15.12.2014
Interview

So lernen Kinder das richtige Verhalten bei einem Feuer

In der Adventszeit ist die Brandgefahr besonders groß. Jedes Jahr registrieren die Haus- und Wohngebäudeversicherer um Weihnachten herum 11.000 bis 12.000 Brände. Häufigste Ursache: unbeaufsichtigte Kerzen an Adventskränzen und am Weihnachtsbaum. Besonders gefährdet sind Kinder. Die Feuerwehr schätzt, dass fast ein Drittel aller Brandopfer Kinder sind. Sie sollten deshalb frühzeitig lernen, wie sie sich im Brandfall verhalten sollen, sagt Dr. Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion „Das sichere Haus e.V.” (DSH) im Interview.

Erwachsene wissen in der Regel, was zu tun ist und rufen unter 112 die Feuerwehr. Wie ist das bei Kindern?
Susanne Woelk: Auch Kinder sollten die Notrufnummer 112 kennen, um die Feuerwehr zu rufen. Außerdem sollten sie die Handynummer der Eltern wissen, um im Notfall Hilfe zu rufen. Die Nummer der Eltern kann als Direktwahl ins das Festnetztelefon eingespeichert werden. Denn ein aufgeregtes Kind vergisst wahrscheinlich in einer Gefahrensituation eine längere Telefonnummer. Da ist es einfacher zu wissen, dass man unter einer Direktwahlnummer die Eltern erreicht. Das Anrufen mit der Direktwahl sollte mit den Kindern immer wieder geübt werden, damit das im Gedächtnis bleibt.

Wen es brennt, wer sollte denn alles informiert werden?
Woelk: Wenn die Kinder nicht allein zu Hause sind, sollten alle Anwesenden durch lautes Rufen („Feuer! Feuer!“) alarmiert werden. Wenn das Kind oder die Kinder allein zu Hause sind, müssen sie die Wohnung sofort verlassen und zu den Nachbarn gehen, die dann die Feuerwehr und die Eltern informieren.

Zur Person

Dr. Susanne Woelk

ist 49 Jahre alt und seit 2001 die Geschäftsführerin der Aktion „Das sichere Haus e.V. (DSH)” mit Sitz in Hamburg. In der DSH arbeiten zahlreiche Verbände und Institutionen zusammen, darunter auch der GDV, die sich dem Unfallschutz in Heim und Freizeit verpflichtet fühlen.


Was können Eltern ihren Kindern für den Notfall beibringen?
Woelk: Was Kinder schon lernen und überblicken, hängt stark von ihrem Alter ab, ebenso vom Brandort und von der Schwere des Brandes. Eltern sollten ihrem Kind aber unbedingt beibringen, dass es sich und andere so schnell wie möglich in Sicherheit bringen muss und wie das geht. Das heißt: Sich selbst und andere aus dem Zimmer lotsen, die Zimmertür hinter sich schließen, laut „Feuer! Feuer!“ rufen.

Und wie übt man mit Kindern, dass sie im Ernstfall wissen was zu tun ist?
Woelk: Mit Dreijährigen kann man zum Beispiel schon üben, dass und wie sie im Brandfall das Telefon benutzen sollen, wie sie sich aus der Gefahr bringen und Hilfe holen können. Mit Kindern so ab fünf Jahren können Eltern das mit konkreten Fragen erreichen. „Was würdest Du tun, wenn es plötzlich in Deinem Zimmer brennt?“ Das Kind kann sich darunter etwas vorstellen. Aus den Antworten und neuen Fragen und Erklärungen ergibt sich wie von selbst eine Art Handlungsanweisung, die man immer wieder üben kann. Wichtig ist, dass dieses „Spiel“ in Ruhe gespielt wird, die Eltern Souveränität ausstrahlen. Das Kind erfährt dadurch, dass das Feuer zwar eine Gefahr darstellt, mit der man aber umzugehen lernen kann.

Und bei älteren Kindern?
Woelk: Älteren Kindern kann man zeigen, wie kleine Brände gelöscht werden können. Zum Beispiel durch Ersticken mit einer Decke oder mit Wasser aus der Blumenvase oder Gießkanne von der Fensterbank. Sie müssen aber auch erkennen können, wie lange die Löschversuche noch sinnvoll sind und wann der Zeitpunkt gekommen ist, die Wohnung zu verlassen. Jedes Kind muss aber wissen, dass es bei einem Zimmerbrand die Fenster nicht öffnen soll, damit das Feuer keinen zusätzlichen Sauerstoff bekommt und das Feuer sich weiter ausbreiten kann.

Kann man mit Kindern auch den Umgang mit Feuer also mit Kerzen, Feuerzeug oder Streichhölzern üben?
Woelk: Ja unbedingt. Solange Streichhölzer verboten sind, üben sie einen besonderen Reiz aus. Die Eltern sollten gemeinsam mit den Kindern üben, wie man eine Kerze anzündet. Die Kerze muss einen festen Stand haben, die Streichhölzer immer vom Körper weg gezündet werden. Außerdem muss man Kindern erklären, dass sie nur gemeinsam mit einem Erwachsenen Streichhölzern oder Feuerzeug benutzen dürfen.

Gibt es typische Fehler bei Kindern, wenn Gefahr droht?
Woelk: Ja, ein typisches Verhalten ist, dass sich Kinder oft verstecken, wenn es brennt, weil sie sich dann in Sicherheit wiegen. Aber genau das Gegenteil ist ja der Fall – Kinder müssen wissen, dass sie im Brandfall nicht gefunden werden! Deshalb sollten sie laut um Hilfe rufen, die Feuerwehr alarmieren und einen Erwachsenen, zum Beispiel die Eltern oder Nachbarn, verständigen.