14.01.2015
Teil 3/5: Fortbildung

So stellen Versicherer die Beratungsqualität sicher

Die Versicherungswirtschaft unterstützt mit einer eigenen Weiterbildungsinitiative die Schulung von Vermittlern. Ziel ist eine noch bessere Beratung der Kunden. Dafür steht auch der verschärfte Verhaltenskodex für den Vertrieb.

Egal ob es um eine Todesfallabsicherung geht, die Vollkasko für das neue Auto oder die private Altersvorsorge – erster Ansprechpartner für viele Verbraucher ist der Versicherungsvermittler. Er muss somit umfangreiche Fachkenntnisse haben, um in allen Fällen kompetent beraten zu können. Deshalb ist es entscheidend, dass Versicherungsvermittler nicht nur gut ausgebildet sind, sondern sich auch permanent fortbilden.

Sicherstellen will das die freiwillige Brancheninitiative „gut beraten“, die von sieben Verbänden der Versicherungswirtschaft – sowohl von Vermittlern als auch Versicherern – sowie der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di getragen wird. Teilnehmende Vermittler setzen sich das Ziel, innerhalb von fünf Jahren 200 Weiterbildungspunkte zu sammeln. Ein Punkt entspricht einer Unterrichtseinheit von 45 Minuten. Diese werden in einer zentralen Weiterbildungsdatenbank erfasst. Punkten können die Vermittler bei einem der inzwischen mehr als 300 akkreditierten Fortbildungsträger.

Weiterbildung als Qualitätsmerkmal

Mit „gut beraten“ unterstreicht die Branche den hohen Stellenwert der Aus- und Weiterbildung. „Wir wollen mit der Initiative ein sichtbares Zeichen nach außen setzen, dass der Versicherungsvermittler ein professioneller Berufsstand ist“, sagt Katharina Höhn, Hauptgeschäftsführerin des Berufsbildungswerks der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV), das die Weiterbildungsdatenbank betreibt. In vielen Köpfen habe sich verankert, jeder könne Versicherungsvermittler werden. Dagegen wolle man angehen, so Höhn. Als PR-Maßnahme sei die Initiative aber nicht zu verstehen. Sie diene zu allererst der Qualitätssteigerung im Vertrieb. „Unser Ziel ist, dass die Kunden noch besser beraten werden“, sagt Höhn.

Diesem Zweck dient auch der verschärfte Verhaltenskodex für den Vertrieb des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der seit Mitte 2013 in Kraft ist. Die inzwischen mehr als 200 beigetretenen Unternehmen verpflichten sich darin zu einem fairen Umgang mit Kunden, zu bedarfsgerechter Beratung und verständlichen Produkten. Ein wesentliches Element des Kodex ist das Thema Weiterbildung. Die beigetretenen Versicherer arbeiten nur noch mit Vermittlern zusammen, die sich laufend fortbilden und dies auch nachweisen. An der Stelle schließt sich der Kreis zu „gut beraten“. Die Initiative ist eine Möglichkeit, wie der geforderte Nachweis erbracht werden kann.


 

Themenwoche „Versicherungsvertrieb 2015“

Der Finanzvertrieb steht im Fokus der Politik. Allein auf EU-Ebene gibt es drei Initiativen zum Verbraucherschutz, die auch die Versicherungsvermittlung betreffen. Für die deutsche Versicherungswirtschaft ist entscheidend, dass der etablierte provisionsbasierte Vertrieb erhalten bleibt. In einer fünfteiligen Serie beleuchtet GDV.DE den Vertriebsmarkt.

Montag, 12. Januar: Vertriebswege – Der deutsche Versicherungsmarkt ist sehr vielfältig
Dienstag, 13. Januar: Vergütungsmodelle – Der provisionsbasierte Vertrieb garantiert Beratung für alle
Mittwoch, 14. Januar: Fortbildung – So stellen Versicherer die Beratungsqualität sicher
Donnerstag, 15. Januar: Schlichtung – Der Versicherungsombudsmann hilft Versicherungskunden
Freitag, 16. Januar: Regulierung – Verbessern MiFID2, IMD2 und PRIIPS den Verbraucherschutz?


