02.02.2015
Interviews mit Finanzvorständen

Wie Versicherer im Niedrigzinsumfeld Kapital anlegen

Sie verwalten Milliardenbeträge und haben die Märkte stets im Blick: Die Kapitalanleger der deutschen Versicherungen müssen jeden Tag Millionen Euro von Kundengeldern anlegen. Doch in Zeiten, in denen selbst fünfjährige Bundesanleihen keinen Zins mehr abwerfen, braucht es neue Strategien. Drei Finanzvorstände verraten in Interviews mit GDV.DE ihre Rezepte gegen den Niedrigzins.
 


 

Kapitalanlage im Niedrigszinsumfeld

„Noch konsequenter Klumpenrisiken vermeiden“

 
Bei der Anlage lasse er sich nicht primär von der Regulatorik leiten, sondern investiere mit Hirn und Verstand, sagt der Vorstandssprecher der HUK-COBURG, Wolfgang Weiler. Als Folge der niedrigen Zinsen setzt er vor allem auf Diversifikation.
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Kapitalanlage im Niedrigszinsumfeld

„Bei Aktien scheuen wir die Abschreibungsrisiken“

 
In der Lebensversicherung habe sein Unternehmen die Aktienquote auf deutlich unter ein Prozent zurückgefahren, sagt Generali-Finanzvorstand Torsten Utecht im Interview. Als Strategie gegen den Niedrigzins führt er eine Verlängerung der Laufzeiten bei den Anlagen ins Feld.
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Kapitalanlage im Niedrigszinsumfeld

„Engagement im Bereich Photovoltaik und Windenergie ausbauen“

 
Angesichts der Niedrigzinsphase setzt die LVM Versicherung auch auf neue Anlageklassen wie Infrastruktur. Mit Photovoltaik- oder Windparks ließen sich vier bis sechs Prozent Rendite erzielen, sagt Finanzvorstand Volker Heinke.
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Längere Laufzeiten, breitere Streuung

Die Niedrigzinsphase zwingt die deutschen Versicherer zu deutlichen Änderungen in ihrer Anlagepolitik. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine längere Laufzeit der Anlagen. „Vor wenigen Jahren hatten wir bei unseren Lebensversicherern eine durchschnittliche Duration der Anlagen von sechs Jahren, Ende 2014 haben wir im Durchschnitt neun Jahre erreicht“, sagt Torsten Utecht, Finanzvorstand bei der Generali Deutschland, im Interview mit GDV.de. Gleichzeitig sind die Manager bestrebt, das Kapital noch mehr auf unterschiedliche Anlageklassen und Regionen zu verteilen. „Derzeit konzentrieren sich unsere Anstrengungen darauf, unser Portfolio noch breiter zu streuen“, sagt Volker Heinke, Finanzvorstand der LVM Versicherung.

Die deutschen Versicherer gehören zu den größten Investoren. Insgesamt verwalten die Erstversicherer 1,2 Billionen Euro. Rund 88 Prozent davon entfallen auf Rentenpapiere. Die europäischen Rentenpapiere sind dabei von der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) besonders betroffen. Mit ihrem geplanten Ankaufprogramm im Umfang von rund 1,1 Billionen Euro will die EZB die Renditen von Rentenpapieren noch weiter nach unten drücken. „Der Zins ist faktisch abgeschafft“, sagt Heinke.

Sehr deutlich zeigt sich dies bei Wertpapieren bester Bonität wie Bundesanleihen. Vor wenigen Tagen platzierte der Bund eine fünfjährige Anleihe zu einer Rendite von 0,04 Prozent. Selbst Langläufer werfen kaum noch etwas ab. Die Rendite 30-jähriger Bundesanleihen fiel in der Vorwoche erstmals auf unter ein Prozent. Während sich Deutschland immer günstiger Geld besorgen kann, scheiden die Papiere für viele Versicherer bei der Neuanlage aus. „Wir investieren schon seit längerer Zeit nicht mehr in Bundesanleihen“, sagt Utecht.

Unternehmensanleihen aufgestockt

Stattdessen weichen die Unternehmen auf andere Anlageklassen aus, um noch auskömmliche Renditen für die Versicherten erwirtschaften zu können. „Unternehmensanleihen sind eine Anlageklasse, die die gesamte Branche in den vergangenen fünf, sechs Jahren spürbar aufgestockt hat“, sagt Wolfgang Weiler, Vorstandssprecher der HUK-COBURG. Machten Unternehmensanleihen Ende 2007 erst 1,1 Prozent des gesamten Kapitalbestands der deutschen Erstversicherer aus, so lag ihr Anteil im dritten Quartal 2014 bei drei Prozent. Inklusive der über Fonds gehaltenen Unternehmensanleihen stieg der Anteil sogar auf 10 Prozent. Auch höher rentierliche Euro-Staatsanleihen oder US-Treasuries gelten als Alternativen zu Bundesanleihen.

Interesse haben die Versicherer auch an Infrastrukturprojekten. „Wir wollen unser Engagement im Bereich Photovoltaik und Windenergie ausbauen“, betont Heinke von der LVM Versicherung. Auch Utecht von der Generali sieht in der Anlageklasse grundsätzlich ein interessantes Segment für langfristige Investoren. Allerdings brauche es klare Rahmenbedingungen. Die Bundesregierung hat angekündigt, das Umfeld für private Investoren zu verbessern.

Hoffnung, dass die Niedrigzinsphase bald enden könnte, haben die Anlagemanager indes kaum. „Es geht keiner mehr davon aus, dass das eine vorrübergehende Erscheinung ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich da in den nächsten Jahren etwas wesentlich bewegen wird“, sagt Weiler. Auch Utecht glaubt nicht an einen schnellen Richtungswechsel der EZB: „In früheren Phasen haben wir durchaus auch mittelfristig mit wieder steigenden Zinsen geplant. Jetzt erwarten wir niedrige Zinsen für unseren kompletten Planungshorizont“, sagt der Generali-Vorstand.“ So rechnet sein Unternehmen bis 2018 mit einem Anstieg der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf lediglich 1,3 Prozent.

Text: Henning Engelage