02.03.2015
D&O-Versicherung

Haftungsrisiken für Manager nehmen zu

Wenn Manager Fehler machen, haften sie im schlimmsten Fall auch mit ihrem Privatvermögen. Mit einer D&O-Versicherung kann sich die Unternehmensführung gegen Haftungsrisiken absichern. Patrick Smolka, Leiter Financial Lines bei HDI-Gerling, erklärt, für wen die D&O-Versicherung gedacht ist, was sie abdeckt und warum sie trotz mancher Vorurteile kein Persilschein für Fehlentscheidungen des Managements ist.

Herr Smolka, wer ist in einem Unternehmem über eine D&O Versicherung geschützt?
Patrick Smolka: Versicherte Personen sind in erster Linie die Mitglieder der geschäftsführenden Organe wie Vorstände und Geschäftsführer sowie der Kontrollorgane, also Aufsichtsrat, Verwaltungsrat oder Beirat. Aber auch die Mitglieder der Leitungs- und Aufsichtsorgane von Tochterunternehmen sind mitversichert. Vertragspartner des Versicherers und damit Beitragszahler ist in der Regel das jeweilige Unternehmen, das die Versicherung zu Gunsten seiner Organe abschließt. Die Organe versichern sich also nicht selbst, sondern werden durch ihr Unternehmen abgesichert.

Gut zu wissen

Was ist eine D&O-Versicherung?

Der Begriff D&O-Versicherung stammt aus den USA und ist eine Abkürzung für Director´s and Officer´s Liability Insurance. Es handelt sich dabei um eine besondere Form der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für die Mitglieder von Leitungs- und Aufsichtsorganen in Unternehmen. Vereinfacht gesagt ist die D&O-Versicherung also eine „Berufshaftpflichtversicherung” für Manager.

Welche Haftungsrisiken tragen die versicherten Organmitglieder?
Smolka: Das Management haftet persönlich gegenüber Dritten wie z.B. Steuer- und Sozialbehörden oder Gläubigern – das ist die Außenhaftung. Aber auch gegenüber dem eigenen Unternehmen wird gehaftet – hier spricht man von Innenhaftung. Schon bei leicht fahrlässigen Pflichtverletzungen können die Mitglieder des Managements mit ihrem gesamten Privatvermögen haften.

Bei der Innenhaftung kommt erschwerend hinzu, dass eine Beweislastumkehr zu Ungunsten des Vorstands bzw. Geschäftsführers stattfindet. Das bedeutet, dass der Manager beweisen muss, dass er nicht pflichtwidrig gehandelt oder die Pflichtverletzung nicht verschuldet hat. Dies stellt Manager häufig vor erhebliche Beweisprobleme, insbesondere wenn sie nicht mehr im Unternehmen tätig sind.

Welchen Schutz bietet eine D&O-Versicherung?
Smolka: Die D&O-Versicherung gewährt den Organmitgliedern Versicherungsschutz für den Fall, dass sie wegen begangener Pflichtverletzungen aufgrund gesetzlicher Haftpflichtbestimmungen für einen Vermögensschaden auf Schadenersatz in Anspruch genommen werden. Die D&O-Versicherung schützt die versicherten Personen damit gegen ihr persönliches Haftungsrisiko und sichert so ihr privates Vermögen. Dieser Schutz mindert zudem das Ausfallrisiko Dritter bei der Außenhaftung sowie des eigenen Unternehmens bei der Innenhaftung.

Welche Leistungen bietet die D&O-Versicherung?
Smolka: Wie bei jeder Haftpflichtversicherung umfasst der Versicherungsschutz die Prüfung der Haftungsfrage, die außergerichtliche und gerichtliche Abwehr von unberechtigten Ansprüchen und die Regulierung berechtigter Ansprüche, d.h. Zahlung der zu leistenden Entschädigung.

Also ist die D&O-Versicherung doch ein Freifahrtschein für Fehler des Managements?
Smolka: Nein ganz und gar nicht. Die Eintrittspflicht der D&O-Versicherung ist auf fahrlässige Fehler des Managements begrenzt. Die vorsätzliche Verursachung eines Schadens und/oder wissentliche Pflichtverletzungen sind selbstverständlich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Zur Person

Patrick Smolka ist seit 2009 bei der HDI-Gerling Industrie Versicherung AG tätig. In der Zentrale des HDI-Gerling ist er verantwortlich für den Bereich Financial Lines und damit für die Sparten D&O, Rechtsschutz und Vermögensschadenhaftpflicht. Seit 1995 ist er dem Thema D&O-Versicherung eng verbunden. Im GDV ist Patrick Smolka langjähriges Mitglied der Arbeitsgruppe D&O und seit Ende letzten Jahres deren Vorsitzender.

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