26.03.2015
Folgen der Geldpolitik

Milliarden-Einbußen durch Niedrigzinspolitik

Seit der Finanzkrise sind die Leitzinsen massiv gesunken. Während Schuldner immer billiger an Kredite kommen, erzielen Investoren und Sparer nur noch magere Erträge. Das Ausmaß ihrer Einbußen ist inzwischen gewaltig, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken weltweit beschert den Privathaushalten und institutionellen Investoren erhebliche Einbußen. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie von Swiss Re sind allein den US-Sparern zwischen 2008 und 2013 netto 470 Milliarden Dollar (rund 430 Milliarden Euro) entgangen. In der Berechnung sind positive Effekte wie beispielsweise niedrigere Kreditzinsen schon berücksichtigt. Die Ausfälle für die Versicherer in der EU und den USA beliefen sich im gleichen Zeitraum auf rund 400 Milliarden Dollar (365 Milliarden Euro).

Damit zeigen sich immer deutlicher die negativen Folgen der seit sieben Jahren andauernden laxen Geldpolitik. Zur Bekämpfung der Finanzkrise hatten die Notenbanken 2007 begonnen, die Zinsen in mehreren Schritten drastisch zu senken. Während der Leitzins beispielsweise in den USA Mitte 2007 noch bei mehr als fünf Prozent lag, verharrt er seit Ende 2008 bei knapp über null Prozent. Ähnlich billig ist das Geld in der Euro-Zone, in Großbritannien und – viel länger schon – in Japan.

Niedrigzinspolitik bedeutet Gefahr für Finanzstabilität

Mit ihrer Niedrigzinspolitik wollen die Notenbanken das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die Staaten bei der Finanzierung ihrer Schulden unterstützen. Die Maßnahmen verursachen aber zugleich erhebliche Kosten bei Investoren. Dies gilt auch für deutsche Lebensversicherer, bei denen festverzinsliche Wertpapiere traditionell den Großteil ihrer Kapitalanlagen ausmachen. Zwischen 2008 bis einschließlich 2013 lagen ihre zinsbedingten Mindereinnahmen nach einer Schätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bei rund 15 Milliarden Euro. Der Berechnung liegt ein langfristiger Zins von 4,3 Prozent zugrunde, der sich aus dem Durchschnitt der Swapsätze von 2002 bis 2008 ableitet.

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Die Interventionen der Notenbanken belasten aber nicht nur die Renditen. Sie befeuern laut der Studie gefährliche Preisblasen und zerstören das traditionelle Gefüge zwischen Kapitalgebern und Realwirtschaft: „Durch die Verdrängung der Investoren aufgrund künstlich tief gehaltener oder negativer Zinsen werden verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, welche sonst die Realwirtschaft unterstützen, verringert“, sagt Guido Fürer, Group Chief Investment Officer von Swiss Re. Dies stelle eine Gefahr für die finanzielle Stabilität und das Wirtschaftswachstum dar.

GDV fordert Kurswechsel in der Geldpolitik

Die deutsche Versicherungswirtschaft fordert seit langem einen Kurswechsel in der Geldpolitik, denn das billige Geld untergräbt die Anstrengungen der Altersvorsorgesparer: „Eine Senkung des durchschnittlichen Zinsniveaus um einen Prozentpunkt bedeutet, dass ein Bürger 15 Prozent mehr aufwenden muss, um seine Altersvorsorge stabil zu halten“, sagt GDV-Präsident Alexander Erdland. Das niedrige Zinsniveau helfe zwar den Euro-Ländern, ihre Haushaltsdefizite in den Griff zu bekommen. Wachstumsimpulse gingen von der Niedrigzinspolitik aber nicht mehr aus. „Daher ist es wichtig, das Augenmerk auf dringend erforderliche strukturelle Reformen zu legen, damit baldmöglichst eine Zinswende eingeleitet werden kann“, so Erdland.

Die Experten von Swiss Re stellen den Reformeifer der Euro-Staaten jedoch infrage: „Die künstlich tief gehaltenen Zinsen reduzieren den Anreiz für politische Entscheidungsträger, die dringend notwendigen Strukturreformen in Europa einzuleiten“, heißt es in der Studie.

Text: Karsten Röbisch

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