19.11.2014
Kolumne

Werte im Mittelpunkt

Würden wir jetzt schon zurückblicken auf das Jahr 2014, so war es für unsere Branche zweifellos eine außergewöhnlich ereignisreiche Zeit. Das Lebensversicherungsreformgesetz LVRG war ein Meilenstein, hinzukommen wichtige Etappen für die Vorbereitung auf das neue Regulierungsregime Solvency II, allen voran die BaFin-Vollerhebung zur Risikotragfähigkeit unserer Lebensversicherer. Hier wurden natürlich auch die Folgen einer langanhaltenden Niedrigzinsphase thematisiert. Vor diesem Hintergrund trifft sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in der kommenden Woche zum Versicherungstag 2014.

Auf unserem großen Branchentreffen diskutieren Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Versicherungsunternehmen politische Trends und aktuelle Entwicklungen. Wir haben uns für ein sehr grundsätzliches Motto entschieden: „Werte. Verantwortung. Vertrauen”. Entsprechend fällt die Rednerliste aus: Außer GDV-Präsident Alexander Erdland sprechen der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Den Höhepunkt markiert aber zweifellos die Rede der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf spannende Reden und gute Gespräche.

Die Geldpolitik der EZB ist eine große Herausforderung für die Versicherer und schwächt vor allem langfristig die Altersvorsorge von Millionen Menschen. Die Strategie, mit billigem Geld Zeit für Reformen zu kaufen, ist nicht aufgegangen. Ein Ausweg aus der derzeitigen Zinsfalle könnten Investitionen in Infrastrukturprojekte sein – mir gefällt daran auch der gesellschaftliche Nutzen, den unsere Anlagen damit im besonderen Maße befördern.

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Noch eine Debatte: Zwölf Jahre nach der Einführung der Riester-Rente wird zu Recht die Frage diskutiert, ob die jüngste Form der privaten Vorsorge in der Lage ist, die Lücke der gesetzlichen Rente zu schließen. Gerade weil das Zinsniveau inzwischen deutlich niedriger ist als im Jahr 2002, muss mehr zurückgelegt werden als früher kalkuliert wurde. Lassen Sie mich klar sagen: Riestern lohnt sich für die allermeisten Kunden. Nicht zuletzt durch die staatlichen Zulagen bietet die Riesterrente eine hochattraktive Rendite im Vergleich zu anderen sicheren Anlagen. Dazu müssen gerade Menschen mit kleineren Einkommen allerdings genug verdienen, um sich Beiträge überhaupt leisten zu können. Die staatliche Förderung der Riester-Rente sollte zudem verbessert und damit an die schwachen Zinsen angepasst werden.

Und zu guter Letzt ein Punkt, der mir sehr am Herzen liegt: Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes verzichten immer noch 15 Prozent der Haushalte auf eine Haftpflichtversicherung. Wer anderen Personen einen Schaden zufügt, haftet dafür in unbegrenzter Höhe und mit seinem gesamten Vermögen. Wenn Sie mich fragen: Diese Zahl ist entschieden zu hoch, zumal auch der Geschädigte in diesen Fällen schnell auf seinen Kosten sitzen bleibt.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth
 
Jörg von Fürstenwerth
 

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