14.01.2015
Kolumne

Für eine bessere Beratung

Als Verbandsvertreter gehört es zu meinen Aufgaben, mich mit Regulierungsvorhaben zu befassen. Dabei habe ich zwei Dinge gelernt: Zum einen bereitet die Lektüre der komplexen Gesetzestexte kein Vergnügen. Und: Die Auseinandersetzung mit der Materie beansprucht immer mehr Zeit.

Ein paar Beispiele gefällig? Die Ausgestaltung von Solvency II auf europäischer Ebene, die parallel dazu laufende nationale Umsetzung sowie das Lebensversicherungsreformgesetz sind allein drei Großprojekte, die uns 2014 stark beschäftigt haben und noch tun. Und weitere Änderungen sind in Sicht: Für die neue EU-Vermittlerrichtlinie IMD2 starten in Kürze die Verhandlungen der europäischen Gesetzgeber.

Ich will hier nicht ein Übermaß an Regulierung beklagen. Die Aufzählung soll nur verdeutlichen, wie stark der Gesetzgeber das wirtschaftliche Handeln der Versicherer derzeit mitbestimmt. Die Ziele der Regulierung sind durchaus legitim: So ist die Verknüpfung der Eigenmittelanforderungen mit den eingegangenen Risiken, wie es Solvency II vorsieht, für ein stabiles Aufsichtssystem unerlässlich. Zugleich stehen wir hinter dem Ziel der EU, den Verbraucherschutz im Finanzvertrieb zu stärken – durch mehr Transparenz und umfangreichere Informationspflichten. Denn darum geht es im Kern bei IMD2.

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Dabei setzen wir uns als GDV dafür ein, dass nationale Besonderheiten berücksichtigt werden. Unser Kernanliegen ist, das Nebeneinander von Provisionsvertrieb und Honorarberatung zu erhalten. Der provisionsbasierte Vertrieb, der in Deutschland dominiert, hat sich trotz mancher Schwächen bewährt: Er garantiert ein flächendeckendes Beratungsangebot für alle – unabhängig vom Geldbeutel. Daher begrüße ich es, dass die Vorschläge von EU-Parlament, Rat und EU-Kommission zur neuen EU-Vermittlerrichtlinie kein generelles Provisionsverbot vorsehen.

Entscheidend für einen besseren Verbraucherschutz ist aus meiner Sicht ohnehin nicht die Vergütungsform, sondern die Beratungsqualität. Und als Branche haben wir uns frühzeitig Gedanken darüber gemacht, wie wir sie verbessern können. Das Ergebnis dieser Überlegungen sind der strenge Verhaltenskodex für den Vertrieb und eine gezielte Weiterbildungsinitiative.

Eine Beschreibung beider Brancheninitiativen finden Sie heute auf GDV.DE. Der Text gehört zur aktuellen Themenwoche, die den Versicherungsvertrieb in Deutschland ausführlich beleuchtet. Wer bislang noch nicht darauf aufmerksam geworden ist, ich kann die Lektüre nur empfehlen. Die Serie gibt einen guten Marktüberblick, und die Texte sind leicht zu lesen. Das ist für die Versicherungswirtschaft nicht selbstverständlich. Das kann ich aus langjähriger Erfahrung in der Branche durchaus beurteilen.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth
 
Jörg von Fürstenwerth

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