19.11.2014
Rentenversicherungsbericht 2014

Zeit für den Riester-Relaunch

Trotz der historisch niedrigen Zinsen lohnt sich Riestern. Das belegen viele Studien und Beispielrechnungen. Dennoch gibt es zwölf Jahre nach der Einführung Handlungsbedarf. Das zeigt auch der aktuelle Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung, der am heutigen Mittwoch vorgelegt wurde: Um die wachsende Lücke bei der gesetzlichen Rentenversicherung füllen zu können, muss die Förderung der Riester-Rente attraktiver werden – insbesondere für Durchschnitts- und Niedrigverdiener.

Der neue Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung, den das Bundeskabinett heute beschlossen hat, betont die Bedeutung der privaten Altersvorsorge. „Die gesetzliche Rente wird alleine nicht ausreichen, um den Lebensstandard des Erwerbslebens im Alter fortzuführen“, heißt es in dem Papier. Und weiter: „In Zukunft wird der erworbene Lebensstandard nur erhalten bleiben, wenn die finanziellen Spielräume des Alterseinkünftegesetzes und die staatliche Förderung genutzt werden, um eine zusätzliche Vorsorge aufzubauen.“ Von 2014 bis 2028 sollen die Renten zwar nominal weiter steigen. Gleichzeitig aber sinkt das Rentenniveau. Ein Neurentner des Jahres 2014 erreicht mit seiner gesetzlichen Rente ein Sicherungsniveau von 48 Prozent. Kommt die Riester-Rente hinzu, steigt der Prozentsatz immerhin auf über 50 Prozent, so der Bericht.

Rahmenbedingungen müssen stimmen, um Vorsorgelücken zu schließen

Die Riester-Rente ist demnach für viele Kunden ein sinnvoller Baustein für die Altersvorsorge. Sie lohnt sich gerade für Geringverdiener und Familien mit Kindern. Damit die Riester-Rente aber wie ursprünglich geplant zur Schließung der zukünftigen Versorgungslücken beitragen kann, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Die Versicherungswirtschaft macht sich daher für eine Überprüfung der Riester-Rente und ihrer Förderung stark.

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Schließlich ist die Höhe der Riester-Förderung seit 2002 unverändert und daher im Realwert deutlich gesunken. Allein zum Angleichen an die Wirtschaftsentwicklung der letzten 10 Jahre müsste das Fördervolumen um mindestens ein Drittel erhöht werden. „Die Förderung der Riester-Rente sollte dynamisiert und an die Einkommensentwicklung angepasst werden“, sagt Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die notwendigen Rentenreformen haben den Vorsorgebedarf noch erhöht. Hinzu kommt, dass das Zinsniveau heute deutlich niedriger ist als bei der Einführung der Riester-Rente. „Auch deshalb sind höhere Vorsorgebeiträge erforderlich, um die zusätzlich entstandenen Lücken zu schließen“, so Erdland.

Das heißt konkret: Beiträge in Höhe von bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze sollten künftig einschließlich Zulagen förderfähig sein. Bezogen auf 2015 wäre das eine Anhebung von derzeit 2.100 Euro auf gut 2.900 Euro, analog zu der Förderung in der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Darüber hinaus sollte die Grundzulage von derzeit 154 Euro auf mindestens 200 Euro angehoben werden und die Kinderzulage generell 300 Euro betragen – also auch für Kinder, die vor 2008 geboren wurden. Zusätzlich sollte der Kreis an förderfähigen Personen um Selbstständige erweitert werden. Flexible Erwerbsbiografien führen dann nicht mehr zu unterbrochener Vorsorge.

Riester könnte zudem attraktiver werden, indem man die Förderregeln vereinfacht und die Einnahmen aus der Riester-Rente nicht voll auf die Grundsicherung anrechnet.

Grundsicherung: Eigene Vorsorgebemühungen nicht bestrafen

Weil die freiwillige Eigenvorsorge bislang von der Grundsicherung abgezogen wird, fürchten gerade viele Geringverdiener, dass im Alter nichts von der Riester-Rente bleibt. Damit fehlt vielen der Anreiz, überhaupt privat vorzusorgen. Hier könnten Freibeträge helfen, damit das Fürsorgenetz der Grundsicherung nicht zur „Vorsorgefalle“ wird.

In jedem Fall ist es wichtig, die Riester-Rente richtig zu nutzen. Das geht nur, wenn Kunden ihre Zulagen auch tatsächlich beantragen und ihre Beiträge regelmäßig prüfen. Der GDV hat Tipps zusammengestellt, die das Verfahren erleichtern.