26.11.2014
Kolumne

Von Unkenrufen und sonstigen Widersprüchen

Versicherer seien nicht innovativ und schon gar nicht digital genug. Diese Kritik hat man häufiger schon gehört. Nun hat die Ankündigung von Generali-Konzernchef Mario Greco, das gesunde Leben seiner Kunden – gemessen mit einer Fitness-App – zu honorieren, für eine ganz andere Art Aufregung gesorgt: Dürfen Versicherte künftig ihre gute Gesundheit und körperliche Fitness mit der freiwilligen Weitergabe von Daten nutzen, um an günstigere Tarife zu kommen? Und wie sollen Versicherungen mit den ungeheuren Datenmengen umgehen, die in Zukunft durch Fitness-Armbänder, Smart Cars oder das vernetzte Zuhause immer weiter wachsen werden?

Die aktuelle Diskussion ist ein Paradebeispiel dafür, wie widersprüchlich die Debatte um die Digitalisierung läuft. Erst wird den Versicherern vorgeworfen, die Digitalisierung zu verschlafen – um dann wieder als zu digital oder zu weitgehend bei der Datennutzung kritisiert zu werden. Beides ist falsch: Die Versicherungen haben die Herausforderungen verstanden, die das Zeitalter von Big Data mit sich bringt. Ich kenne kein Unternehmen, das die Digitalisierung nicht ernst nimmt. Die Unternehmen kennen aber auch die großen Ängste, die Kunden beim Thema Daten haben.

Vor wenigen Wochen erst hat uns das Institut für Demoskopie Allensbach in unserer Umfrage zur „Generation Mitte“ bestätigt, wie viele Sorgen bei den Menschen in der Mitte unserer Gesellschaft beim Thema Daten mitschwingen. Einerseits. Denn auf der anderen Seite geben viele Ihre Daten oft schnell für den nächsten Rabatt oder die Gratisnutzung von sozialen Netzwerken her. Weil es für unsere Kunden bei uns aber nicht um Krawatten oder Schuhe, sondern um die Absicherung von existenziellen Risiken geht, braucht es hier Lösungen mit Hand und Fuß – und keine Schnellschüsse. Versicherer brauchen Daten – denn ohne Daten kein Versicherungsschutz. Und je besser die Daten, desto besser können wir Risiken kalkulieren. Das bedeutet aber auch eine große Verantwortung, die unsere Branche an dieser Stelle hat. Dieser Verantwortung stellen wir uns: wir sind die erste Branche, die für eine freiwillige Selbstverpflichtung zum Datenschutz – dem Code of Conduct – die Zustimmung der Datenschutzbehörde erhalten hat.

GDV-NEWSLETTER

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Der GDV-Newsletter bietet einen aktuellen Überlick über die wichtigsten Themen der Versicherungswirtschaft – immer mittwochs in Ihrem E-Mail-Postfach.
Hier abonnieren


Dass die neue GDV-Kommunikation von unseren Mitgliedern kritisch beäugt werde, konnte man vor wenigen Tagen aus journalistischer Quelle auch auf der Tagung der Deutschen Versicherungsakademie zur Unternehmenskommunikation in Frankfurt hören. So haben es mir Teilnehmer berichtet. Ich bin überrascht, wir beim GDV haben von den kritischen Tönen aus den Mitgliedsunternehmen bislang nichts gehört. Vielmehr wird die neue Aufstellung, in der wir seit Anfang September unterwegs sind, mit hohem Interesse und Sympathie begleitet. Seit November ist der Geschäftsbereich Kommunikation nun in den neu gestalteten Räumen heimisch. Vor wenigen Tagen habe ich mit vielen anderen Kollegen des GDV an einer Morgenrunde im neuen Newsroom teilgenommen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, bei Medienschau und Themendebatte mit dabei zu sein. In der anschließenden Diskussion stellte sich klar heraus: Wenn wir unser Image nachhaltig verbessern wollen, dann ist nicht nur der ganze Verband, sondern die Branche insgesamt gefordert. Gemeinsam müssen wir aktiv unsere Themen setzen.

Der Jahreswechsel naht und mit ihm die üblichen Unkenrufe über die Zukunft der Lebensversicherung. Ich habe mich längst an diese Jahresendzeitprognosen gewöhnt, auch wenn die Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent und die weiteren Änderungen durch das Lebensversicherungsreformgesetz dazu führen, dass die Rufe in diesem Jahr besonders laut ausfallen dürften. Ich bleibe Optimist: Die Notwendigkeit, privat fürs Alter vorzusorgen, ist heute dringender denn je. Und private Rentenversicherungen sind ein gutes Mittel. Das haben die Deutschen erkannt. Der Gesamtbestand der abgeschlossenen privaten Rentenversicherungen ist seit 2001 um 30 Millionen Verträge gestiegen.

Im vorigen Jahr zählte der GDV 39,8 Millionen Rentenversicherungsverträge, ein Plus von 800.000 Verträgen gegenüber dem Vorjahr 2012. Die Zahlen belegen, dass die meisten Menschen lebenslange Rentenzahlungen als Bestandteil ihrer Altersversorgung sehen. Und trotz extrem niedriger Zinsen -das Wort Strafzins mag ich gar nicht in den Mund nehmen – kann sich unsere Lebensversicherung – verglichen mit anderen Geldanlagen – sehen lassen. Natürlich müssen wir uns um die Sparkultur in Deutschland sorgen, aber gerade für solch unsichere Zeiten haben wir ein Pfund in der Debatte: Das Thema Sicherheit – das ist den Deutschen laut Umfrage des Allensbach-Instituts nach wie vor am wichtigsten bei ihrer Altersvorsorge.

Ihr
Jörg von Fürstenwerth
 
Jörg von Fürstenwerth
 

Mehr zum Thema:
>> zur Person: Dr. Jörg Freiherr Frank von Fürstenwerth
>> alle Kolumnen von Jörg von Fürstenwerth auf GDV.DE

Schlagworte