wäre es vielmehr, wenn Versicherungswirtschaft, Bürger und öffentliche Hand gemeinsam nach Lösungen suchen, damit Versicherungsschutz auch in hochexponierten Gebieten angeboten werden kann, ohne die finanziellen Möglichkeiten des Einzelnen zu überfordern.
Zugang zu Geoinformationen über föderale Ebenen hinweg erleichtern
Für die Versicherungswirtschaft sind valide und statistisch normierte Daten für eine Abschätzung existenzieller Gefahren durch Naturereignisse unabdingbar. Erst damit werden zuverlässige und nachvollziehbare Risikoeinschätzungen möglich.
 
Die Nutzung von Daten öffentlicher Stellen (etwa der Katasterämter oder von Wasserwirtschaftsbehörden) wird aber dadurch behindert, dass in den Bundesländern unterschiedliche Datenschutz-Maßstäbe angelegt werden. Die uneinheitliche Auslegung führt zu Rechtsunsicherheit und behindert die wirtschaftliche Nutzung von Daten öffentlicher Stellen. Das ist z. B. der Fall, wenn Daten zu bestimmten Sachverhalten in einem Bundesland verfügbar gemacht werden, in einem anderen unter Verweis auf den Datenschutz unter Verschluss bleiben. Eine überregionale Nutzung wird dadurch faktisch verhindert.
 
Bund, Länder und Kommunen sollten Daten öffentlicher Stellen über die föderalen Ebenen hinweg zu fairen Lizenzbedingungen in einem klar strukturierten, rechtssicheren, einheitlichen Rahmen wirtschaftlich nutzbar machen. Erst dann kann Deutschland das Potenzial seines Datenbestandes für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft nutzen.

Die Schadenereignisse der vergangenen Jahre zeigen, dass ein großer Teil aller Überflutungsschäden aus Wetterextremen gerade nicht in klassischen Hochwassergebieten lagen. Es wäre deshalb fatal, sich abseits großer Flüsse in Sicherheit zu wiegen. Praktisch alle Risiken gegen Elementarschäden sind privat versicherbar. Dennoch liegt die Versicherungsdichte gegenwärtig erst bei knapp 40 Prozent. Was aber ist zu tun, um Elementarversicherungsschutz in die Breite zu tragen und zugleich mehr Menschen vor den wachsenden Gefahren aus Wetterextremen zu schützen? Zu nennen sind drei Dinge:

1. Risikobewusstsein schärfen

Erstens muss das Risikobewusstsein der Menschen geschärft werden. Deshalb setzt sich die Versicherungswirtschaft für eine bundesweite Informationskampagne und ein Naturgefahrenportal ein, das Einblick in Gefährdungslagen und Vorsorgemöglichkeiten gibt.

2. Präventive Maßnahmen verstärken

Zweitens müssen präventive Maßnahmen verstärkt werden, damit Schäden schon im Entstehen vermieden werden können. Der staatliche Hochwasserschutz ist in den vergangenen Jahren gut vorangekommen. Darüber hinaus können angepasste Flächennutzungspläne, verändertere Bauordnungen und individuelle Prävention die Gefährdungslage nachhaltig verändern. Ein hilfreiches Instrument, Risiken zu erkennen und Schäden vorzubeugen, ist der Hochwasserpass. Er hilft Gefährdungen einer Immobilie durch Überschwemmung, Starkregen oder Kanalrückstau zu identifizieren und mit professioneller Hilfe daraus individuelle Schutzmaßnahmen abzuleiten und baulich umzusetzen. Häufig sind solche Präventionsmaßnahmen der Schlüssel zu bezahlbarem Versicherungsschutz.

3. Mehr Versicherungsschutz

Drittens muss gemeinsam darüber nachgedacht werden, wie privater Versicherungsschutz stärker in die Breite getragen werden kann. Elementarschadenkampagnen, das belegen die Zahlen in einigen Bundesländern, haben die Versicherungsdichte dort deutlich steigen lassen, wo staatliche Stellen, Verbraucherschutz, Ingenieurkammern, Versicherer und viele andere über Risiken aufgeklärt haben – mit klaren Aussagen zu den Grenzen staatlicher Hilfeleistungen im Schadenfall.

Mit diesem Dreiklang aus Risikoaufklärung, Schadenprävention und Versicherungsschutz lassen sich die mitunter katastrophalen Folgen aus Naturgefahren und Wetterextremen wirksam begrenzen.

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