29.04.2015
Unfallforschung

6.000 weniger Unfalltote durch Elektronisches Stabilitätsprogramm

Das Elektronische Stabilitätsprogramm ESP ist nach Gurt und Airbag das wichtigste Sicherheitssystem für Autos. Rund 200.000 Unfälle mit Verletzten konnten nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Berlin allein in den Jahren 2000 bis 2013 durch den Schleuderschutz verhindert werden. Rund 6.000 Menschen wurden im gleichen Zeitraum vor dem Unfalltod bewahrt. „Eine Erfolgsgeschichte der Verkehrssicherheit“, so der Leiter der UDV, Siegfried Brockmann, „allerdings mit zähem Start.“

Vor 20 Jahren, im Mai 1995, wurde ESP erstmals serienmäßig in ein Luxus-Coupé eingebaut, danach in weitere Oberklassefahrzeuge. Doch erst der sogenannte Elchtest brachte 1997 den Durchbruch, weil Mercedes sich daraufhin entschloss, die A-Klasse und später auch den Smart serienmäßig mit ESP auszurüsten. Somit war das Sicherheits-Extra, das – innerhalb der physikalischen Grenzen – das Schleudern nicht nur beim Ausweichen verhindert, auch in den unteren Fahrzeugklassen angekommen.

Dennoch hatte nach zehn Jahren, im Jahr 2005, erst knapp 25 Prozent des Fahrzeugbestandes in Deutschland ESP an Bord. Siegfried Brockmann erinnert sich: „Anfangs war es gar nicht so leicht, Automobilindustrie und Autofahrer zu überzeugen, in das Sicherheitsplus durch ESP zu investieren.“ Schon früh hatten Unfallforscher gefordert, ESP in alle Fahrzeugklassen serienmäßig einzubauen.

Zur Person

Siegfried Brockmann

Brockmann, Jahrgang 1959, leitet die Abteilung Unfallforschung der Versicherer (UDV) beim GDV. In dieser Funktion ist er u. a. ehrenamtlicher Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats und beratendes Präsidiumsmitglied der Deutschen Verkehrswacht (DVW).

„Vor allem für Fahranfänger, die oft Käufer von billigen Gebrauchtwagen sind, ist es wichtig, aus Sicherheitsgründen ein ESP-Fahrzeug zu erwerben.“

Um auch die Autofahrer zu überzeugen, startete die UDV die Kampagne „Schutzengel – ESP“ und unterstützte potentielle Autokäufer mit einer Datenbank, die die Verfügbarkeit von ESP in Neuwagen recherchierbar machte. Für ältere Fahrzeuge gab es eine Liste, die es auch Käufern von Gebrauchtwagen ermöglichte festzustellen, ab wann welches Modell mit dem Anti-Schleuder-System ausgerüstet war.

Bei Neufahrzeugen stieg mit den Jahren die Ausstattungsrate zwar stetig an, aber es gab auch Rückschläge. Beispielsweise 2009, als durch die sogenannte Abwrackprämie viele billige Kleinwagen oft ohne ESP verkauft wurden. Seit 1. November 2011 müssen alle neuen Fahrzeugmodellreihen in Deutschland mit ESP ausgestattet sein und seit November 2014 generell alle Neufahrzeuge.

Dennoch sind auch heute noch rund 15 Prozent aller Autos auf Deutschlands Straßen ohne ESP unterwegs. „Vor allem für Fahranfänger, die oft Käufer von billigen Gebrauchtwagen sind“, so Siegfried Brockmann, „ist es wichtig, aus Sicherheitsgründen ein ESP-Fahrzeug zu erwerben.“ Deshalb ist auch weiterhin unter www.udv.de/esp die ESP-Datenbank abrufbar.

Angesichts neuer Fahrerassistenzsysteme wie die Automatische Notbremse, der Abbiegeassistent oder der Spurverlassenswarner fordert Siegfried Brockmann, die Automobilindustrie auf, noch schneller als beim ESP, moderne Sicherheitssysteme serienmäßig in allen Fahrzeugklassen anzubieten. „Der Autokäufer erkennt das Sicherheitsplus anfänglich oft nicht und zögert, wenn es Aufpreis kostet.“

Gut zu wissen

ESP gilt als eines der effektivsten Systeme zur Vermeidung von Unfällen – dies haben nationale und internationale Studien zweifelsfrei belegt. Um Neuwagenkäufern eine Entscheidungshilfe zu geben, hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in den Jahren 2006 bis 2011 eine umfangreiche ESP-Datenbank aufgebaut.

In ihr können interessierte Autofahrer nachschauen, welche in Deutschland damals aktuell angebotenen Fahrzeugmodelle mit dem lebensrettenden elektronischen Schleuderverhinderer serienmäßig ausgestattet waren, bei welchen Fahrzeugen ESP nur gegen Aufpreis erhältlich war und welche überhaupt nicht über ESP verfügten.