09.01.2015
Transportversicherung

Brandgefahr fährt auf Containerschiffen immer mit

Der A 380 der Schifffahrt kommt nach Hamburg. Am Montagabend soll das größte Containerschiff der Welt, die CSCL Globe (siehe Foto), auf ihrer Jungfernreise den Hafen der Hansestadt anlaufen. Das chinesische Containerschiff ist ein einziger neuer Superlativ der Weltmeere. Der Trend zu immer größeren Schiffen setzt sich damit fort. Der Brandschutz in der Schifffahrt wartet hingegen nicht mit Superlativen auf – im Gegenteil, er tritt auf der Stelle. Um die Feuerrisiken in den Griff zu bekommen, ist eine Modernisierung der Brandschutzmaßnahmen an Bord notwendig.

Länger als vier Fußballfelder und mehr als doppelt so hoch wie das Brandenburger Tor: Mit der Inbetriebnahme im Dezember ist die CSCL Globe das größte Containerschiff der Welt. Der chinesische Superfrachter kann 19.100 TEU, das Äquivalent für 20 Fuß-Container, laden. Länger, breiter, höher: Der Schiffbau kannte in den vergangenen Jahren nur eine Richtung. Fatal an dieser Entwicklung: Mit der zunehmenden Größe der Schiffe steigt das finanzielle Risiko in einem Schadensfall.

Aus der Perspektive der Transportversicherer geht die Rechnung so: Je größer die Schiffe, desto mehr Ladung, desto größer ist die Versicherungssumme eines Schiffes. Der Wert des ganzen Schiffs inklusive Ladung kann bis zu 700 Millionen Euro betragen. Kollidieren zwei solcher Schiffe, entsteht allein durch ein Ereignis ein Schaden im Milliarden-Bereich.

Laxer Umgang mit Sicherheitsvorschriften

Transportversicherer beobachten zunehmend, dass Gefahrgut- und Deklarationsvorschriften lax gehandhabt werden. In Einzelfällen haben Unternehmen auf ihrer Website Tipps zur Umgehung der Gefahrgutvorschriften gegeben. Falsch deklarierte Ladung, vor allem wenn es sich dabei um Chemikalien handelt, sind immer wieder die Ursache für Feuer an Bord.

Die Größe und die Technik der Schiffe sind zwar stetig optimiert worden. Die Sicherheitsvorkehrungen vor allem in Sachen Brandschutz bleiben bei diesem Wettrüsten der Container-Giganten aber auf der Strecke. Auf die Tatsache, dass die Ladung bereits seit Jahrzehnten in Containern und nicht mehr als Stückgut transportiert wird, hat der Feuerschutz noch nicht reagiert.

Beim Brandschutz an Bord ist es ähnlich wie bei Gebäuden: Bricht ein Feuer aus und wird dieses nicht schnell wirksam bekämpft, bleibt am Ende nur eine abrissreife Ruine übrig. Oder um hier bei den Schiffen zu bleiben: ein Totalschaden. Um die Millionen-Werte auf Containerschiffen besser zu schützen, ist eine Modernisierung der Maßnahmen angebracht, wie Feuer eingedämmt bzw. gelöscht werden können.

Auf Deck und unter Deck: Brandschutzmaßnahmen verbessern

Sowohl auf als auch unter Deck könnten zeitgemäße Brandschutzmaßnahmen die Ladung besser vor Feuer schützen. In verschließbaren Luken beispielsweise sollte der Brandherd durch aktives Kühlen mit Wasser, von der restlichen Ladung abschirmt werden können. Die besondere technische Herausforderung dabei: Die Luken selbst müssen mit Wasser gekühlt werden, damit der Stahl durch die Hitzentwicklung nicht seine Stabilität verliert. Ist der Brandherd isoliert, kann er durch weiteres Kühlen kontrolliert abbrennen und sich nicht weiter ausbreiten. Das Fluten der entsprechenden Luke mit Kohlenstoffdioxid (CO2), entzieht dem Feuer den Sauerstoff um es zu ersticken.

An Deck könnten Sprühwasservorhänge zwischen den Containerbays die Ausbreitung eines Brandes verhindern. Zusätzlich sollen fest installierte Wasserwerfer, sogenannte Monitore, an Deck das Feuer schnell in den Griff bekommen. Jede Stelle auf dem Schiff sollte dabei von den Wasserwerfern erreicht werden können. Wasserdruck und Wurfweite müssen dabei stark genug sein, um auch bis zu Windstärke 9 auf dem ganzen Deck löschen zu können oder das Übergreifen des Feuers auf den nächsten Containerstapel zu verhindern. Damit sinkt auch das Risiko, dass die komplette Ladung oder gar das ganze Schiff abbrennt.

Keine Nachrüstung der Löschanlagen vorgesehen

Seit 2014 sehen die Vorschriften der International Maritime Organisation (IMO) nur tragbare Monitore vor, die von den Besatzungen im Gefahrenbereich des Brandes aufgestellt werden müssen. Diese kleinen nicht steuerbaren Wasserwerfer können bei der Bekämpfung eines Entstehungsbrandes hilfreich sein, beginnt aber ein Feuer an Bord mit einer Explosion, wie auf der „MSC Flaminia“, „Hanjin Pennsylvania“ oder „Hyundai Fortune“, können diese tragbaren Monitore nicht mehr eingesetzt werden. Für die Flotte von über 5000 fahrenden Containerschiffen ist selbst die Nachrüstung mit tragbaren Monitoren nicht verpflichtend vorgesehen, sondern nur auf freiwilliger Basis. Die derzeitigen Mittel der Feuerbekämpfung bleiben angesichts der Kapazität der Schiffe unzureichend. Die Brandgefahr fährt auf den Weltmeeren also weiter mit.

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