 

Versicherer prüfen Zuverlässigkeit der Vermittler

Die Qualitätssicherung beginnt indes schon früher: Vor Aufnahme einer Geschäftsverbindung müssen Versicherer prüfen, ob der Vermittler eine Erlaubnis der Industrie- und Handelskammer (IHK) hat. Diese umfasst eine Prüfung der Sachkunde, die mindestens den Abschluss als Versicherungsfachmann voraussetzt. Die IHK-Erlaubnis erfordert zudem den Nachweis einer Vermögenschadenversicherung, der Zuverlässigkeit durch Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses sowie geordneter Vermögensverhältnisse. Bei gebundenen Vermittlern übernimmt das Unternehmen die uneingeschränkte Haftung sowie die Überprüfung von Zuverlässigkeit und geordneten Vermögensverhältnissen.

Im Gegensatz zur beruflichen Erstausbildung und den Mindestanforderungen an die Sachkunde kommt „gut beraten“ ohne einen Rahmenlehrplan aus. Die Aufgaben der Makler und Vertreter variieren zum Teil so sehr, dass starre Vorgaben den Anforderungen aller Vermittler nicht gerecht werden würden. Ein Vermittler, der sich auf Lebensversicherungen spezialisiert hat, braucht andere Fachkenntnisse als ein Makler von Industrieversicherungen. Deshalb ist das Weiterbildungsangebot breit gefächert, und die Teilnehmer können frei wählen. Bedingung für die Anrechnung der Kurse: Sie müssen die Fach- und Beratungskompetenz der Vermittler im Interesse des Kunden stärken. Was genau darunter fällt, ist in den Anrechnungsregeln zur Initiative festgelegt.

Großes Interesse der Vermittler

Erste Weiterbildungspunkte konnten Vermittler bereits seit September 2013 sammeln. Seit April 2014 ist auch die Weiterbildungsdatenbank in Betrieb. Mit ihr lässt sich die Zahl der Teilnehmer leicht bestimmen. Bis Ende 2014 hatten rund 89.000 Vermittler ein Konto eröffnet – womit ein Großteil der tatsächlich aktiven Vertreter und Makler eingebunden wäre. Gleichzeitig wurden rund 2,6 Millionen Weiterbildungspunkte verbucht. „Das ist für die Branche ein tolles Ergebnis“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth.

Die Reaktionen der Vermittler auf die Weiterbildungsinitiative seien bislang überwiegend positiv, sagt BWV-Hauptgeschäftsführerin Höhn. Ähnliches berichtet Norbert Lamers, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Makler Akademie (DMA), die als Fortbildungsträger akkreditiert ist: „Das Bewusstsein hat sich verändert. Viele Vermittler sehen in der ständigen Weiterbildung einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor.“ Denn auch die Ansprüche der Kunden an die Beratungsqualität seien gestiegen, so der DMA-Hauptgeschäftsführer.

Knapp 100 Weiterbildungsseminare für Versicherungsvermittler hat Lamers allein im vergangenen Jahr organisiert. Mit der Resonanz kann er sehr zufrieden sein. „Mit 6500 Besuchern hatten wir 2014 einen Teilnehmerrekord“, sagt Lamers. Mal ging es in den Kursen um das Einmaleins in der Sachversicherung, mal um die Grundlagen einer effizienten Büroorganisation

Kritik an Produktschulungen

Doch es gibt auch Kritik. Sie betrifft vor allem die Produktschulungen der Versicherer, bei denen Vermittler ebenfalls Punkte sammeln können. Kritiker sehen in den Seminaren reine Marketingmaßnahmen. Höhn hält diese Beschwerden indes für unberechtigt: Detaillierte Produktkenntnisse machten einen wesentlichen Teil der Fachkompetenz von Versicherungsvermittlern aus. Und sie seien auch in anderen Berufen, in denen vermittelt und beraten wird, elementarer Bestandteil der Ausbildung, so Höhn.

Das sieht auch das Bundesinstitut für Berufsbildung so, das die Anerkennungsregel für „gut beraten“ mitentwickelt hat. Fachkompetenz bedeute ganz zentral, Produkte zu kennen, so das Urteil der Behörde.