17.12.2014
Kolumne

Zeit für Gestalter

Von einem Freund habe ich gelernt, dass guter Journalismus stets nach vorne schaut. Also: Warum nicht von erfahrenen Journalisten lernen, zumal wir von Jahresrückblicken schon seit Anfang Dezember an geradezu überrollt werden. Daher ein Blick nach vorne.

Ein Jahr des Übergangs liege vor uns, schreibt unser Präsident Alexander Erdland in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins „Positionen“. Das mag auf den ersten Blick fast schon langweilig – business as usual – klingen. Aber halt nur auf den ersten Blick. In Wahrheit nämlich sind es gerade die Übergangsphasen, die es – salopp gesagt – in sich haben: Wenn das Neue sich bildet, ohne schon festgefügt zu sein. Es ist die Zeit der Gestalter, insofern kann ich an dieser Stelle sagen: Es gibt viel zu tun im Jahr 2015.

Nehmen wir die Allgemeinen Versicherungsbedingungen, die wir im kommenden Jahr endgültig überarbeitet haben wollen. Außerhalb unserer Branche mag diese Arbeit ja wenig Beachtung gefunden haben, für uns ist sie sehr wichtig. Denn Transparenz und Verständlichkeit im Dialog mit der Kundschaft fordern wir nicht nur, wir wollen es leben. Auch, weil wir im Dialog mit Politik und Gesellschaft ernst genommen werden wollen. Die sprachliche Überarbeitung der GDV-Musterbedingungen in Zusammenarbeit mit dem Sprachwissenschaftler Prof. Günther Zimmermann haben wir 2010 angestoßen, die Musterbedingungen für Lebens- und Rentenversicherungen, der privaten Unfall- und der Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung sind bereits fertig überarbeitet und auf GDV.DE veröffentlicht.

Nun ist der Bereich der Schaden- und Unfallversicherung in Bearbeitung – die Privatkunden werden es uns danken. Schon zu Jahresbeginn können Sie die Probe aufs Exempel machen: Dann wird der GDV die überarbeiteten Bedingungen in der Kraftfahrtversicherung inklusive der neuen Bedingungen für die Fahrerschutzversicherung veröffentlichen.

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Jahr des Übergangs: Das trifft natürlich ganz besonders auf das große europäische Regelwerk Solvency II zu, das 2016 in Kraft treten wird. Uns bleiben also noch genau 379 Tage. Dann wird Solvency scharf gestellt. Wenn wir die Leitlinien klug umsetzen, dann wird ein hochmodernes Aufsichtssystem entstehen. Parallel dazu sollten aber auch die Regulierer ihrer Verantwortung gerecht werden und eine Regulierung mit Augenmaß verfolgen. Dann, da bin ich mir sicher, werden die deutschen Versicherer den Einstieg in das ab 2016 europaweit geltende Aufsichtsrecht gut bewältigen.

2015 wird die deutsche Assekuranz die Veränderungskraft und die Beschleunigung, die aus der Digitalisierung fast aller unserer Lebensbereiche folgt, noch deutlicher zu spüren bekommen. Denn die Finanzbranche ist gleichzeitig Betroffener und Treiber der Entwicklung. Die Digitalisierung verändert Vertriebswege und Geschäftsmodelle, dabei gilt es, die richtige Mischung zwischen Innovation und Erhaltenswertem zu finden.

Klar ist, dass die Rolle der IT im Wettbewerb um Kunden und im Rahmen von Kostensenkungen wächst. Und dabei der Datenschutz eine ganz neue gesellschaftliche Rolle erhält. Hier hat unsere Branche viel zu bieten, die Sicherheit der Daten unserer Kunden hat für uns hohe Priorität. Und Datensicherheit schreiben wir Versicherer uns schon seit Jahrzehnten auf die Fahnen. Chancen und Risiken der Digitalisierung sind daher für uns 2015 ein ganz wichtiges Thema. Wir sollten mutig damit umgehen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr!

Ihr
Jörg von Fürstenwerth
 
Jörg von Fürstenwerth
 

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