15.01.2015
Betriebsrente

„Die betriebliche Altersversorgung muss einfacher und attraktiver werden”

Die betriebliche Altersversorgung ist ein wichtiger Baustein der Alterssicherung. Dennoch sparen vier von zehn Arbeitnehmern nicht für die Betriebsrente. Die betriebliche Altersversorgung muss für Unternehmen einfacher und Beschäftigte noch attraktiver werden.

Aktuelle Zahlen zur betrieblichen Altersversorgung (bAV) sind auf den ersten Blick erfreulich: Laut einer Untersuchung im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) sparen mittlerweile (Stand Ende 2013) rund 20 Millionen Beschäftigte mit Unterstützung ihres Arbeitgebers für eine Betriebsrente – das sind rund fünf Millionen mehr als 2001. Auf den zweiten Blick wird aber deutlich, dass der Verbreitungsgrad seit 2011 nicht mehr gestiegen ist. Die bAV hat mit dem allgemeinen Beschäftigungsanstieg in den vergangenen Jahren lediglich Schritt gehalten. Nach wie vor bauen vier von zehn Beschäftigten keine Betriebsrente auf, und zwar trotz eines Rechtsanspruchs auf diese Vorsorge in Form der Entgeltumwandlung. Um das Potenzial der bAV besser auszuschöpfen, plädiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für einfachere Regeln und Verfahren für die Betriebe sowie attraktivere Bedingungen für die Beschäftigten.

STATEMENT

Dr. Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung und Altersvorsorgeexperte des GDV

„Die betriebliche Altersversorgung muss für Arbeitnehmer attraktiver und für Arbeitgeber einfacher werden. Unternehmen sollten im Arbeitsvertrag eine automatische Gehaltsumwandlung zum Betriebsrentenaufbau verankern dürfen – Arbeitnehmer müssten sich dann aktiv gegen eine betriebliche Altersvorsorge entscheiden. Im Gegenzug sollten die Netto-Betriebsrenten künftig höher ausfallen als heute: Dazu müssten die Sozialabgaben reduziert und die Leistungen nicht mehr voll mit der Grundsicherung im Alter verrechnet werden.“

bAV im Arbeitsvertrag verankern

Um den Verbreitungsgrad der bAV ohne zusätzlichen Aufwand für die Unternehmen zu erhöhen, sollten diese den Aufbau einer Betriebsrente durch Entgeltumwandlung als Standard im Arbeitsvertrag verankern dürfen. Wenn Arbeitnehmer keine betriebliche Altersvorsorge wollen, müssten sie diese von sich aus ablehnen. Eine für diese Regelung notwendige Gesetzesänderung sollte sicherstellen, dass Arbeitgeber dieses freiwillige „Opting-Out“-Verfahren auch auf bereits bestehende Arbeitsverhältnisse anwenden können.

Mehr Netto für Betriebsrentner

Für Beschäftigte würde der Abschluss einer bAV noch attraktiver, wenn sie von ihrer Betriebsrente geringere Sozialabgaben abführen müssten. Bislang müssen Betriebsrentner von ihrer Bruttorente nicht nur den Arbeitnehmeranteil, sondern auch den Arbeitgeberanteil an der Kranken- und Pflegeversicherung abführen. Hier sollte dringend nachgebessert werden, beispielsweise durch einen reduzierten Beitragssatz für Betriebsrenten oder durch Einführung angemessener Freibeträge.

Insbesondere für Geringverdiener erscheint die bAV oft wenig attraktiv, weil sie eine Betriebsrente mit möglicherweise notwendigen staatlichen Grundsicherungsleistungen voll verrechnen müssten. Um dieser „Vorsorgefalle“ zu entgehen, sollten bei der Grundsicherung angemessene Freibeträge für Renten aus selbst angespartem Altersvorsorgevermögen geschaffen werden.

Versorgungslücken aufzeigen

Ein wesentlicher Grund für die nicht ausreichende Verbreitung der bAV dürfte zudem die Unkenntnis vieler Arbeitnehmer über mögliche Versorgungslücken im Alter sein. Zwar erfüllen Versicherer und andere Anbieter privater und betrieblicher Altersvorsorge hohe Standards bei der Information ihrer Kunden. Sinnvoll wäre jedoch die Zusammenführung aller relevanten Daten in einer säulenübergreifenden Renteninformation, die sowohl die Anwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung als auch der betrieblichen und privaten Altersvorsorge berücksichtigt. Denn nur wenn Versorgungslücken frühzeitig erkannt werden, können Arbeitnehmer ausreichend vorsorgen.

Die vollständige Stellungnahme zu den Reformvorschlägen finden Sie unten im Download-Bereich.
 

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Stellungnahme

Verbesserung der Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung

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