03.12.2014
Kolumne

Wir meinen es ernst!

Was konnte man nicht wieder alles lesen nach dem Versicherungstag in der vergangenen Woche: Branche geht auf Kuschelkurs mit der Regierung, Versicherer holen sich Beistand von Kirche und Gewerkschaften, Unternehmen schauen nicht über ihren eigenen Tellerrand hinaus, kein spannendes Thema weit und breit. Wie bitte? Das muss eine andere Veranstaltung gewesen sein als die, auf der ich war.

Ich habe auf dem Versicherungstag Dutzende von Gesprächen geführt – und wurde fast immer auf das Thema Infrastrukturinvestitionen angesprochen. Wenn das kein Thema ist, das die gesamte Volkswirtschaft betrifft! Wir haben uns hier klar positioniert: Wir begrüßen das Investitionspaket der EU-Kommission und stehen als Partner bereit – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Auch wenn so mancher es nicht mehr hören mag: Den Nachsatz müssen wir immer und immer wieder dazu sagen, denn wir sind keine Ankündigungs-Weltmeister, sondern die Verwalter von 1.400 Milliarden Euro Kundengeldern. Und die können und dürfen wir nur dann in neue Anlagen stecken, wenn sie dort absolut sicher sind. Damit jeder merkt, dass wir es ernst meinen: Erst heute haben wir ein Positionspapier zur Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur vorgelegt. Die bislang eher abstrakt und allgemein formulierten Rahmenbedingungen werden damit nun konkret. Ich freue mich auf die hoffentlich jetzt einsetzende breite Diskussion darüber!

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Gratulieren möchte ich an dieser Stelle einem Geburtstagskind, das in diesen Tagen 125 Jahre geworden ist. 1889 hat der Reichstag in Berlin mit dem Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz den Grundstein für die gesetzliche Rentenversicherung heutiger Prägung verabschiedet. Sie war und ist ein Segen für viele Millionen Menschen; und sie wird – natürlich – weiterhin gebraucht. Aber man muss keinen Rechenschieber zur Hand nehmen, um zu erkennen: Wenn in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer weniger Menschen in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, gleichzeitig aber immer mehr Menschen Rente beziehen, dann kann das nur begrenzte Zeit funktionieren.

Ein Blick auf die Realität von Beitragssätzen und Sicherungsniveau genügt, um sich klarzumachen, dass es nicht ohne ergänzende private Vorsorge geht. In einer eindrucksvollen Studie hat das vor ein paar Monaten das Prognos-Institut zusammen mit dem Rentenexperten Bert Rürup vorgerechnet. Es geht nicht um einen Kampf der Systeme, also Umlageverfahren gegen Kapitaldeckung. Sondern darum, dass der Umbau der Alterssicherung in Deutschland zu einem Mehr-Säulen-Modell aus umlage- und kapitalfinanzierter Vorsorge richtig war und ist – trotz oder gerade auch wegen der Niedrigzinsphase.

Das gilt übrigens ebenso für die Vorteile einer Lebensversicherung. Auch wenn mit großer Ausdauer versucht wird, das Produkt totzureden und –zuschreiben: gerade heute ist wieder zu lesen, die Politik versuche die Lebensversicherungskunden mit der geplanten Einführung einer „kollektiven Rückstellung für Beitragsrückerstattung“ auszutricksen. Dieser Vorwurf hat mit der Realität nichts zur tun.

Bei dem zugegebenermaßen sperrigen Begriff geht es darum, den zentralen Mechanismus der Lebensversicherung, der die Kunden vor den Wirkungen der Kapitalmarktschwankungen bestmöglich abschirmt, funktionsfähig zu halten. Es ist schlichtweg falsch, wenn behauptet wird, den Kunden würde dadurch dauerhaft Geld vorenthalten. Keinem Versicherten wird etwas weggenommen, das er mit seinen Beiträgen finanziert hat!

Verbraucherschützer, die mit reflexhaften Vorwürfen immer wieder versuchen zu suggerieren, die Lebensversicherung eigne sich nicht für die private Altersvorsorge, handeln verantwortungslos. Die Stabilität der Lebensversicherung ist ein wesentlicher Grund, warum sich über 70 Mio. Menschen für diese Altersvorsorge entschieden haben. Zu Recht!

Ihr
Jörg von Fürstenwerth
 
Jörg von Fürstenwerth
 

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