03.11.2014
Raumfahrtversicherungen

So sind Raumfähren und Satelliten versichert

Die private Raumfahrt steckt in der Krise. In der letzten Woche explodierten gleich zwei Raketen von privaten Unternehmen auf ihrem Weg in den Orbit. Der Raumfrachter „Cygnus“, unterwegs zur Raumstation ISS, und das Touristen-Raumflugzeug SpaceShipTwo, ihre Trümmerteile liegen heute auf US-amerikanischen Boden. Trotz hoher Risiken und kalkulatorischer Unwägbarkeiten versichert die Assekuranz Raumfahrten und Satelliten, unter den führenden Anbietern sind auch deutsche Versicherungen. Ein Überblick.

Weltraum-Missionen stellen Versicherer vor zahlreiche Herausforderungen: Die Technik ist hochkomplex und enthält unzählige Fehlerquellen. Die Anzahl der Starts ist so niedrig, dass sich die Wahrscheinlichkeit eines Fehlstarts statistisch kaum quantifizieren lässt, technologische Neuerungen stellen auch die Relevanz aller vorliegen Daten in Frage. Dazu kommt: Nicht nur der Transport ist risikoreich. Hat ein Satellit unfallfrei seine Umlaufbahn erreicht, kann niemand mit Gewissheit sagen, wie stabil die Technik der teuren Einzelstücke im All tatsächlich ist. Kurzum: Die Raumfahrt bewegt sich im Grenzbereich der Versicherbarkeit.

Nichtsdestotrotz sichert die Assekuranz die Risiken privater Weltraum-Missionen und den Betrieb von Satelliten ab. Die deutsche Versicherungswirtschaft gehört zu den führenden Anbietern dieser Raumfahrt- und Satelliten-Versicherungen, engagiert sind unter anderem MunichRe, Allianz und Axa. Die Anbieter begleiten Raumfahrt- und Satellitenprojekte von der Planungsphase bis zum sogenannten In-Orbit-Betrieb.

Der Markt ist vergleichsweise klein, das Risiko hoch

„Die Versicherer ermöglichen die Risikoübernahme durch einen intensiven Informationsaustausch mit dem Kunden. Schon während der Planungsphase werden alle potentiellen Risiken geprüft, im Anschluss kann so eine individuelle Deckungsausgestaltung erfolgen“, erklärt Jens Jaeger, Teamleiter Transport- und Luftfahrtversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Der GDV erfasst die Raumfahrtversicherungen nicht separat, sondern als Teil der Luft- und Raumfahrtversicherungen. Für diese nahmen die deutschen Erst- und Rückversicherer im vergangenen Jahr Beiträge in Höhe von knapp 600 Millionen Euro ein.

Insgesamt gilt: Der Markt ist vergleichsweise klein, das Risiko hoch. Schon ein verunglückter Raketenstart oder der Ausfall eines einzigen Satelliten kann die gesamten Beitragseinnahmen eines Jahres oder mehr kosten. Der Betreiber von Cygnus, Orbital Sciences, kündigte unterdessen an, auch zukünftig weiter ins All fliegen zu wollen. Das Unternehmen versorgt die ISS im Auftrag der US-Weltraumbehörde NASA bis 2016 mit Ausrüstung und Nahrung für die Astronauten. Seit der Einstellung ihres eigenen Shuttle-Programms setzt die Nasa für Raumfahrten auf private Firmen.

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