28.04.2015
Bevölkerungsprognose 2060

Höchste Zeit für mehr private Altersvorsorge

Der demografische Wandel in Deutschland schreitet trotz stärkerer Zuwanderung stetig voran – mit dramatischen Folgen für die Alterssicherung: Laut Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes kommt schon in 20 Jahren auf zwei Einwohner im erwerbsfähigen Alter eine Person über 67 Jahren. 2013 lag das Verhältnis noch bei gut drei zu eins. Und bis 2060 steigt der so genannte Altenquotient weiter.

Die Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes macht deutlich, dass die Bundesregierung ihre Prognoserechnungen zur Altersrente dringend über das Jahr 2030 hinaus ausdehnen muss. Wer heute 22 Jahre alt ist, sollte schon mindestens bis zum Renteneintritt im Jahr 2060 planen, seine Rentenphase sogar weit darüber hinaus. Dazu sind verlässliche Berechnungen zu künftigen Rentenbeitragssätzen und Rentenniveau unerlässlich.

Laut der veröffentlichten Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes werden im Jahr 2060 zwischen 67,6 Millionen und 73,1 Millionen Menschen leben – je nach weiterer Entwicklung der Zuwanderung. In beiden Szenarien wird rund ein Drittel der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein, heute zählt erst ein Fünftel zu den Älteren.

Abwarten schwächt Riester-Förderung

Damit ist klar: Die gesetzliche Rente kann bereits 2035 nur noch eine Basisabsicherung bieten, die eigenverantwortliche Altersvorsorge muss massiv verstärkt werden. Sinnvolle Instrumente zur privaten Altersvorsorge gibt es bereits, sie müssen aber den heutigen Realitäten angepasst werden. Die Riester-Förderung beispielsweise ist seit 2002 nicht mehr an steigende Einkommen und Lebenshaltungskosten angepasst worden, ihre Förderwirkung erodiert.

So ist der Anteil der staatlichen Förderung an der Riester-Sparsumme eines Durchschnittsverdieners mit Kindern gegenüber 2001 um etwa ein Drittel eingebrochen. Gleichzeitig müsste der Sparer wegen des Zinsrückgangs deutlich mehr Geld zurücklegen, um das ursprünglich geplante Vorsorgekapital bis zum Rentenbeginn anzusparen.

Als zunehmend problematisch erweist sich zudem die Anrechnung ausgezahlter Riester-Renten auf die Grundsicherung, die vor allem Geringverdiener von Eigenvorsorge abschreckt. Überfällig ist die Schaffung von prozentualen Freibeträgen für Grundsicherungsempfänger. Viele Geringverdiener werden erst dann in eine Riester-Rente investieren, wenn sie davon im Alter auch sicher etwas haben.

„Zinsersparnisse des Staates sollten in Altersvorsorge der Bürger zurückfließen”

STATEMENT

Alexander Erdland, Präsident des GDV:

„Die Bevölkerungsprognose macht deutlich, dass die Berufsanfänger von heute ihren Lebensstandard im Alter mit der gesetzlichen Rente nicht annähernd werden sichern können. Daran ändert auch eine verstärkte Zuwanderung nichts. Die Politik muss ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden und die Altersvorsorge attraktiver machen. Der Staat spart dank der EZB-Niedrigzinspolitik beim Schuldendienst Milliardenbeträge – zu Lasten der Sparer. Ein Teil der Zinsersparnisse des Staates sollte in die Altersvorsorge der Bürger zurückfließen„.